Tricksereien gebüsst

27. April 2018 11:13; Akt: 27.04.2018 11:13 Print

So funktionierte das Bündner Baukartell

von V. Blank - Über Jahre mauschelten Bündner Baufirmen, um höhere Preise abzukassieren. So sind sie vorgegangen – Schritt für Schritt

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit 7,5 Millionen Franken hat die Wettbewerbskommission (Weko) verschiedene Baufirmen im Engadin gebüsst. Es handelt sich um den grössten je in der Schweiz aufgeflogenen Fall von Preisabsprachen im Baugewerbe. Das Beschaffungsvolumen, um das es geht, übersteigt 100 Millionen Franken. Die Baumeister hatten in Vorversammlungen festgelegt, wer welchen Auftrag erhielt. Die Weko nennt unter anderem die Firmen Foffa Conrad AG, Bezzola Denoth AG, Lazzarini AG und Alfred Laurent AG.

Ein fiktiver Fall, wie das Kartell funktioniert haben könnte:

1. Das Bauobjekt

In einer Gemeinde soll ein neuer Kindergarten gebaut werden. Jetzt braucht die Gemeinde einen Baumeister, ...

2. Die Ausschreibung

... der den Auftrag übernimmt. Sie schreibt den Auftrag öffentlich aus. Innert einer gewissen Frist sollen interessierte Baufirmen ihre Offerte einreichen.

3. Die Vorversammlung

Die Vertreter des Bündner Baukartells treffen sich im Rahmen von Vorversammlungen. Dort jassen sie aus, wer den Zuschlag für den Kindergarten erhalten soll, und legen den Angebotspreis fest. Er beinhaltet einen satten Aufschlag gegenüber dem realen Marktpreis.

4. Die Offerte

Verschiedene Firmen geben ihre Offerten ein, um Wettbewerb vorzugaukeln. Der Marktpreis für den Bau des Kindergartens beträgt 5 Millionen Franken. Baumeister X, der sich an der Vorversammlung den Zuschlag für das Projekt ergattert hat, gibt eine Offerte über 6 Millionen ab. Der Aufschlag auf den Marktpreis beträgt also 20 Prozent. Alle anderen Firmen offerieren noch höhere Preise – damit sichergestellt ist, dass Baumeister X als billigster Anbieter den Auftrag auch erhält.

5. Der Zuschlag

Die Gemeinde prüft die Offerten und gibt dem «billigsten» Anbieter – dessen Angebot in Wahrheit über dem realen Marktpreis liegt – den Zuschlag. Die Kartellabsprache hat funktioniert.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simi am 27.04.2018 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Einer unter vielen

    Und wer jetzt denkt, dies würde anderorts oder in anderen Branchen nicht genauso laufen, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

    einklappen einklappen
  • Nick am 27.04.2018 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Geldbussen

    Solange es bei Geldbussen bleibt wird sich nichts ändern. Die obersten Chefs der Firmen gehören ins Gefängnis, mehrere Jahre unbedingt. Dann hört das sehr schnell auf.

    einklappen einklappen
  • Adelbodner am 27.04.2018 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Im Berner Oberland eine gängige Praxis. Daher sind auch immer Vertreter aus dem Baugewerbe im Gemeinderat vertreten. Diese verhindern, dass Offerten von ausserhalb des Kartells eingeholt werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Scubidu Scubidu am 12.05.2018 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr milde Busse

    Über 100 Millionen ergaunert und nur 7,5 Millionen Busse... bitte weiter machen. Es lohnt sich doch.

  • Gianni Brunett am 02.05.2018 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Immer nach verkehrsschildern wie es immer wieder h

    Die schweiz ist doch fuer die schlauen gemacht die ehrlichen werden es schon bezahlen Solange sie koennen Das ist doch nichts neues

  • Herr Jesses am 30.04.2018 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    die Spitze des Eisbergs

    Oh.. mal keine Banken am Pranger. Wer jedoch glaubt dass das Engadin ein Einzelfall ist der täuscht sich gewaltig. Man soll mal bei unserer Gemeinde in der Südostschweiz graben.. da steht gerade ein Megaprojekt von über 30mio CHF in der Anfangsphase....

  • Daniel am 29.04.2018 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Das zeigt doch deutlich...

    ... wie "ernsthaft" es die BDP mit ehrlicher Politik meint. Diese Wischi Waschi muss zusammen mit der CVP als erstes von der Bildfläche verschwinden. Danach geht es der rechtsorientierten SVP und FDP an die Gurgel. Die Wirtschaft gehört in den Besitztum der Angestellten.

  • Stefan am 29.04.2018 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns auch nicht anders

    Bei uns in Wallisellen kosten die Bauten, über welche wir jeweils abstimmen, auch extrem viel (z.B. 6 Mio. (!) für die Sanierung des Doktorhauses). Da denkt man sich schon, ob es nicht irgendwelche Mauscheleien gibt.