Mehrwertsteuer-Anpassung

03. Januar 2019 21:15; Akt: 04.01.2019 08:06 Print

So teuer sind Bestellungen im Ausland geworden

Wer 2019 bei Amazon oder Aliexpress kauft, muss neu auch für günstige Artikel Mehrwertsteuer zahlen. So sehen die Preisaufschläge im Detail aus.

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Ob ein Lipgloss für 80 Rappen bei Aliexpress oder ein Lautsprecher für 80 Franken bei Amazon: Seit dem 1. Januar 2019 müssen Schweizer Konsumenten auch für internationale Online-Bestellungen unter 65 Franken die Schweizer Mehrwertsteuer bezahlen.

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Der Bund erhofft sich so laut ««Tages-Anzeiger»» Mehreinnahmen von 20 Millionen Franken. Denn ausländische Kleinwarensendungen sind ein lukratives Geschäft: In den letzten fünf Jahren ist deren Zahl von 50'000 auf 120'000 hochgeschnellt. Schweizer Online-Shops freuen sich jetzt: Sie mussten die Mehrwertsteuer für Kleinwaren schon immer bezahlen und sind mit der neuen Regelung gegenüber der ausländischen Konkurrenz nicht mehr benachteiligt. Die Konsumenten haben jedoch das Nachsehen. Je nach Bestellung bei ausländischen Shops müssen sie zwischen 2,5 und 7,7 Prozent mehr bezahlen als im Jahr 2018.

«Die Flucht aus der Hochpreisinsel Schweiz ist für die Konsumenten schwieriger und teurer geworden», sagt Online-Rechtsexperte Martin Steiger. Häufig gehe es gar nicht allein um den allergünstigsten Preis, sondern darum, dass ein Angebot hierzulande nicht oder nur sehr teuer erhältlich sei.

Die Redaktion von 20 Minuten hat sich verschiedene Produkte der drei beliebtesten ausländischen Online-Shops der Schweiz angesehen und rechnet vor, wie viel Konsumenten ab 2019 mehr berappen müssen:

Amazon.de
Bei Amazon wird die Mehrwertsteuer am Ende des Bestellvorgangs auf die jeweilige Kleinware aufgeschlagen:

•Lego Architecture Paris
Dieses Spielzeug kostet ohne Mehrwertsteuer 42,01 Euro. Mit dem Aufschlag muss ein Schweizer Kunde neu 45,24 Euro bezahlen. Das sind 7,7 Prozent oder 3,23 Euro mehr.

•Roman «Serotonin» von Michel Houellebecq
25,83 Euro kostet das Buch ohne Mehrwertsteuer. Mit dem neuen obligatorischen Mehrwertsteuersatz zahlen Kunden aus der Schweiz neu 26,48 Euro. Dies sind 2,5 Prozent oder 0,65 Euro mehr. Für Leseratten ist die neue Steuer besonders bitter, denn Bücher waren wie Medikamente und Nahrungsmittel vorher bis zu einem Preis von 200 Franken von der Mehrwertsteuer befreit.

Aliexpress.com
Beim chinesischen Online-Shop ist es laut der Eidgenössischen Steuerverwaltung wahrscheinlich, dass die Mehrwertsteuer nach der Bestellung in einer separaten Rechnung vom Kunden verlangt wird:

•Lipgloss Popfeel Nr. 1
Wer sich für 81 Rappen eine Lippenfarbe bestellt, muss nach der Bestellung mit Mehrkosten rechnen. Für Kosmetik liegt der Mehrwertsteuersatz bei 7,7 Prozent. Die Mehrwertsteuer beträgt hier 6 Rappen.

•Mantel Nashdsx
Auf der Homepage kann man dieses Kleidungsstück für 41.23 Franken kaufen. Die Mehrwertsteuer beläuft sich auch hier auf 7,7 Prozent. Nachgezahlt werden müssen also 3.15 Franken.

Zalando.ch
Auf Anfrage heisst es bei Zalando, dass die Änderung des Mehrwertsteuergesetzes keine Auswirkung auf Zalandos Schweizer Preise habe. «Zalando hat für Kleinsendungen unter 65 Franken seit jeher auf freiwilliger Basis als Importeur Einfuhrsteuer abgeliefert», sagt eine Sprecherin. Allerdings ist bekannt, dass Schweizer Zalando-Kunden für manche Produkte mehr zahlen müssen als deutsche Käufer. Eine Erhebung der SRF-Sendung «Kassensturz» von 2013 ergab, dass man hierzulande durchschnittlich 13 Prozent mehr zahlen muss.

(vay)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Willtell am 03.01.2019 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Verzollungskosten sind nicht akzeptabel

    Wieso sollen wir kein MwSt an Ausländische Produkte bezahlen? Was aber nicht akzeptabel ist, ist die "Verwaltungs oder Verszollungskosten" die oft weit über der MwSt sei.

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  • Tom Töff am 03.01.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Unsere liebe Regierung, den Reichen und der Wirtschaft Mrd. schenken und dem kleinen Bürger wieder aus der Tasche ziehen.

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  • Chrigel Fretz am 03.01.2019 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paketshops

    Die Paketshops ennet der Grenze wird's freuen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ReneSaas am 04.01.2019 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache neue Stellen schaffen

    Es geht doch nur darum, wieder ein paar neue Stellen zu schaffen welche von den erwarteten 20 Millionen die Hälfte kosten. Bin mal gespannt, wenn ich etwas bei Aliexpress im Wert von Fr. 5.- bestelle, wie dann die Mehrwertsteuern die zwischen 2.5 Rp. und 38.5 Rp. liegen werden, einkassiert werden, und wie sich das rechnet, wenn vielleicht noch eine Mahnung dazu kommt.

  • Peter Füglister am 04.01.2019 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Wer weniger als 400'000 Franken verdient und Rechts und die Reichen wählt, verliert. Vignetten, Gebühren, MwST, Zollbearbeitung, Monopolschutz. Die Reichen zahlen immer weniger Steuern, verdoppeln alle 6 Jahre ihr Vermögen. Und wir zahlen die Ausfälle mit Skilagerzuschlägen, Badi neu 8.50 statt 6.50, MwST. Und Blocher grinst sich kaputt in seiner Villa.

  • Fred am 04.01.2019 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute Paket erhalten.

    Habe heute ein Paket aus China bekommen. Deklarierter Wert USD 14.99. Gemäss Sendungsverfolgung kam es am 2.1. in der Schweiz an und wurde am 3.1. vom Zoll als abgabenfrei (grüner Kleber) freigegeben. Alles wie bis anhin.

  • Armin am 04.01.2019 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Neoliberal...

    .... wir sind für den freien Markt, aber immer nur dann, wenn's die anderen betrifft und für sich selber ein Vorteil ergibt.

  • Mark Miesepeter am 04.01.2019 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    Kick back

    die Post ist erwiesen (80mio) Abzockmeister. Nun nehmen sie uns Kunden vor mit völlig wahnsinnigen Abfertigungsgebühren(nicht mwst). Meine Gmbh`s verlangen jetzt auch zusatzgebühren auf Posteinzahlungen