Transporte

06. September 2019 08:25; Akt: 09.09.2019 17:35 Print

Päckli-Flut – Onlinehandel will grüner werden

Onlineshopping führt zu Millionen von Päckli und steigenden Transportkilometern auf der Strasse. Nun will die Branche ihre Umweltbelastung reduzieren.

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2018 dürften Lieferanten im Schweizer Güterverkehr auf der Strasse rund 7 Milliarden Kilometer zurückgelegt haben. Laut Schätzungen von Ökonomen der BSS Volkswirtschaftliche Beratung und Verkehrsexperten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften dürfte die Fahrleistung im Güterverkehr mit Nutzfahrzeugen von 2018 bis 2023 um bis zu 90 Millionen gefahrene Kilometer steigen. Die Experten haben untersucht, wie man die Umweltbelastung durch den Versandhandel minimieren kann. Das sind ihre Lösungsansätze. Je mehr auf einmal ausgeliefert wird, desto weniger Fahrten braucht es. Für den Konsumenten heisst das, dass er idealerweise seine Onlinekäufe möglichst auf einmal und beim gleichen Anbieter tätigen sollte. Die Experten schlagen vor, dass Lieferanten auf ihren Touren kurzzeitig auf dem Trottoir oder an der Bushaltestelle parkieren dürfen: So müsse der Zulieferer nicht dreimal um den Block fahren, bis er einen Parkplatz findet. Es gilt zudem, die Erstzustellung zu verbessern, damit der Lieferant das Päckli weniger oft wieder mitnehmen muss. Das könne etwa mit grösseren Milchkästen oder zentralen Abholzentren bewerkstelligt werden. Insbesondere der Elektroantrieb wird in der Branche als nachhaltigere Alternative zum Verbrennungsmotor gehandelt. DHL etwa liefert Pakete in einigen deutschen Städten bereits heute mit E-Bikes. Würde der Gütertransport per Zug stärker gefördert, wäre es für die Versandhändler naheliegend, auf den Schienentransport zu setzen. Wie die Elektromobilität würde auch dieses Verkehrsmittel dazu beitragen, die Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Zustellung zu erhöhen, so die BSS-Experten.

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2018 hat der Schweizer Güterverkehr auf der Strasse rund 7 Milliarden Kilometer zurückgelegt, wie Ökonomen der BSS Volkswirtschaftliche Beratung und Verkehrsexperten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften schätzen. Allein der Versandhandel trug laut dem Verband des Schweizerischen Versandhandels mit rund 350 Millionen Kilometern zum Fahraufkommen bei.

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Im Zeitraum von 2018 bis 2023 dürfte die Fahrleistung im Güterverkehr mit Nutzfahrzeugen noch einmal um bis zu 90 Millionen gefahrene Kilometer steigen, schätzen die BSS-Experten. Pro Jahr macht das fast 20 Millionen zusätzlich gefahrene Kilometer.

Die Experten haben untersucht, wie man die Umweltbelastung durch den Versandhandel minimieren kann. An der Forschungstagung der Schweizerischen Vereinigung der Verkehrsingenieure und Verkehrsexperten haben sie am Donnerstag in Olten ihre Lösungsansätze präsentiert:

Gebündelte Einkäufe

Je mehr auf einmal ausgeliefert wird, umso weniger Fahrten braucht es. Für den Konsumenten heisst das aber nicht nur, dass er idealerweise seine Onlinekäufe möglichst auf einmal und beim gleichen Anbieter tätigen sollte. Es wird zudem Geduld vorausgesetzt: «Der Konsument muss auch mal bereit sein, einen Tag aufs Päckchen zu warten», sagt BSS-Geschäftsführer Wolfram Kägi. Und: Wer online bestellt, sollte dann möglichst nicht auch noch zusätzlich auf Einkaufstour mit dem Auto gehen. Sonst landet das eingesparte CO2 dann doch in der Atmosphäre.

Lieferwagen auf dem Trottoir

Manche Branchenvertreter schlagen vor, dass Lieferanten auf ihren Touren kurzzeitig auf dem Trottoir oder an der Bushaltestelle parkieren dürfen. Das Argument: «So muss der Zulieferer nicht dreimal ums Quartier fahren, bis er einen Parkplatz findet», sagt Kägi. Auf diese Weise liessen sich unnötiger CO2-Ausstoss und Energieverschwendung vermeiden. Dazu müssten aber bestehende Regulierungen angepasst werden. Die Experten von BSS verwarfen diesen Vorschlag letztlich, weil etwa das Parkieren auf der Bushaltestelle den öffentlichen Verkehr stören könnte. Zudem sträubt sich etwa der Verband Fussverkehr Schweiz gegen das Parkieren auf dem Trottoir. Geschäftsleiterin Monika Litscher sagt zu 20 Minuten, die Zulieferung von Gütern dürfe nicht auf Kosten des Fussverkehrs erfolgen. Schliesslich handle es sich dabei um die «nachhaltigste, umweltfreundlichste, gesündeste und sozialste Verkehrsart».

Grössere Milchkästen

Oft scheitert die Zustellung beim ersten Versuch: Das Päckli wird dann auf der letzten Meile mehrfach hin- und hergefahren, bevor es endlich in den Händen des Empfängers landet. Laut den Experten gilt es darum, die Erstzustellung zu verbessern. Das könne etwa mit grösseren Milchkästen oder zentralen Abholzentren bewerkstelligt werden. Die Schweizerische Post bietet über ihre App bereits heute die Möglichkeit, das Zustellungszeitfenster von Paketen zu bestimmen, damit man dann auch zu Hause ist. Kunden können zudem bei vielen Lieferdiensten angeben, dass sie das Paket im Hauseingang deponieren dürfen. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass solche Päckli gestohlen werden.

Elektroantriebe

Das Verkehrsaufkommen steigt – doch wenn der Güterverkehr vom Verbrennungsmotor wegkäme, wäre das zumindest in Sachen CO2-Ausstoss gar nicht so problematisch. Insbesondere der Elektroantrieb wird in der Branche als nachhaltigere Alternative gehandelt. Die Experten von BSS schlagen vor, dass der Staat den Einsatz von emissionsfreien Fahrzeugen im städtischen Lieferverkehr fördert. Das müssen auch nicht unbedingt Elektroautos sein: DHL etwa liefert Pakete in einigen deutschen Städten bereits heute mit E-Bikes.

Schienentransport

Würde der Gütertransport per Zug stärker gefördert, wäre es für die Versandhändler naheliegend, auf den Schienentransport zu setzen. Wie die Elektromobilität würde auch dieses Verkehrsmittel dazu beitragen, die Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Zustellung zu erhöhen, so die BSS-Experten. Der Lieferant DPD Schweiz geht hier einen speziellen Weg: In Zusammenarbeit mit SBB Cargo will die Firma ihre Lastwagen über Nacht per Zug transportieren. Mit dieser und weiteren Massnahmen soll der CO2-Ausstoss pro Paket bis 2025 um rund 30 Prozent gesenkt werden. Das bringt nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile, da so die hohe Nachfrage nach Fahrern kompensiert wird.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand fälschlicherweise, dass der Versandhandel 2018 für die gesamten 7 Milliarden Fahrkilometer im Schweizer Güterverkehr verantwortlich war. Bei dieser Zahl handelt es sich allerdings um die gesamte Verkehrsleistung der Gütertransportbranche.

(rkn)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 06.09.2019 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versteht doch endlich

    Beim eigenen Komfort hört der Umweltschutz auf. Egal was man auch immer freitags ruft!

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  • Sepp Moser am 06.09.2019 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nun fahren halt andere

    Wir sollen ja nicht mehr Auto fahren - jetzt wird halt online bestellt.

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  • Johnny am 06.09.2019 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Wenn jeder selbst einkaufen fahren würde, wären es viel mehr kilometer und massiv mehr autos auf den strassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hotwith am 12.09.2019 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    im markt

    kaufe mehr im laden als online.lebensmittel und ankleide laden,ersatz technikteile online und da brauch ich nicht viel.

  • Walter Portmann am 10.09.2019 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    In den Spiegel schauen

    Wer bestellt denn hauptsächlich online? Die Jungen ! Das sind doch die, welche auf die Strasse gehen und fürs Klima und CO2-Nullgrenze demonstrieren !?! Tja, liebe Jungen, wie man sich doch selber belügt. An die jungen Damen: Verzichten Sie alle bitte auf Parfums, Haare färben, Nägel anmalen, etc., denn das ist ebenfalls Umweltverschmutzung in schlimmster Manier, nur schon die Kosmetikaverpackungen sind ein Horror.

  • Silvia am 09.09.2019 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ladensterben selberschuld

    Beratung im Laden, das war einmal. Die Verkäuferinnen und Verkäufer wissen über Produkte nicht mehr als ich, das ist meine Erfahrung. Im Volg im Dorf notabene, fragte ich mal, haben Sie kein Marzipan - Antwort der Verkäuferin; ich weiss es auch nicht! Zudem sind die Artikel im Laden meistens teurer als im Internet. Ich brauche solche unprofessionellen Läden nicht! Produkteschulung ist heute ein Fremdwort. Im Internet kann ich über ein Produkt alles lesen und weiss Bescheid. Die Post kommt so oder so an mein Haus, also wo ist das Problem. Ich bin Internetbestllfan und bleibe es.

  • Auch mal dort gearbeitet am 09.09.2019 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post als logistisches Vorbild

    Bestehendes Netzwerk nutzen, ausbauen und Hauptverkehrsachsen zwischen den Hauptverteilzentren, mit hohem Transportvolumen, mit dem Zug bewältigen. Die Post weiss sehr gut wie's geht.

  • Luna am 07.09.2019 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pro Online-Shopping

    Ich bin kein besonders geselliger Mensch: öV, Zwangsberatung in Geschäften und Smalltalk an der Kasse sind mir ein Graus. Onlineshops und Self-Checkouts machen mein Leben angenehmer und entspannter.

    • Rudolf53 am 07.09.2019 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Luna

      Zu faul um dich zu bewegen Online Shopping = Umweltverschmuzung und der Grund ist das fast die hälfte wieder zurückgesendet wird und vieles vernichtet werden muss, weil der Online Einkäufer nur an sich denkt und viele Sachen beschädigt oder einfach unbrauchbar zurück sendet, mit dem Vermerk beschädigt, so sieht die Wahrheit im Online Einksuf aus für mich ein No Go und einfach beschämend. Die produkte kaufe ich auch nicht im normalen Angebot ein wo auf Online angeboten werden. Ünrigens Luna ist Portugiesiesch und bedeutet Mond!

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