Bauern profitieren wenig

20. Juli 2018 11:34; Akt: 20.07.2018 16:22 Print

Wer Fairtrade kauft, tut nicht automatisch Gutes

von Isabel Strassheim, Bobo-Dioulasso - Auch Fairtrade ist nicht unbedingt gerecht. Eine Reise zu Mangobauern in Westafrika zeigt, warum. Und wie es besser geht.

Ein Tuch auf dem Boden am Strassenrand und der Mangoverkauf im westafrikanischen Burkina Faso kann losgehen. (Video: Isabel Strassheim)
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Beim Lebensmittelkauf achten Schweizer Konsumenten immer mehr auf das Fairtrade-Label von Max Havelaar. Es soll den Produzenten eine gute Bezahlung garantieren. Doch ist Fairtrade tatsächlich gerecht? Einer der Bauern, der Havelaar-Mangos produziert, ist Issouf Coulibaly aus Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt. Das Fairtrade-Label garantiert seiner Kooperative einen Mindestpreis und eine Prämie. «Aber der Abkauf der Früchte ist für uns ungewiss», sagt Coulibaly in seinem Dorf Taga.

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Die Mangos in Taga sind Biofrüchte, wie viele Produkte von Kleinbauern in Afrika. Das 500-Einwohner-Dorf wurde erst 2013 an die Stromleitung angeschlossen, anstelle von fliessendem Wasser gibt es einen Brunnen. Auch die Landwirtschaft ist wenig modern: Sie wird noch ohne Pestizide betrieben und liegt damit genau im Trend der westlichen Staaten. 2014 liess sich die Mango-Koooperative von Taga mit dem Fairtrade-Label zertifizieren. Das war zwar ein Fortschritt: Es brachte Coulibaly und den anderen Bauern einen sicheren Preis, aber immer noch kein regelmässiges Einkommen. Der Haken ist: Max Havelaar überwacht die Prozesse und stellt das Siegel aus, kauft den Bauern aber selbst nichts ab.

Supermarktketten sind Fairtrade-Bauern nicht treu

Die grossen weltweiten Supermarktketten kaufen selbst ein – und auch bei Fairtrade meist mit Fokus auf ihre eigene Gewinnmaximierung. Sie wechseln zum Teil jedes Jahr die Produzenten, kaufen heute hier, morgen dort. Die Kunden in der Schweiz wissen nicht, wo die Mangos herkommen, denn an allen, die entsprechend zertifiziert sind, klebt das Max-Havelaar-Label. Für Bauern wie Coulibaly bedeutet das, dass sie nicht planen können, weil der Fairtrade-Handel ebenso wie der normale Handel so unberechenbar wie das Wetter ist.

Richtig aufwärts für die Bauern in Taga geht es erst, seitdem die Schweizer Firma Gebana ihnen die Fairtrade-Mangos für den Export abkauft. «Wir sehen uns als Partner und kaufen über Jahre hinweg bei denselben Bauernkooperativen», sagt Adrian Wiedmer, Chef von Gebana Schweiz.

Gebana stellt die Frage nach Gerechtigkeit

Gebana ist auch vor Ort. Die Firma schult die Bauern, betreibt Mangotrocknung-, Lager- und Abpackanlagen. Der grösste Teil dieser Mangos landet mit dem Label von Max Havelaar in europäischen Supermärkten. Einen kleineren Teil verkauft Gebana per Versandhandel direkt an Konsumenten.

Was Gebana auszeichnet, ist die Weiterentwicklung des Fairtrade-Konzepts: «Es darf nicht dabei bleiben, dass Supermärkte oder Firmen wie Starbucks an Havelaar-Produkten mehr verdienen und obendrein einen Imagegewinn haben, die Bauern aber kaum profitieren und weiterhin Spielball bleiben», kritisiert Wiedmer. Es gehe ihm dabei nicht um ein anderes Fairtrade-Label, sondern um das Vorgehen der Händler selbst: Die Supermarktketten und Konzerne mit ihrem unveränderten Fokus auf die eigene Gewinnmaximierung.

Auch die Gewinnaufteilung soll fair sein

Auch Gebana will wachsen und hat sich ähnlich wie Aktien-Konzerne eine deutliche Umsatz- und Effizienzsteigerung vorgeschrieben. In Burkina Faso soll die Zahl der Arbeitsplätze in den nächsten Jahren auf 600 steigen und 4500 Bauern soll eine regelmässige Abnahme garantiert werden. Denn Gebana hat auch noch weitere Ziele: «Wir wollen den Gewinn zwischen Investoren, Mitarbeitern und Kunden aufteilen und damit den Fairtrade-Handel weiter voranbringen», sagt Geschäftsführer Wiedmer.

Dieser Artikel entstand nach einer Medienreise, die von Gebana ermöglicht wurde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 20.07.2018 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues!

    Aber man kann ja nicht einfach sagen, es ist mir alles egal, ich kaufe nur noch Sachen ohne Label. Mit dem Kauf von Label- oder Bioware zeige ich als Kunde mein Interesse für faire Bedingungen. Werden diese nicht eingehalten, ist es Sache der Händler zu reagieren. Darauf verlasse ich mich! Ansonsten darf man vom Kunden auch mal Boykott erwarten!

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  • roland moser am 20.07.2018 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Trade mit Fair...

    ...hat nichts mit Fair zu tun. Bei Trade bleibt immer einer der Verlierer. Und genau das ist unfair. Alles Augenwischerei!

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  • commander shran am 20.07.2018 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pro lokale Bauern

    Bio oder Fairtrade? Mir sind unsere lokalen Bauern wichtiger.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • toto am 23.07.2018 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    so sos

    ich verstehe die Bauern, aber das ist freie Markwirtschaft halt nun mal!

  • Köö.bee am 21.07.2018 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    En Guete

    Was hat Fairtrade mit Mangos in Schweizer Supermarktläden zu tun. Da wird doch nur Ökoarithmetik betrieben um die Gewissen von einigen Wenigen mit bereits gefülltem Bankkonto zu beruhigen.

  • Pascal am 20.07.2018 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    danke gebana, weiter so!

    fair trade bedeutet leider nicht immer anständige löhne für die bauern. aber bitte nicht alles in einen topf werfen. es gibt unzählige firmen, die sich seit vielen jahren für echten fairen handel einsetzen, bedeutet, kein zwischenhandel, direktverkauf und in der folge maximale erträge für die bauern - so wie das gebana seit bald 20 jahren macht. es lohnt sich genau hinzuschauen. bei gebana kaufe ich gerne ein, super feine produkte und ich unterstütze damit die bauern im süden.

  • lanwn am 20.07.2018 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dummlimm

    ernsthaft?! wie kann man denken, dass bio und fair trade das selbe sind?! die worte sind doch selbsterklärend!

  • Dino Schön am 20.07.2018 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequent

    Ich kaufe Annanas und Bananen aus Prinzip nur von Plantagen von Schweizer Bergbauern.