Vernichtete Ware

15. Oktober 2019 07:00; Akt: 15.10.2019 10:10 Print

So viele Retouren werfen Onlinehändler in den Müll

von Valeska Blank - Was machen Onlineshops mit Produkten, die zurückgeschickt werden? Eine neue Studie gibt Aufschluss.

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Nochmals verkaufen, anders verwerten oder wegschmeissen, weil sich ein Wiederverkauf nicht mehr lohnt: Vor dieser Frage stehen Onlinehändler, wenn retournierte Ware bei ihnen eintrifft.

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Eine Studie der Universität Bamberg über die Retourenentsorgung im Jahr 2018 zeigt, welche Option die Händler am häufigsten wählen: Knapp 80 Prozent werden direkt wiederverkauft. 13 Prozent gelangen als B-Ware in den Handel. Will heissen: Die Produkte werden mit Rabatten angeboten oder landen im Outlet.

Geringer Anteil landet im Abfall

Tatsächlich weggeworfen werden 4 Prozent der Ware. Entgegen dem oft geäusserten Verdacht, dass Onlineshops Retouren rücksichtslos vernichten, ist dieser Anteil also eher gering. In absoluten Zahlen: 20 Millionen retournierte Artikel wurden entsorgt.

Für die Studie wurden 139 deutsche Onlinehändler befragt. Der Anteil der Artikel, die im Schweizer Onlinehandel entsorgt werden, dürfte noch tiefer liegen, schätzt Ralf Wölfle, Experte für E-Business an der Fachhochschule Nordwestschweiz. «Mir ist nicht bekannt, dass in der Schweiz Retouren im grossen Stil vernichtet werden.»

Schweizer vertreiben teurere Waren

Dass im hiesigen Handel tendenziell wenige Retouren im Abfall landen, liegt laut dem Experten am Warenwert. Dieser sei bei Schweizer Shops meist höher als im Ausland. «Je teurer ein Produkt, desto bedachtsamer gehen die Händler damit um.» Bei Retouren mit hohem Preis werde eher versucht, sie doch noch zu verkaufen oder auf anderen Kanälen loszuwerden, beispielsweise in Outlets.

Diese Einschätzung deckt sich mit den Erkenntnissen der Bamberger Studie: Die Retouren, die weggeworfen werden, haben in 80 Prozent der Fälle einen Wert unter 15 Euro.

«Es wurde schon immer vernichtet»

Bei der Diskussion um vernichtete Retouren plädiert E-Business-Experte Wölfle dafür, «über den Tellerrand des Onlinehandels hinauszuschauen». Im stationären Handel würden ebenfalls Waren vernichtet – sei es, weil sie nicht mehr nachgefragt werden oder weil sie qualitativ nicht mehr in Ordnung sind. «Doch natürlich ist jedes Produkt, das einfach weggeworfen wird, eines zu viel», so Wölfle.

Die befragten Händler sagten in der Studie, dass sie oft gar keine Alternative als die Entsorgung hätten. Bei etwas über der Hälfte der weggeworfenen Artikel (53 Prozent) sei eine Wiederaufbereitung technisch nicht möglich. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Produkt defekt ist oder nicht mehr gereinigt werden kann.

Billiger ist die Entsorgung allemal: Die Befragten schätzten die Kosten im Schnitt auf 85 Cent. In 40 Prozent der Fälle wäre es laut der Studie möglich gewesen, die Retouren wiederzuverwerten oder zu spenden.

Retouren bei Zalando meist einwandfrei

Auf Wiederverwertung oder Spenden setzt Zalando, der grösste Online-Modehändler der Schweiz. Retournierte Artikel mit kleinen Mängeln gingen ins Outlet, Restbestände als Spende an Organisationen, erklärt Zalando auf Anfrage.

Allerdings könnten rund 97 Prozent der Retouren wieder regulär auf Zalando verkauft werden. «Der Grossteil unserer Kunden sendet die Artikel in einwandfreiem Zustand zurück», sagt eine Sprecherin zu 20 Minuten. Vernichtet würden Waren nur in Ausnahmefällen – zum Beispiel wenn dies aus gesundheitlichen Gründen notwendig sei. Das betreffe weniger als 0,05 Prozent aller Artikel.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Connie am 15.10.2019 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Online

    Kauft eure Sachen im Geschäft, so könnt ihr probieren ob es passt! Das retournieren hat sich erledigt und die Geschäfte sind ihnen dankbar für den Einkauf!

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  • Lina Gruberina am 15.10.2019 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    20 Millionen Artikel pro Monat...

    ist trotzdem viel zu viel, auch wenn dass nur 4% heisst. Die Situation ist einfach absurd.

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  • Sprüngli am 15.10.2019 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegwerfgesellschaft

    Das nennt man Wegwerfgesellschaft. Es gubt da eine Lösung... Geht wieder in den Laden, probiert, lasst euch beraten, schon gibt es weniger Müll.. So einfach geht das!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • müll man am 16.10.2019 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    puhhhh

    Alle sind so auf's klima gebunden aber wir sollten besser ma vor unserer haustüre sauber machen weniger elektro schrott usw ich arbeite als recyclist es ist schlimm alle brauchen immer das nöiste händy ect da sollte man anfangen.

  • Marc am 16.10.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwendung überall

    Die stationären sind oft kein bisschen besser. Wenn Kunden z,B. im Media Markt Ware zurückbringen im Wert von unter 50.-, egal ob defekt oder neu, wird das Zeug direkt vor Ort vernichtet. Die machen sich nicht mal die Mühe es dem Distributor zurückzusenden, auch wenn es einwandfreie Ware ist.

  • Sbille am 16.10.2019 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Päckliwelle nein danke

    Ich hatte vor 1/2 Jahr den Spleen, online Kleider zu bestellen. Von 4 Bestellungen und ca. 20 Kleidungsstücken musste ich 18 zurückschicken, weil Grösse 36 eher Grösse 40 war. Ich spare mir dieses hin und her und muss bei der Post auch nicht mehr in der Warteschlange stehen. Im Laden macht es mehr Spass, hab Bewegung und treffe sogar spontan liebe Menschen. Wenn alle, die hier kommentieren, mal 3 Monate nichts bestellen würden, möchte ich gerne die erleichterten Postboten sehen. Die tun mir nämlich tagtäglich leid...

  • sugusli am 16.10.2019 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu teuer

    Offenbar Rentiert es auch so immer noch. Das zeigt doch klar, wie überteuert die sind....

    • Barbara S. am 16.10.2019 10:45 Report Diesen Beitrag melden

      Überteuert?

      Dann bitte mal mitteilen, ob Sie ein Kleidungsstück zu diesen Preisen herstellen würden ... Aber hey, Geiz-ist-Geil bis zum Abwinken ...

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  • Swissedc am 16.10.2019 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Minimalismus

    Konsum wo man nur hinschaut. Hab ihr mal daran gedacht, dass weniger besitzen glücklicher machen könnte.

    • Was wottsch am 16.10.2019 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swissedc

      Woher wollen Sie denn wissen, wieviel ich besitze? Soll ich Zahnbürste und lange Hosen auch noch wegwerfen?

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