Kriminalität

15. Juni 2011 18:54; Akt: 15.06.2011 18:54 Print

So sind sie also, die Finanzgauner

Ein typischer Wirtschaftsdelinquent ist männlich, 36- bis 45-jährig und seit mehr als 10 Jahren in der gleichen Firma tätig. Das trifft zumindest teilweise auch auf die grossen Fische zu.

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Prototyp des Wirtschaftsverbrechers: Heinrich Kieber (links) und Hervé Falciani (Bild: Keystone)

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Er war einer der grossen seines Fachs: der Datendieb Hervé Falciani. Der Franzose, der als Informatiker bei der britischen Bank HSBC in Genf arbeitete, hatte Kundendaten gestohlen und sie vermutlich gegen Millionenbeträge den Steuerbehörden angeboten.

Mit seinem Vergehen passt der heute 38-jährige Falciani genau ins Profil des typischen Wirtschaftsbetrügers. Laut einer internationalen Studie des Beratungsunternehmens KPMG ist der durchschnittliche Wirtschaftsdelinquent 36 bis 45 Jahre alt und männlich.

Um ein Durchschnittsprofil eines Wirtschaftsbetrügers zu ermitteln, liess KPMG in 69 Ländern 348 Fälle von Wirtschaftsbetrug untersuchen. Neben den Täterangaben beleuchtete KPMG auch die Motive. Bei Hervé Falciani war es angeblich der Kampf für Steuergerechtigkeit. Der Informatiker sah sich als selbstloser, moderner Robin Hood – und nicht als Datendieb.

Täter sind stark extrovertiert

Laut der KPMG-Studie werden die meisten Betrugsdelikte von Männern begangen, die in einer Finanzfunktion oder im finanznahen Bereich tätig sind. Wer wirtschaftskriminelle Handlungen begehe, sei stark karriere- und erfolgsorientiert, entscheidungsfreudig und sozial hervorragend in das Unternehmen eingebettet, sagte Alexander Schuchter, Mitautor der Studie. Überdies sei der typische Betrüger extrovertiert.

Letzteres trifft auf einen weiteren bekannten Datendieb zu, den Liechtensteiner Heinrich Kieber. «Er hat die Gabe, extrem schnell und extrem viel zu reden.», sagt ein Bekannter über den Ex-LGT-Angestellten im Dokumentarfilm «Heinrich Kieber Datendieb». 2008 wurde Kieber plötzlich weltbekannt, als er als Informant des deutschen Nachrichtendienst identifiziert wurde. Mit seinem Datendiebstahl und dem Verkauf an die deutschen Behörden hatte Kieber den Ruf der Steueroase Liechtenstein zerstört und die Affäre um den damaligen Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel losgetreten.

Mehr kriminelle Chefs

Anders als im Fall Kieber, der ein Angestellter der unteren Ebene war und eigentlich den Auftrag hatte, Daten zu digitalisieren, wandern wirtschaftskriminelle Handlungen in der Unternehmenshierarchie immer weiter nach oben. Der Täteranteil in der obersten Führungsebene hat laut Anne van Heerden von KPMG seit 2007 deutlich zugenommen. Gemäss Studie wird über ein Drittel aller Betrugsdelikte von Angestellten begangen, die seit mehr als 10 Jahren im Unternehmen arbeiten. Erklärbar sei dies mit dem steigenden Vertrauen, der Zunahme des Handlungsspielraums, aber auch mit nachlässigen Kontrollen.

Laut der KPMG-Studie sind Betrugsfälle grundsätzlich in jedem Unternehmen möglich. Besonders gefährdet seien Firmen, in denen mit grossen Geldbeträgen gearbeitet werde. Zwar haben weder Falciani noch Kieber direkt mit Geld gearbeitet, hingegen mit Daten von reichen Kunden. Diese liessen sich dank kooperativer Steuerbehörden in grosse Geldbeträge verwandeln.


KPMG-Forensiker Anne van Heerden über die Gründe für Wirtschaftsdelikte

(sas/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marco N am 15.06.2011 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Marco

    die gehören ins Gefängnis denke ich

  • Michael Palomino (*1964) am 15.06.2011 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Alle 6 bis 8 Jahre Stelle wechseln

    Es ist leicht, immer auf Menschen zu zeigen, aber das System dann beizubehalten, das die Kriminalität zulässt! Die erste Massnahme wäre, keinen Mitarbeiter länger als 6 bis 8 Jahre am selben Posten arbeiten zu lassen.

  • wENZIN am 15.06.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die wirklich grossen Fische

    sitzen im Bundeshaus, National-, Stände und Kantonsrat. Dort nennt man das ganze dann beschönigend: "Mandat".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Palomino (*1964) am 15.06.2011 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    Alle 6 bis 8 Jahre Stelle wechseln

    Es ist leicht, immer auf Menschen zu zeigen, aber das System dann beizubehalten, das die Kriminalität zulässt! Die erste Massnahme wäre, keinen Mitarbeiter länger als 6 bis 8 Jahre am selben Posten arbeiten zu lassen.

  • Hans Merkel am 15.06.2011 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Einige kriminelle Staaten sind d. Helfer

    Ohne die kriminelle Hilfe von einigen Staaten wären diese kriminellen Täter nicht in der Lage, aus Diebstahl und Hehlerei von diesen kriminellen Staaten, an Geld zu kommen.

  • marco N am 15.06.2011 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Marco

    die gehören ins Gefängnis denke ich

  • wENZIN am 15.06.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die wirklich grossen Fische

    sitzen im Bundeshaus, National-, Stände und Kantonsrat. Dort nennt man das ganze dann beschönigend: "Mandat".

    • Peter F. am 15.06.2011 23:01 Report Diesen Beitrag melden

      Ditto

      danke! genau derselben Meinung!

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