50'000 Übernachtungen

24. Oktober 2019 19:26; Akt: 24.10.2019 19:26 Print

So weh tut Thomas Cooks Pleite Schweizer Hotels

Mit 50'000 Übernachtungen pro Jahr generierte Thomas Cook in der Schweiz jährlich einen Umsatz von 6,5 Millionen Franken. Hoteliers trifft die Pleite hart.

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Der Reisevermittler Thomas Cook brachte insbesondere deutsche Touristen in die Schweiz. Um die 50'000 Übernachtungen generierte das britische Unternehmen jährlich in Schweizer Hotels. Ein deutscher Reisender gibt in der Schweiz pro Tag durchschnittlich 130 Franken aus, wie aus dem Tourismus Monitor Schweiz hervorgeht. Bei 50'000 Übernachtungen pro Jahr ist das hochgerechnet ein Umsatz von 6,5 Millionen Franken, den Thomas Cook jährlich in der Schweiz generierte. Einzelne Hotels spüren den Schlag schon jetzt. Ein Bündner Hotelier hat laut «Hotel Revue» für ein Drittel der Übernachtungen im August und September kein Geld erhalten – die offenen Rechnungen belaufen sich auf 100'000 Franken. Peter Fankhauser war seit Herbst 2014 CEO von Thomas Cook. Er verdiente während seiner Amtszeit über 10 Millionen Franken. Fankhauser verteidigt sich gegen Vorwürfe über seine Bezahlung und Managementfehler. HSG-Absolvent Fankhauser wird als sehr bodenständig beschrieben: So stieg er etwa jährlich mit Kollegen aus der Reisebranche in der Schweiz aufs Mountainbike. «Fankhauser war kein Schickimicki-Manager, kein Schwätzer und Blender», heisst es über den bestverdienenden Schweizer der Reisebranche. Fankhauser erklärte, die Bemühungen um eine Wende seit seinem Antritt als Konzernchef 2014 seien von der hohen Verschuldung gebremst worden. Mehrere Beteiligte seien verantwortlich gewesen für das Scheitern des Rettungsplans. Hätte er gegriffen, wäre Thomas Cook das bestfinanzierte Reiseunternehmen in Europa gewesen. «Ich glaube fest, dass wir einen Neustart nach einer erfolgreichen Rekapitalisierung geschafft hätten», sagte Fankhauser. Er wolle die britische Regierung wegen der Absage an einen Hilfskredit nicht kritisieren. Aber die Kosten des Zusammenbruchs von Thomas Cook seien letztlich viel höher gewesen als die angefragte Finanzierung, die sich auf 150 Millionen Pfund belaufen haben soll.

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Der seit September insolvente Reisevermittler Thomas Cook buchte für viele Touristen Reisen in die Schweiz: Um die 50'000 Übernachtungen generierte das britische Unternehmen jährlich in Schweizer Hotels, wie Urs Eberhard, Vizedirektor von Schweiz Tourismus, schätzt. Am stärksten dürfte der Herkunftsmarkt Deutschland betroffen sein.

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Dass Thomas Cook künftig als Umsatzquelle für die Schweizer Tourismusbranche wegfällt, geht ins Geld: Ein deutscher Reisender gibt in der Schweiz pro Tag durchschnittlich 130 Franken aus, wie aus dem Tourismus Monitor Schweiz hervorgeht. Bei 50'000 Übernachtungen pro Jahr ist das hochgerechnet ein Umsatz von 6,5 Millionen Franken, den Thomas Cook jährlich in der Schweiz generierte. Dieser Wert beinhaltet keine Reisekosten.

Der Betrag dürfte sogar noch etwas höher sein, sagt Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus, zu 20 Minuten. Thomas Cook habe auch Gäste aus Ländern in die Schweiz gebracht, deren Tagesausgaben über denen der deutschen Touristen lägen.

Gäste sollen trotzdem kommen

Die Marketingorganisation der Branche geht allerdings nicht davon aus, dass die über 6,5 Millionen pro Jahr künftig effektiv fehlen werden: «Es fällt lediglich ein Verkaufskanal weg, nicht aber die Gäste», so Berger.

Die Touristen würden weiterhin in die Schweiz kommen – entweder, indem sie direkt buchen oder mit einem anderen Anbieter reisen. Über verschiedene Buchungsplattformen würden Schweizer Hotels weiterhin international buchbar bleiben. Sie hätten zudem teils ihre Stammkunden und auch bereits via Thomas Cook eingebuchte Kunden selber kontaktiert und ihnen Angebote unterbreitet, damit sie trotz der Cook-Pleite in der Schweiz Ferien machten.

Hoteliers bleiben auf Rechnungen sitzen

Grosse Verluste dürften hingegen Hotels erleiden, die Anfang 2019 und vor allem in der Sommersaison viele Buchungen via Thomas Cook hatten, wie Tourismus-Professor Manu Broccard von der Fachhochschule Westschweiz (Hes-so) zu 20 Minuten sagt. So spüren einzelne Hoteliers den Schlag durch die Insolvenz von Europas grösstem Reiseveranstalter schon jetzt: Laut dem Fachmagazin «Hotel Revue» vom Branchenverband Hotelleriesuisse bleiben viele Anbieter auf erheblichen Rechnungen sitzen.

So müsse das Hotel Panorama im Berner Hasliberg wegen 25 Thomas-Cook-Buchungen nun 19'000 Franken abschreiben. Ein Bündner Hotelier habe für ein Drittel der Übernachtungen im August und September kein Geld erhalten – die offenen Rechnungen beliefen sich auf 100'000 Franken.

Versicherung zahlt nur teilweise

Immerhin: Die Hoteliers können Rückforderungen für bereits erbrachte Leistungen der Zurich Versicherung melden. Allerdings erhalten sie laut «Hotel Revue» maximal die Hälfte der entgangenen Vergütungen zurück.

Auch Touristen, die im Voraus für Leistungen bezahlt haben, gehen teilweise leer aus: Anfang Oktober hiess es seitens der Zurich Versicherung, dass die Reisen der deutschen Thomas Cook bis zu 110 Millionen Euro versichert waren – die Summe reiche jedoch bei weitem nicht aus.

(rkn)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pesche am 24.10.2019 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Modernisiert endlich!

    Ich muss beruflich oft in Hotels übernachten. Leider sind die meisten Hotels in die Jahre gekommen, die Preise für diese Zimmer sind jedoch enorm hoch. - Privat gehe ich nur ungern in schweizer Hotels! Investiert endlich in eure Hotels, dann kommen die Schweizer evtl auch wieder freiwillig und öfters zu euch übernachten!

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  • Chusik am 24.10.2019 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Rechnung

    Dann buchen die Touristen halt über eine andere Reisefirma..?

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  • Peter Lustig am 24.10.2019 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wurstpeter

    Naja, die Leute werden über andere Wege in die Schweiz finden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Grinch am 03.11.2019 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Schwachsinn

    Nur weil die Bude pleite ist, heisst das nicht, dass weniger Touristen in die Schweiz Reisen.

  • Fehl AusBildung? am 29.10.2019 00:45 Report Diesen Beitrag melden

    Reise daher immer weniger gern.

    Oft werden Zimmer vermietet die nicht dem Angebot entsprechen, sei es im Preis oder Raum und Frühstücks.

  • Heidi am 26.10.2019 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Massentourismus

    Massentourismus macht alles kaputt! Gut so. Ich hoffe andere gehen auch noch ein.

  • the red nose rudolf am 26.10.2019 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mimimi

    Die Hotelbesitzer sind die Meister des Rumheulens.

  • Aristoteles Konfuzius am 26.10.2019 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Nachdenken...

    ... der Betrag entspricht der Hälfte des Jahressalärs der CEO's unserer Grossbanken...