Arbeitsweg

13. Juni 2018 17:01; Akt: 13.06.2018 17:01 Print

So viel Wert hat eine Stunde Pendeln

von Isabel Strassheim - Ein weiter Arbeitsweg lässt weniger freie Zeit zum Leben. Der ökonomische Wert der Pendlerzeit lässt sich errechnen.

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Wer pendelt, kann durch niedrigere Mieten an seinem Wohnort oft Geld sparen, wie die neuste Mietpreis-Map zeigt. Allerdings stellt dies Lebenszeit still – und auch diese kann als ein ökonomischer Wert gesehen werden. Das wirft die Frage auf: Wie viel kostet eine Stunde Pendeln?

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«Der Wert einer Stunde Pendelzeit lässt sich durch die entgangenen Erlöse berechnen, die ich erzielt haben könnte, wenn ich in dieser Zeit gearbeitet hätte», erklärt Ökonom Sascha Jucker von der Credit Suisse. Je nach Lohn ist dies also individuell verschieden. Es lässt sich jedoch auch ein Durchschnittswert auf Basis des Schweizer Brutto-Lohnmittelwertes ermitteln.

Was ist Krankenkassen ein Lebensjahr wert?

Der Lohnmittelwert beträgt laut Jucker brutto 37 Franken pro Stunde (Basis ist die jüngste Statistik von 2014). Wer pro Tag eine Stunde mit Pendeln verbringt, kommt in der Woche auf 5 Stunden und bei 47 Arbeitswochen im Jahr auf 235 Stunden. Das heisst: Der Wert der Pendelzeit beträgt dann 8'695 Franken jährlich.

Statt des Stundenlohns könnte aber auch die internationale Berechnungsart von Krankenkassen angewendet werden. Denn Pendeln stellt nicht nur Arbeitszeit, sondern auch Lebenszeit still. Einige Krankenkassen, die den Kosten-Nutzen-Wert einer lebensverlängernden Therapie ermitteln, fragen: Was ist ein Lebensjahr wert?

Was Menschen für ein gewonnenes Jahr zahlen würden

Als internationale Richtgrösse gilt für Krankenkassen in Grossbritannien und auch in anderen Ländern der so genannte Wert eines statistischen Lebensjahres. Hierzu wird aus ökonomischen Studien ermittelt, wie viel Menschen in verschiedenen Ländern bereit sind, für ein statistisch gewonnenes Lebensjahr zu bezahlen.

Die Forscher ermittelten aus 120 ökonomischen Studien den Mittelwert eines Lebensjahres von umgerechnet 190'742 Franken, wie die Deutsche Apotheker-Zeitung schreibt. Um auf diesen Wert zu kommen, mussten die für die Studie Befragten etwa angeben, wie viel sie für eine Massnahme zu zahlen bereit sind, die ihr Sterblichkeitsrisiko senkt, wie etwa für die Anschaffung eines Airbags fürs Auto. Oder es geht um die Risikobereitschaft – beispielsweise um wie viel höher der Arbeitslohn ausfallen müsse, damit Menschen eine riskantere Beschäftigung annehmen.

Fürs Pendeln bedeutet das: Auf Basis dieses Berechnungsansatzes ist eine Stunde Wegzeit zum Arbeitsplatz 21,77 Franken wert. Auf ein Jahr Pendelei gerechnet beträgt der Wert dann rund 5'116 Franken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Kluge am 13.06.2018 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Familie und Freunde

    Mein Gegenwert für die Gewonnene Zeit ist Familie und Freunde. Deshalb tausche ich äussert ungern meinen 10min Velo-Arbeitsweg mit einer einstündiger Zugfahrt..

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  • Stefan am 13.06.2018 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Müll-Studie

    Was sind das wieder für Müll-Studien? Viele Leute gaben auf Grund der Zentralisierung von Arbeitsplätzen keine Wahl. Und einfach das Privatleben, die Vereinsaktivitäten, etc. stets dem Arbeitsplatz anzupassen ist auch nicht trivial. Besonders wenn man eine Lebensgemeinschagt mit unterschiedlichen beruflichen und schulischen Möhlichkeiten ist.

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  • Nichtpendler am 13.06.2018 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Sage ich schon lange. Lieber 10000 CHF weniger verdienen, dafür nicht pendeln. P.S. Mein Lohn wäre in Zürich am besten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bird/Watcher am 14.06.2018 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pendler-Abzug

    und dennoch haben sich Bund und diverse Kantone erlaubt, den Pendler-Abzug auf Fr. 3'000.00 zu beschränken !

  • Anna Espinosa am 14.06.2018 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Freizeit

    Mein neuer Arbeitsweg dauert mit dem Auto 10-15min. Ich möchte eigentlich nie mehr zurück den den 60min. Ich habe so pro Tag locker 1-2h mehr Freizeit.

  • Pendlerin am 14.06.2018 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist Einstellungssache

    Pendeln muss nicht verschwendete Zeit sein. Ich pendle auch und hab pro weg knapp 2h. Aber es stört mich nicht. Ich finde es gut Morgens noch 2h meine Ruhe zu haben und richtig aufwachen zu können, bevor der Tag richtig losgeht. Ich fröne meinem Hobby, dem Lesen währen dem Zugfahren oder gucke einen Film, oder lerne für die Uni, oder seh aus dem Fenster und freu mich an der Natur und häng meinen Gedanken nach. Was also ist der Unterschied ob ich es im Zug tue oder zu Hause?

    • Diebstahl vom eigenen Leben am 14.06.2018 11:55 Report Diesen Beitrag melden

      das ist ein Unterschied

      Das ist ein riesen Unterschied. Aber wenn sie älter werden werden sie das auch noch zu spüren bekommen.

    • Conny am 14.06.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

      Zu Hause > Zug

      Ich lese oder lerne auch immer im Zug. Ich würde es aber lieber zu Hause tun. Der Unterschied: Dort warten weder schmatzende Kaugummikauer noch ungeduschte Müffler, lautstark telefonierende highly important businessmen, brüllende Kinder, zehennägelschneidende Opas und was man sonst eben so antrifft ...

    • Naja am 14.06.2018 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pendlerin

      Als Studentin pendelst du vermutlich zu Zeiten, in denen die Züge nicht voll sind. Dann würde es mir auch nichts ausmachen.

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  • Padrun am 14.06.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    kurz gesagt...

    wer keine andere wahl hat, sollte das Beste daraus machen. Oder anders: jeder selber schuld, wer diese Zeit nicht sinnvoll nutzt.

  • MArtin am 14.06.2018 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt es nicht

    Wenn ich jedesmal meinem Arbeitsplatz nachziehen müsste. Hätte ich von Zürich West nach Zürich Ost, nach 2 Jahren nach Baden und wieder 2,5 jahre nach Zürich Ost ziehen müssen. Ja, das bringt es total ;-) und nein nicht ich hab gekündigt.