Unsichere Zukunft

18. März 2020 08:03; Akt: 18.03.2020 10:19 Print

So leiden KMU unter der Corona-Krise

von F. Pöschl - Seit Dienstag sind Läden und Restaurants dicht. Das gefährdet die Existenz vieler Geschäfte. 20 Minuten sprach mit Inhabern.

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Beim Schaffhauser Maler- und Gipsergeschäft von Daniel Scheffmacher kommen fast keine Aufträge mehr rein. «Ich rechne mit monatelangen negativen Auswirkungen und einem beträchtlichen finanziellen Schaden», sagt Inhaber Daniel Scheffmacher weiter. Hart trifft es Stefanie Schaub, die Inhaberin des Amriswiler Coiffeurgeschäfts Haarscharf: «Für selbstständige Berufstätige ist die Lage verwirrend, weil es noch keine Lösung für uns gibt.» Das Winterthurer Blumengeschäft Müller hat zwar geschlossen. Über den Hauslieferdienst kann das Geschäft aber weiterhin Blumen an die Kunden verschicken. Sollte der Gasthof Eisenbahn in Weinfelden keine Unterstützung vom Bund bekommen, sei er in der Existenz bedroht. Ein entsprechender Antrag sei gestellt. An der Grenze zu Frankreich werden alle scharf kontrolliert, die in die Schweiz einreisen wollen. In Genf schliesst ein Buchhändler sein Geschäft. In der Altstadt in Genf sind die Strassen leergefegt. Gähnende Leere auch am Flughafen Zürich Alles ist zu am Flughafen. Der Bundesrat hat den den nationalen Notstand erklärt. Eine Verkäuferin informiert die Kunden am Montag an der Bahnhofstrasse in Zürich über die Schliessung. Auch die Grenze zwischen Italien und der Schweiz wird dichtgemacht. Per sofort sind öffentliche und private Veranstaltungen verboten. Auch im Niederdorf in Zürich wird es ruhig. Kleiderläden müssen geschlossen bleiben. Ausgehfreudige geniessen den letzten Abend vor der Schliessung der Restaurants durch den Bundesrat wegen des Coronavirus, aufgenommen am Montag, 16. März, in Zürich. Alle Läden, Märkte, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe werden geschlossen. Stühle stehen auf den Tischen anlässlich der Schliessung der Restaurants durch den Bundesrat. Ein geschlossener Grenzübergang zu Weil am Rhein, Deutschland, in Riehen am Montag. Auch im Shoppingcenter Tivoli in Spreitenbach bleiben die Geschäfte zu. Diese Blumen wurden gratis abgegeben, weil sie nicht mehr verkauft werden können.

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Der Bundesrat hat am Montag wegen der Corona-Krise den Lockdown ausgerufen. Läden, Restaurants und viele weitere Betriebe sollen vorerst bis 19. April geschlossen bleiben. Der Entscheid trifft besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hart – auch wenn der Bund Gelder zur Unterstützung bereitstellt (siehe Box). 20 Minuten hat mit Geschäftsinhabern über ihre Lage gesprochen.

Coiffeur Haarscharf, Amriswil

Hart trifft es Stefanie Schaub, die Inhaberin des Amriswiler Coiffeurgeschäfts Haarscharf. «Für selbstständige Berufstätige ist die Lage verwirrend, weil es noch keine Lösung für uns gibt», sagt sie zu 20 Minuten. «Ich bin fassungslos, dass das in der reichen Schweiz möglich ist. Eine ungewisse Zeit ohne Einkommen ist existenzbedrohend.» Zwar würden ihr Kunden anbieten, dass sie die Haare bei ihnen zu Hause schneiden könne, doch das sei nicht erlaubt. «Ich darf nicht im Geschäft arbeiten und auch nicht zu den Kunden nach Hause, weil ich sonst schwarzarbeiten würde», sagt Schaub.

Maler- und Gipsergeschäft Scheffmacher, Schaffhausen

Beim Schaffhauser Maler- und Gipsergeschäft Scheffmacher sind die Auftragsbücher stark abnehmend und die zwei Farbwarenverkaufsläden geschlossen. «Seit zweieinhalb Wochen kommen kaum noch neue Aufträge für den Bau rein», sagt Inhaber Daniel Scheffmacher zu 20 Minuten. Die Folgen dürften schwerwiegend sein. «Ich rechne mit monatelangen negativen Auswirkungen und einem beträchtlichen finanziellen Schaden.» Existenzängste habe Scheffmacher aber keine. «Ich habe vorgesorgt, habe mit der Bank gesprochen, um die Lohnfortzahlung zu sichern und einen Antrag für Kurzarbeit eingereicht. Gemeinsam mit meinen tollen Mitarbeitern stehen wir das durch.»

Blumen Müller, Winterthur

Das Winterthurer Blumengeschäft Müller hat zwar geschlossen. Über den Hauslieferdienst kann das Geschäft aber weiterhin Blumen an die Kunden verschicken, wie Inhaber Martin Müller zu 20 Minuten sagt. Sollte das aber nicht mehr möglich sein, müsste Blumen Müller handeln. «Wir müssen die Situation beobachten und falls nötig mit Massnahmen wie Kurzarbeit reagieren», sagt Müller. Derzeit arbeiteten aber die meisten Mitarbeiter wie gewohnt weiter, weil etwa mit Aufräumarbeiten noch genug zu tun sei.

Gasthof Eisenbahn, Weinfelden

Reto Lüchinger, Inhaber des Gasthofs Eisenbahn in Weinfelden, spricht gegenüber 20 Minuten von einer unbeschreiblichen Situation. «Wir befinden uns in einem Vakuum. Die Grundlage unserer Arbeit wurde uns genommen. Wir dürfen nicht mehr dem nachgehen, das wir gerne tun.» Er habe die Mitarbeiter über die Kurzarbeit aufgeklärt und bedauere, dass er alle in die Zwangsferien schicken müsse. Sollte der Gasthof keine Unterstützung vom Bund bekommen, sei er in der Existenz bedroht. Ein entsprechender Antrag sei gestellt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Iamfromaustria am 18.03.2020 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schockstarre!!!

    Es ist wirklich traurig, dass der Bundesrat zwar schöne Worte spricht, aber richtige Infos, wie es weiter geht, erhält niemand! Ach du reiche Schweiz! Als Unternehmer wenn die Geschäfte laufen, kann man Steuern u. Angaben zahlen...aber sobald man in Schwierigkeiten steckt ( ohne Eigenverschulden) passiert nichts! Und die Schlauen, die jetzt sagen " Es braucht seine Zeit" OK, verstehe das.....aber die Worte alla Merkel " Wir schaffen das" nützt halt auch niemanden etwas!!! Lieber Bundesrat....HANDELT ENDLICH!!!

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  • Thomas Baser am 18.03.2020 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Locker

    Ganz einfach, Steuerrechnung auslassen und diverese andere "unwichtige" und dann ist ein wenig gesorgt.

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  • Momo am 18.03.2020 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auslandhilfe

    Jetzt wäre es Zeit, all das Geld, das immer ins Ausland verschenkt wird, für die eigenen zu brauchen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • real economy basics am 18.03.2020 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    KMU Unternehmer

    Bei sovielen Arbeitnehmern die den KMU keine Unterstützung gönnen weil man ja soviel an Rücklagen bilden konnte. Hoffe dass Ihr ALLE auch soviel Rücklagen habt dass Ihr keine Kurzarbeitsentschädigung braucht und auch keine ALV. Sonsts habt Ihr leider auch sehr mies gewirtschaftet in den letzten Jahren.

  • Nicole am 18.03.2020 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Anrecht auf Kurzarbeit

    Mein Mann und ich haben ein kleines Unternehmen mit 8 Angestellten. Für die Angestellten können wir Kurzarbeit beantragen. Wir als Inhaber der GmbH haben kein Anrecht auf Lohnzahlung... Wir haben unser ganzes Geld in der Firma. Sollen wir mit unseren 3 Kindern nun auf die Wiese "grasen" gehen, oder wie soll das laufen?

    • Realist am 18.03.2020 13:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Nicole

      Wenn dem so ist, wäre die Firma spätestens Ende März sowieso Konkurs gegangen!

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  • Pecunia am 18.03.2020 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bankkredit

    Bitte glaubt bloss nicht, dass Banken Euch je zur Seite stehen werden! Banken sind Geier. Ich hatte mehrere Unternehmungen gegründet und alle erfolgreich geführt und verkauft. Keine dieser Unternehmungen hatte ich je mit Bankkrediten gegründet. Einmal musste ich wegen Fremdverschulden einen Kredit aufnehmen, den ich aber nur unregelmässig bedienen konnte. Da lernte ich die Geier kennen; grässlich. Nach drei Jahren ging es uns wieder glänzend und dann kamen die Geier wieder heuchlerisch angeflogen und haben Klinken geputzt, um Geld zu verleihen. Ich blieb hart; nein! Nie im Leben einen Kredit!

  • Tranquiliser am 18.03.2020 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Für alle Panikschieber

    Dieser Virus überträgt sich nur "über die Luft", wenn jemand vorher eine Nies- oder Hustwolke ausgestossen hat und man in diesen Tröpfchennebel kommt. Ansonsten fliegt das Virus nicht frei in der Luft herum. Daher sind die BAG Hygienemassnahmen völlig ausreichend, wenn sie denn alle einhalten.

  • Tinu am 18.03.2020 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Der Staat hat nur Geld(Steuergelder) um Banken zu retten,verschenken,oder für die Gäste.