Löhne von Verkäufern

06. Dezember 2018 05:41; Akt: 06.12.2018 08:42 Print

Leistungslohn treibt Büezer in Bonus-Stress

von Dominic Benz - Detailhändler wollen mit Prämien ihre Angestellten motivieren. Laut Gewerkschaften geht es aber bei den Verkäufern ums Überleben.

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Sonntagsverkäufe, Überstunden, Verkaufsdruck – vor allem in der Weihnachtszeit müssen die Verkäufer im Detailhandel viel leisten. Die Löhne hingegen sind oft bescheiden. Zudem müssen viele Verkäufer ihren monatlichen Lohn mit Prämien selber aufbessern.

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Ein solcher Prämienlohn stresst etwa einen Leser von 20 Minuten, der als Verkäufer bei der Coop-Tochter Interdiscount arbeitet. Ein grosser Teil seines Lohnes bestehe aus Prämien, die er sich selber erwirtschaften muss. «Man wird regelrecht dazu gedrängt, den Kunden viele und teure Produkte zu verkaufen – Hauptsache, man erreicht den Tagesumsatz.»

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Schwankende Löhne

Wie sich der Lohn des Verkäufers konkret zusammensetzt, zeigt sein Arbeitsvertrag. Dieser liegt 20 Minuten vor. 13-mal im Jahr erhält der Verkäufer einen monatlichen Bruttogrundlohn von 2700 Franken. Hinzu kommen jeweils Akonto-Prämien von 400 Franken. Unter dem Strich sind das 3100 Franken monatlich. Alles, was über dem Grundlohn hinzukommt, sind demnach Prämien.

Interdiscount bestätigt auf Anfrage, dass Verkäufer mit einem Leistungslohnsystem angestellt sind. Ein solches gebe es im Unternehmen seit über 30 Jahren. Dabei bestehe das Salär aus einem Grundlohn, garantierten Prämien in Form der Akonto-Prämie und einem Anteil selbst erwirtschafteter oder im Team erarbeiteter Prämien. Der Lohn fällt monatlich nicht immer gleich aus und liegt mal tiefer, mal höher.

Kontrolle der Referenzlöhne

Laut Interdiscount werde aber darauf geachtet, dass unter dem Strich mindestens der Referenzlohn gemäss Gesamtarbeitsvertrag (GAV) von Coop ausbezahlt wird. Für Verkäufer mit Ausbildung liegt dieser bei mindestens 4000 Franken. «Die Einhaltung der Referenzlöhne wird zwei- bis dreimal jährlich kontrolliert und wo nötig angepasst», sagt eine Sprecherin.

Sind die Prämien hoch genug, kann der Referenzlohn auch mal klar übertroffen werden, betont Interdiscount. Das sei besonders während des Weihnachtsgeschäfts möglich. Prämien sollen demnach den Verkäufer anspornen. «Ein Leistungslohnsystem fördert gute Leistungen und honoriert diese entsprechend. Dieses System ist darauf ausgerichtet, aktive und freundliche Kundenberatungen zu fördern», erklärt die Sprecherin.

«Bei den Prämien geht es ums Überleben»

Keine Freude an solchen Prämienlöhnen haben die Gewerkschaften. «Sie sind für die Verkäufer ein grosser Stress», sagt Anne Rubin von der Unia. Mitarbeiter müssten zwingend hohe Prämien erwirtschaften, da sie sonst mit einem solch tiefen Lohn kaum durchs Leben kämen. «Arbeitgeber verkaufen Prämien als Motivation, dabei geht es ums Überleben», meint Rubin. Fallen die Löhne wegen tiefen Prämien über Monate sehr niedrig aus, setze das die Mitarbeiter unter Existenzängste, auch wenn irgendwann später die allfällige Differenz zum Referenzlohn ausbezahlt werde.

Keine Prämienlöhne gibt es bei der Migros. «Die Migros-Gruppe verfügt über kein Leistungslohnsystem», erklärt das Unternehmen. Dennoch sind schwankende Einkommen laut Unia keine Seltenheit. Diese Tendenz verbreite sich leider mehr und mehr, vor allem in Unternehmen ohne GAV. Für Rubin ist klar: «Es braucht Festlöhne, von denen man leben kann.»

Mitarbeit: Valeska Blank


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Edith am 06.12.2018 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervt auch Kunden

    Genau das will ich als Kunde nicht mehr einkaufen das der Verkäufer überleben kann. Wenn mir nämlich Sachen aufgeschwatzt werden sollen und das muss der Verkäufer um den Umsatz zu steigern gehe ich nächstes mal in ein anderes Geschäft. Ich finde diesen Leistungslohn ein Mist. Ist nicht nur für Verkäufer Stress sondern nervig für Kunden

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  • Burnin_T am 06.12.2018 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin da raus!

    Der Artikel spricht mir aus der Seele... Diese Lohnpolitik ist mitunter ein Grund warum ich diese Branche or über 6 Jahren verlassen habe. Jeden Montag gemeinsam mit dem Chef die Verkaufszahlen der Vorwoche durchgehen: "Umsatz um 500.- verpasst, 3 Handyabos zu wenig verkauft... Garantieverlängerungen dafür 2 über dem Soll." Es verkam zu einer Farce. Ich hatte allerdings das Glück immer in guten Teams arbeiten zu dürfen, weshalb der "Futter-Neid" bei den Verkäufen nicht zu einem Problem wurde. Andere Beispiele, wo sich das Personal gegenseitig die Kunden abjagt gibt es aber zu Hauf...

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  • Dumby am 06.12.2018 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unschön wenn auch evt. gut gemeint

    In einer Branche welche durch Online Handel, Einkaufstourismus, nervende, unzufriedene Kunden usw. eh schon am serbeln ist, die Angestellten zusätzlich zu stressen ist unschön!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ivo am 06.12.2018 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher ansatz!

    Na ja, dafür verkauft er dir halt eher ein produkt, welches ihm mehr provision bringt. Und nicht unbedingt jenes, welches dir als käufer den bessten nutzen ergibt. Und ausserdem kann sich so ein verkäufer doch kaum ferien nehmen. Denn dann verdient er ja keine provision und bleibt auf seinem mickrigen grundlohn sitzen. Ob das der richtige ansatz für kunden- und mitarbeiterzufriedenheit ist wage ich zu bezweifeln...

  • Markus am 06.12.2018 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    So schlecht sind Leistungslöhne gar nicht

    Also jetzt mal im Ernst. Warum soll ich gleich viel verdienen wie jemand der die ganze Zeit mit Kunden nur Private Gespräche führt währenddem ich aktiv Verkaufe?

  • Herr Max Bänzli TOTAL Live am 06.12.2018 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    Ich war 1983 10 jahre lang bei Uster angestellt und wir hatten schon damals ein Bonussystem, welches nicht gut funktionierte, als Bonus gab es eine kleine Uhr mehr nicht

  • Kain am 06.12.2018 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Fachwissen

    War letzthin überrascht. Ein Verkäufer im ID hatte tatsächlich eine Ahnung von Computern. Normalerweise kennen die nur die Prospekte der Handies auswendig...

  • Patrick am 06.12.2018 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Zustände wie im alten Rom

    Der Lohnsplitt ist höher als bei sämtlichen Kaderstellen! Das gibt zu denken. Die Lehre als Detailhandelsfachmann geht 3 Jahre. Zwar wurde das Niveau heruntergesetzt zum früheren Detailhandelsangestellten. Trotzdem: Min. brutto 4000.- x 13 müsste drinliegen. Es braucht endlich einen GAV für den Detailhandel!