90'000 ohne Job

30. Oktober 2016 12:34; Akt: 31.10.2016 22:13 Print

So viele Langzeit-Arbeitslose wie noch nie

von Isabel Strassheim - Die Zahl der Menschen, die seit mehr als einem Jahr keinen Job haben, ist auf Rekordniveau. Die offizielle Arbeitslosenstatistik zählt sie aber nicht.

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Derzeit sind 90'000 Menschen in der Schweiz langzeitarbeitslos. Das heisst, sie suchen seit über einem Jahr nach einer neuen Stelle. Das sind 80 Prozent oder 40'000 Menschen mehr als zu Beginn der Finanzkrise 2008, wie Michael Siegenthaler von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag» konstatiert.

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Die offizielle Arbeitslosenstatistik des Seco, auf die sich der Bundesrat bezieht, berücksichtigt die Langzeitarbeitslosen jedoch nur bedingt: In der zurzeit moderaten Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent kommen sie kaum vor. Auch junge Arbeitslose fallen leicht durch diese Statistik.

Auch Direktoren und Techniker verlieren ihren Job

Die Arbeitslosenstatistik des Seco verzeichnet nämlich nur jene Stellensuchenden, die sich bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) registriert haben. Wer sich dort nicht gemeldet hat, gilt laut Seco auch nicht als arbeitslos. Vor allem Jugendliche gehen jedoch nicht sofort zum RAV. Zum Teil haben sie auch nicht sofort Anspruch auf Arbeitslosengeld. Und sie suchen auf eigene Faust nach einer Lehrstelle, nach einem Arbeitsplatz oder nach einem Job neben dem Studium. Auch die Ausgesteuerten tauchen in der Seco-Statistik nicht auf, weil sie kein Arbeitslosengeld mehr beziehen.

«Es sind nicht mehr nur Niedrigqualifizierte, die heute ihre Arbeitsplätze verlieren», sagt der Ökonom und ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm zur «Schweiz am Sonntag». Es treffe inzwischen auch mittlere Kader und Direktoren, leitende Angestellte oder Betriebsleiter, Techniker und Ingenieure.

Bundesamt für Statistik zählt genauer

Ein genaueres Bild der Arbeitslosigkeit zeichnen deshalb die viermal jährlich erscheinenden Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS). Demnach betrug die Arbeitslosenquote im zweiten Quartal 4,3 Prozent. Diese Statistik genügt den internationalen Standards und erfasst alle Personen ohne Arbeit, die in den letzten vier Wochen aktiv nach einer Stelle gesucht haben. Zu den Daten kommt die Behörde nicht über das RAV, sondern durch jährlich 125'000 Telefoninterviews in Schweizer Haushalten, bei denen nach Beschäftigung, Ausbildung, Stellensuche oder Gesundheitszustand gefragt wird.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Genervt am 30.10.2016 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsere schlafenden BR

    Und unsere Bundesräte haben immer noch nicht gecheckt, dass das mit der ungebremsten Zuwanderung zu tun haben könnte. Die Unternehmen holen billige Arbeitskräfte aus dem Ausland und wenn es dann ein bisschen eng wird oder nicht mehr gut läuft werden die zulasten der Allgemeinheit in die Arbeitslosigkeit entlassen. Und unsere BR, allen voran Sommaruga und Schneider, reden das Ganze dann schön!

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  • Seher am 30.10.2016 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Händeringend gelogen

    Die Multis treiben, die kleinen KMU müssen Geigen. Eine Schande, wie die Inländer entsorgt werden. Das wird bald chlöpfen.

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  • abc am 30.10.2016 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Propagandastatistik

    Eine Statistik, welche viele auslässt, dient nur der Augenwischerei! Sie zeigt nur die aktuelle Welle, aber nicht die bisherige Überschwemmung an. Aufhören damit! Sind wir Nord Korea?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • JonSnow am 31.10.2016 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nachhaltig

    Ich arbeite für ein CH Traditionsunternehmen, welches erst international ging, dann von ausländischen Managern zugrunde gerichtet wurde und nun an eine Private Equity Firma verkauft wurde. Diese nimmt das Unternehmen nun auseinander, verkauft die rentablen Bereiche und stellt bis 03.2017 mehrere Hundert Mitarbeiter in der CH auf die Strasse. Der CEO und seine Gesellen kassieren gleichzeitig mehrere Millionen. Danke für gar nichts, Nachhaltigkeit hat ausgedient.

  • Kein Linker am 31.10.2016 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer, wacht auf!

    Prinzipiell ist es richtig und wichtig, dass man wahre Sachverhalte aufzeigt. Arbeitslosenstatistiken ohne Wahrheitsgehalt gehören abgeschafft. Wenn ich aber ein Grossteil der Kommentare hier lese läufts mir kalt den Rücken hinunter. Den schwarzen Peter auf BR/Linke/etc. zuzuschieben ist einfach. Das Problem hockt aber in den Köpfen, denn dieselben Kommentatoren sehe ich morgen wahrscheinlich an der Grenze zu Deutschland wieder. So unter dem Motto: Schweizer Preise zahle ich doch nicht, aber den Lohn ja bitte schön hoch halten, sonst arbeite ich doch nicht! Tolle Welt!

  • Carlo am 30.10.2016 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Masseneinwanderung läuft ungehindert weiter

    Und trotzdem läuft die Masseneinwanderung wie am Schnürchen weiter. Die zuständigen Bundesräte - die in dieser Angelegenheit Arbeitsverweigerung betreiben - sollten bestraft werden. Sie gelobten bei der Wahl, sich für unser Land einzusetzen. Aber das tun sie nicht. Ganz im Gegenteil.

    • Mike am 30.10.2016 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Carlo

      Technisch gesehen haben sie nicht alle einen Schwur geleistet... Ein bisschen Windungsraum bleibt da schon.

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  • Peter M. am 30.10.2016 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich die richtigen

    Ich hoffe, das sind alles Mitte-Links Wähler oder solche die Ja zur PFZ stimmten, nein zur MEI oder die es gut finden, dass die MEI nicht umgesetzt wird. Dann spüren sie jetzt nämlich ihr Stimm- und Wahlverhalten am eigenen Leib. Richtig so!

  • L T am 30.10.2016 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Erbarmen

    Ja liebe Leute, es werden von unseren Politiker mit gefälschten Statistiken alle die Probleme unter den Teppich gekehrt. Leider haben wir dies Situation selber zu Verantworten. Stimmt bei den Abstimmungen weiter links, FDP und CVP lastig, somit wird es ganz bestimmt Richtung 10% Arbeitslose laufen. ( Beispiel Umsetzung Ausschaffungs Initiative )