Krankenkassen

12. Oktober 2016 08:39; Akt: 12.10.2016 15:57 Print

So viel Geld erhalten Versicherungs-Vermittler

Vermittler, die Versicherte zu einem Krankenkassenwechsel bewegen, werden mit einer Provision belohnt. Vor allem für Zusatzversicherungen fällt diese üppig aus.

Passanten reagieren besorgt auf die erneute Erhöhung der Krankenkassen-Prämien.
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Den Konsumenten sind sie ein Dorn im Auge: Versicherungsvermittler. Sie rufen zu den unmöglichsten Tageszeiten an und versuchen, mit dreisten Lügen einen Termin für ein «Beratungsgespräch» zu vereinbaren. Ihre Absicht: Die Kunden zu einem Krankenkassenwechsel zu bewegen. Denn wer das schafft, wird reich belohnt.

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Wurden Sie auch schon von einem Vermittler belästigt?
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Wie hoch die Provisionen sind, hat die «AZ Nordwestschweiz» nun erstmals öffentlich gemacht (siehe Tabelle). Klar war bisher: Letztes Jahr liess sich die Branche solche Provisionen in der Grundversicherung laut dem Bundesamt für Gesundheit 26,9 Millionen Franken kosten. Doch das ist nichts im Vergleich zu den Zahlungen, die Vermittler erhalten, die einen neuen Abschluss einer Zusatzversicherung erwirken.

Provision nur bei gesunden Patienten

Dieser Bereich ist für Krankenkassen deutlich lukrativer, da die Anbieter hier Gewinne erzielen dürfen. Insgesamt dürften die Ausgaben für Provisionen in der Branche deshalb bei rund 200 bis 300 Millionen Franken liegen, schätzt Branchen-Experte Richard Lüdi in der «AZ Nordwestschweiz».

Gemäss den nun veröffentlichten Zahlen bezahlen Krankenkassen die Vermittler umso besser, je höher die gewählte neue Franchise ausfällt. Die Visana bezahlt Vermittlern für einen reinen Grundversichungsabschluss zum Beispiel nur dann die 150 Franken, wenn die Franchise mindestens 1000 Franken beträgt.

300 Franken für kranke Personen

Die Standard-Franchise von 300 Franken wählen meist kranke Versicherte mit hohen Behandlungskosten. Daher sind solche Lösungen bei den Krankenkassen unbeliebt. Swica und Helsana bezahlen ihre Vermittler deshalb vor allem dann, wenn sie eine Zusatzversicherung abschliessen.

Ähnlich sieht es bei der Concordia und der Sympany aus. Bei den Zusatzversicherungen muss für die Aufnahme eine Gesundheitsdeklaration ausgefüllt werden. Aufgrund dieser können Versicherte abgelehnt werden, wenn sie krank sind.

Bezahlen Sie zu viel Prämien? Finden Sie es heraus mit dem Krankenkassenrechner von Comparis.ch!

(dv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Muli am 12.10.2016 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker

    Jetzt wissen wir auch wo die Krankenkassen all das Geld verpulvern bzw ausgeben. Um uns Schäffchen zu locken und die Hirten dann zu belohnen mit überriessenen Provisionen und für uns heisst es dann 5 bis 10% teurere Krankenkassen pro Jahr!

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  • Nick Köpfli am 12.10.2016 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    immer schön alles glauben ...

    Ja mei , jetzt haben uns doch die KK Lobbyisten gesagt man könne bei einer Einheitskrankenkasse nichts sparen. Das lohne sich nicht.... bin sicher da steckt noch viel mehr sparpotential dahinter welches mit nur einer Grundversicherung realisiert werden könnte. Die ganzen Zusatzversicherungen kann dann jeder selber machen. aber der gutgläubige Schweizer Kopfnicker glaubt auch heute noch immer an das Gute in unserer Regierung.

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  • wydy am 12.10.2016 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Geldmacherei

    Darum geht es einem Versicherungsvertreter auch nicht darum, eine passende Versicherung für jeden Kunden zu erstellen. Es geht doch nur noch darum so viele Zusatzversicherungen wie möglich auf zu drücken, damit man eine höhere Provision erhält.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 13.10.2016 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Total marodes System

    Darum sage ich seit der Jahrtausendwende dass unser marodes Gesundheitssystem nur mit einer Einheitskasse zu retten ist. Schuld sind aber auch gierige und unfähige Politiker und Lobbyisten nebst einem sackschwachen Bundesrat. Bei den Spitälern und Ärzten könnten wir ebenfalls einsparen.

  • PhilK am 13.10.2016 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An vorderster Front Comparis

    Diese Firma gibt immer vor, zum Wohle des Patienten zu handeln. Dabei garnieren auch sie mächtig Provisionen!

  • Alfred E. Neumann am 13.10.2016 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehleinschätzung

    Würde es keine Vermittler geben, so würde kein einziger Franken eingespart. Das Geld würde in den internen Vertrieb fliessen, um die guten Produzenten zu motivieren und halten. Am Ende des Tages ist jede KK eine Unternehmung und muss sich im Markt behaupten. Möglicherweise würde es sogar noch teurer, denn der eigene Vertrieb braucht Infrastruktur und kostet Sozialleistungen. Die Vermittler hingegen haben in den allermeisten Fällen ausschliesslich ihre Provisionen, mit denen sie sich ihre eigene Infrastruktur unterhalten.

  • Mainrad Meiner am 13.10.2016 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkassen könnten es abstellen.

    Na ja offenbar stört diese Taktik die Krankenkassen wenig. Würden die Kassen keine Provision bezahlen, gäbe es auch keine Anrufen und die Kassen sparten Geld. Meiner Meinung nach sollten die Krankenkassen langsam reagieren und nicht den anderen den Schwarzpeter zu spielen.

  • nano am 12.10.2016 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    K-Kassenzahler

    Zwar nicht grad viel bei einem Umsatzvolumen von über 45 Milliarden, aber dennoch geradezu unanständig und einfach ein Hohn.