Handelskrieg

26. Juli 2018 11:25; Akt: 26.07.2018 13:01 Print

So würde Trumps Welt ohne Zölle aussehen

von Dominic Benz - US-Präsident Donald Trump hat der EU vorgeschlagen, alle Zölle und Handelsbarrieren abzuschaffen. Was das bedeuten würde.

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Mitten im Handelsstreit macht Trump den Europäern auf Twitter ein Angebot: Sowohl die USA als auch die EU sollen doch auf sämtliche Zölle, Handelsbarrieren und Subventionen verzichten. Was passiert, wenn es keine Zölle mehr gibt? Laut Aussenhandelsexpertin Charlotte Sieber von der Universität Luzern würde eine Abschaffung von Zöllen den Handel nicht gross verändern. «Zölle machen im Güterhandel heute nicht mehr viel aus.» US-Präsident Trump legt sich im Handelsstreit auch mit China an: Er drohte der Volksrepublik, etliche weitere Import-Produkten aus China mit Strafzöllen zu belegen. Viele Ökonomen kritisieren Trump scharf für seine Strafzölle. Sie warnen vor der «Mutter aller Handelskriege». «Das ist völlig übertrieben», meint hingegen Heiner Flassbeck, Ex-Chefökonom der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung. Trump wolle niemanden bestrafen, sondern das Handelsdefizit der USA senken. Das sei völlig nachvollziehbar, so Flassbeck. Bereits vor ein paar Wochen hatte Trump Güter aus China mit Abgaben belegt. Jene Zölle betreffen Tech-Produkte wie Kopierer, Drucker oder Batterien. Trump begründet sie unter anderem mit Technologiediebstahl. Kurz nach Inkrafttreten der Abgaben teilte die chinesische Regierung mit, man werde mit dem «notwendigen Gegenangriff» reagieren. Was das genau bedeutet, ist noch unklar. Da waren sie noch nett zueinander: Xi Jinping und Donald Trump in Mar-a-Lago im April 2017. Bereits im April führte China Vergeltungszölle auf US-Produkte wie Schweinefleisch, Früchte und Wein ein. Peking reagierte damals auf die von Trump zuvor verhängten Abgaben auf Stahl und Aluminium. Donald Trump hatte im März den Beschluss von Importzöllen auf Aluminium und Stahl unterzeichnet. Ökonomen warnen vor einem dramatischen Handelskrieg, der das weltweite Wirtschaftswachstum abbremsen könnte. Die jüngsten Zoll-Drohungen von Trump liessen die Kurse an den Aktienmärkten rund um den Globus in den Keller rauschen. Auch der Schweizer Leitindex SMI verbuchte Verluste.

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Sind für US-Präsident Donald Trump an einem Tag Zölle «das Grösste», sind sie es am nächsten offenbar schon wieder nicht mehr. Mitten im Handelsstreit macht Trump den Europäern auf Twitter ein Angebot: Sowohl die USA als auch die EU sollen doch auf sämtliche Zölle, Handelsbarrieren und Subventionen verzichten. Dann könne man endlich von einem «freien Markt» und «fairen Handel» sprechen, so Trump. Doch wie sieht eine Welt ohne Zölle aus? Und ist das überhaupt realistisch? 20 Minuten hat bei Aussenhandelsexpertin Charlotte Sieber von der Universität Luzern nachgefragt.

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Sind Zölle überflüssig?

Was passiert, wenn es keine Zölle mehr gibt?
Laut Sieber würde eine Abschaffung von Zöllen den Handel kaum gross verändern. «Im Güterhandel spielen Zölle bei den Endpreisen keine grosse Rolle mehr.» Bei Industriestaaten würden diese im Schnitt bei 2 Prozent liegen. Entwicklungsländer hätten hingegen meist leicht höhere Zölle. Teilweise würden in einigen Branchen wie im Auto- oder Chemiesektor Zölle noch eine wichtige Rolle spielen. Viele Länder wie etwa die Schweiz haben aber bereits unilateral viele Zölle auf Gütern abgeschafft, betont Sieber.


Wäre ein Handel ohne Zölle realistisch?
Auf politischer Ebene ist eine Aufgabe der Zölle gemäss Sieber unrealistisch. «In der Politik kann man sich schon bei anderen Dingen kaum einigen.» Theoretisch wäre aber ein solcher Schritt im Güterhandel durchaus denkbar. Denn die Zölle verursachen heute häufig vor allem noch einen riesigen administrativen Aufwand. «Zölle und andere administrative Hürden verursachen Warteschlangen an den Grenzen. Das kostet Zeit und damit viel Geld», sagt Sieber. Teils würden die Kosten für die Bearbeitung der Abgaben und anderer Formalitäten höher sein, als die Zölle selber. Der globale Markt könne daher gut ohne diese Abgaben auskommen.

Gäbe es ohne Zölle einen völlig freien Handel?
Es gibt neben Zöllen noch andere Barrieren, die einen völlig freien Handel verhindern. «So etwa die Richtlinien und Vorschriften über die Zulassung von Waren in jedem einzelnen Staat», sagt Sieber. Ein Beispiel sind Vorschriften über die Produktesicherheit. Damit kontrollieren die Länder die Importe und stärken damit auch die eigene Wirtschaft. Diese Regeln haben laut Sieber die hohen Zölle als Schutzfunktion schon längst abgelöst. «Die Zoll-Thematik von Trump kommt daher wie aus einer anderen Zeit», erklärt die Expertin.


Was passiert, wenn alle Handelsbarrieren fallen?
Laut Sieber ist ein völlig freier Handel ohne Kontrolle nicht wünschenswert. «Gemeinsame Minimalstandards im Bereich der Herstellung und der Qualität sind für das längerfristige Funktionieren des globalen Markts, den Klima- und Umweltschutz sowie das Wohlergehen der Konsumenten unabdingbar.» Unklar ist zudem, was Trump unter Barrieren versteht. «Auch die verschiedenen Produktesicherheits-Vorschriften in den Ländern schränken den Handel ein», sagt Sieber.

Wie sieht fairer Handel aus?
Laut Sieber ist umstritten, was Trump damit meint. Für sie ist aber klar: Das Handelsdefizit der USA ist nicht die Schuld Chinas oder Europas, sondern die Folge der US-Politik in den letzten Jahrzehnten. «Die Amerikaner konsumieren mehr, als sie eigentlich vermögen», sagt Sieber. Solche strukturellen Probleme könne man nicht einfach mit Zöllen lösen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom am 26.07.2018 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach was!

    2%? Abgeschafft?! Ich bestelle auf Amazon etwas für 200 CHF und muss nochmal 50 an die Schweizer Post für Zollgebühren bezahlen! Wo lebt Ihr eigentlich?

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  • Welch am 26.07.2018 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Humbug

    Viele Länder wie etwa die Schweiz haben aber bereits unilateral viele Zölle auf Gütern abgeschafft, betont Sieber. Na schon länger nichts in die CH eingeführt?

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  • Mike Zac am 26.07.2018 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump schaut nur für sein Land

    eigentlich genau das was wir von unserem BR vergeblich erwarten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 02.08.2018 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Geld wurde fehlen...

    Wer profitiert von Zoll-Gelder? Die Staatskassen natürlich, darum wirds nie ändern!

  • Werner am 01.08.2018 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Twitter

    Wer reagiert denn noch auf Twitter Meldungen.

  • DerDude am 29.07.2018 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Globailierung hilft nur der Gier, sonst niemandem

    Zölle wären eigentlich ganz Gut. Denn ein gewisser Protektionismus, welcher die Globalisierung schwächt, wäre besser für die Umwelt und die Menschheit. Klar gibt es dann keine Erdbeeren im Winter mehr, man müsste sich der saisonalen Küche wieder bewusst werden und auch alle drei Monat den Kleiderschrank aussortieren und neu kaufen wäre dann wegen mangelder T-Shirts aus Bangladesh nicht mehr möglich. Aber der Menscheit täte ein wenig genügsamkeit und bescheidenheit ganz gut. Und der Umwelt würde noch der grösste Gefallen überhaupt getan...

  • Michl am 29.07.2018 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ein ganzheitlicher Lösungsansatz?

    In diesem Zusammenhang müsste auch über Subventionen - namentlich für Bauern - gesprochen werden. Diese sind darüber hinaus auch ein wesentlicher Faktor für die aktuelle Migrationskrise.

  • Peter am 29.07.2018 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Trump

    Noch mehr als bei uns wurde in den USA die Dienstleistungsbranche gefördert zu Lasten der Unternehmen die etwas entwickeln und herstellen. Einzig Deutschland hat das nicht mitgemacht. Die Folgen sind dank Trump nun klar sichtbar.