Gefälschte Waren, Drogenhandel

30. September 2014 14:01; Akt: 30.09.2014 14:01 Print

So viel Geld verdient die Mafia in Europa

Laut einer neuen Studie erzielt die Mafia in Europa ungefähr 120 Milliarden Franken Umsatz pro Jahr. Das Geld investieren die Gangster in grossem Mass in legale Geschäfte.

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Laut einer neuen Studie macht die Mafia in Europa 120 Milliarden Franken Umsatz im Jahr. Bereits in den 1930er-Jahren gab es steinreiche Mafiosi, wie zum Beispiel Alphonse Gabriel "Al" Capone. In der Diashow zeigen wir Ihnen einen kleinen Auszug aus der Geschichte der Mafia. In vielen Filmen wurde die Mafia porträtiert. Hier sehen Sie Marlon Brando als Boss Vito Corleone in «Der Pate» von 1972. Ebenfalls berühmt ist die Fernsehserie «Die Sopranos», in der James Gandolfini die Hauptrolle des Capos Tony Soprano spielte. Ein weiterer Mafiakino-Grosserfolg war «Goodfellas». In diesem Film spielte Ray Liotta (rechts im Bild) den Mafioso Henry Hill. Es handelt sich um die Verfilmung einer wahren Geschichte. Im Gegensatz zu den vorherigen Bildern handelt es sich hierbei um das Fahndungsbild einen echten Mafiabosses: Bernardo Provenzano aus dem sizilianischen Städtchen Corleone, das für den Nachnamen des Vito Corleone im Film «Der Pate» als Inspiration diente. Schliesslich gelang es der italienischen Polizei 2006 Provenzano zu verhaften. Eine über 40-jährige Flucht vor der Polizei fand so ihr Ende. Provenzano gehört zur sizilianischen Mafia, besser bekannt unter dem Namen Cosa Nostra. Die Cosa Nostra ist keineswegs der einzige Mafia-Clan aus Italien. Ebenfalls sehr berühmt ist die kalabrische 'Ndrangheta. Auf dem Bild sehen Sie die Verhaftung von Giovanni Tegano, einem führenden 'Ndrangheta-Mitglied. Der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber erklärt die Machenschaften der Mafia in der Schweiz: «Fakt ist, dass die Schweiz die Logistikbasis der Mafia ist. Hier werden Treffen organisiert und allenfalls auch Bankkonti benutzt. Die Schweiz ist wie ein Rückzuggebiet für die Mafia, weil sie ruhig und stabil ist.» Wer sich mit der Mafia anlegt, hat es nicht leicht. Seitdem der italienische Journalist Roberto Saviano ein Buch über die neapolitanische Mafia Camorra publiziert hat, muss er unter Polizeischutz leben. Ihre geschätzten 120 Milliarden Franken Umsatz aus illegalen Geschäften reinvestieren die Mafia-Clans in die legale Wirtschaft. Zum Beispiel ins Baugewerbe ... ... oder ins Gastgewerbe.

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Ob Vito Corleone oder Tony Soprano: Drogenhandel, gefälschte Markenprodukte, Prostitution und Schutzgelderpressung sind die typischen Einnahmequellen der Mafiabosse in Film und Fernsehen. Seit Jahrzehnten haben die organisierten Gangsterbanden in der Welt des Kinos ihren Stammplatz. Doch nicht nur im Film, auch in der realen Welt ist das organisierte Verbrechen nach wie vor sehr aktiv, wie eine neue Studie der Mailänder Università Cattolica del Sacro Cuore (Katholische Universität vom Heiligen Herzen) beweist.

Umsätze von über 120 Milliarden Franken

Laut den Resultaten der Wissenschaftler erwirtschaftet die organisierte Kriminalität in Europa mit verbrecherischen Machenschaften Milliardenbeträge und investiert die Gewinne zu einem grossen Teil in legale Geschäfte. Die gesamten Umsätze auf dem Kontinent werden auf umgerechnet gut 120 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.

Michele Riccardi, ein an der Studie beteiligter Wissenschaftler, erklärt gegenüber der Zeitung «Der Standard»: «Allein der Markt für gefälschte Waren umfasst etwa 50 Milliarden Franken.» Des Weiteren sei der Drogenhandel absolut zentral. So verdiene die Mafia mit dem Heroinhandel etwa 10,3 Milliarden Franken jährlich, mit Kokain 8,2 Milliarden und mit Marihuana 8,1 Milliarden. Und genau diese Gewinne würden dann via Investitionen in legale Märkte fliessen.

Gastronomie, Transport, Bau und Lebensmittel

«Europaweit sehr gut zu belegen ist der Einfluss auf das Baugewerbe, die Gastronomie, das Transportwesen und den Lebensmittelhandel», erklärt Forscher Riccardi hierzu. In Deutschland zum Beispiel fänden sich Hinweise darauf, dass der kalabrische Mafia-Clan 'Ndrangheta in Speiselokale und Catering-Betriebe investiere. Auch die sizilianische Cosa Nostra sei in diesem Bereich aktiv und investiere ausserdem ins Baugewerbe und in Kleiderläden.

Allgemein gelte: Grundsätzlich bevorzugt die Mafia für ihre Investitionen Grossstädte wie Madrid, London, Paris und Berlin. Trotzdem fänden sich auch in Süditalien, dem Herzland der Mafia, sowie in der Lombardei, in Andalusien oder an der Adriaküste Belege für Investitionen der Mafia.

Mafia ist auch in der Schweiz aktiv

Auch in der Schweiz gibt es Mafiosi, wie ein aktueller Fall um einen Ableger der kalabrischen 'Ndrangheta in Frauenfeld beweist. Italienische Ermittler behaupten sogar, die Mafia sei schon seit über 40 Jahren hierzulande präsent. Die Schweizer Bundesanwaltschaft bezweifelt dies zwar, gegenüber der NZZ sagte Bundesanwalt Michael Lauber aber: «Fakt ist, dass die Schweiz die Logistikbasis der Mafia ist. Hier werden Treffen organisiert und allenfalls auch Bankkonti benutzt. Die Schweiz ist wie ein Rückzugsgebiet für die Mafia, weil sie ruhig und stabil ist.»

Die Ergebnisse der Studie sollen den Ermittlern und Behörden sowie der Politik ermöglichen, die organisierte Kriminalität besser zu verhindern und zu bekämpfen. Die endgültigen Resultate wurden noch nicht publiziert und erst Ende November erwartet. Finanziert wurde die Studie unter anderem von der EU-Kommission.

(kwo)

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