Bauern vs. Händler

09. November 2018 09:48; Akt: 09.11.2018 17:57 Print

Das verdienen die Bauern mit ihren Produkten

von R. Knecht - Der Zürcher Bauernverband klagt, die Familien könnten nicht mehr kostendeckend produzieren. Nun legt er die Margen offen.

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Bauern bekommen für ihre Produkte immer weniger vom Konsumentenpreis. Wie der Zürcher Bauernverband (ZBV) mitteilt, erhalten sie von jedem Franken, den der Konsument bezahlt, nur 30 Rappen. Vor 20 Jahren seien es noch fast 50 Rappen gewesen. Der Grossteil des Rests gehe an die Grossverteiler und die Detaillisten.

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Die Marge bei den Schweizer Grossverteilern liege bei rund 43 Prozent. Im Ausland sei sie teils merklich kleiner. Daran zeige sich, dass nicht das Produkt sondern der Handel der Preistreiber sei, sagt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des ZBV.

Die Margen seien bei den Detailhändlern so hoch, dass etwa der Preis bei Schweinefleisch in der Schweiz immer noch höher wäre als in Deutschland, wenn der Bauer den Händlern das Schwein gratis schenken würde. Bei der Milch sei die Marge des Bauern sogar negativ. Den Bauernverband stört insbesondere, dass die Bauern das gesamte Risiko tragen, aber weniger als die Hälfte des Gewinns bekommen.

Detaillisten spielen Marktmacht aus

Die schlechten Margen der Bauern seien auf das schwierige Machtverhältnis in der Schweiz zurückzuführen, erklärt Res Buri, Vize-Präsident des ZBV. Produzenten könnten ihre Anliegen nicht durchsetzen in der Branche. Grund dafür sei, dass die Detaillisten ihre Marktmacht ausspielen. Über 80 Prozent der Grundnahrungsmittel kaufen Schweizer Konsumenten bei Coop, Migros und Denner.

Ein Lösungsansatz sei die Direktvermarktung, also etwa der Verkauf ab Hof. Dadurch falle die 40-Prozent-Marge der Detaillisten weg und Bauern verdienen mehr, obwohl das Produkt günstiger angeboten werden könne. Damit machen Schweizer Bauern derzeit rund eine halbe Milliarde Franken Umsatz pro Jahr. Das ist noch extrem wenig, wenn man bedenkt, dass der gesamte Umsatz mit Schweizer Nahrungsmitteln 16 Milliarden Franken beträgt.

Kunden wollen den Bauern mehr bezahlen

Wenn die Konsumenten wüssten, dass die Bauern von einem höheren Preis auch wirklich profitieren würden, wären sie durchaus bereit, mehr zu bezahlen, wie Geschäftsführer Hodel sagt. Das zeige etwa das Projekt Di Fairi Milch Säuliamt aus dem Kanton Zürich. Diese etwas teurere Milch garantiert den Bauern einen bestimmten Milchpreis und wird unter anderem in regionalen Volg-Filialen angeboten. Das Produkt sei zu einem Kundenmagneten geworden, bilanziert der ZBV.

Ein Sprecher der Migros sagt zu 20 Minuten, dass sich der ZBV bei der Margenberechnung auf eine Studie stütze, die veraltet sei. Darauf erwidert Hodel vom ZBV, die Studie, die im Auftrag des Schweizer Markenverbands Promarca durchgeführt wurde, beziehe sich auf Daten von 2015 und sei Anfang 2017 publiziert worden.

Die Studie vergleicht laut Migros zudem Äpfel mit Birnen, da reine Detaillisten im Ausland logischerweise niedrigere Margen hätten als die Schweizer Grossverteiler, die auch die Verarbeitung übernehmen. «Diese Berechnungen entbehren jeder Grundlage», so der Sprecher. Dazu sagt Hodel, dass der Vergleich von Äpfeln mit Birnen zwar zutreffe bei Produkten, die die Migros direkt vom Produzenten übernimmt. «Dies trifft aber bei vielen Produkten so nicht zu, insbesondere beim Beispiel mit den Kartoffeln», so der Geschäftsführer des ZBV. Bei den Kartoffeln habe die Migros bei einem Preis von 1.60 Franken eine Marge von 40 Prozent, 6,5 mal höher als beim deutschen Händler Edeka, wo das Kilo 84 Rappen kostet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oliver Meier am 09.11.2018 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Frisch vom Bauerhof

    In Nenzlingen BL, erhalte Ich direkt beim Bauernhof 1,5 Liter frische Milch für Fr. 1.50 dieses Geld geht vollumfänglich an den Bauer. Auch Gemüse und Obst ist immer frisch vom Feld.

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  • Bertolf Siegrist am 09.11.2018 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig für die eigentlichen Produzenten

    Ich kaufe soviel es geht beim örtlichen Bauer direkt. So kann ich die Detailhändler wenigstens etwas umgehen. Die erhalten sonst schon genug.

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  • Leser am 09.11.2018 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja und wie weiter?

    Wie wäre es mit einem anständigen Bericht, Fakten und Beispiele?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • AntonMeier am 10.11.2018 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal so dann aber so

    Schon lustig, die Antworten. Aber billigprodukte aus dem Ausland kaufen und unseren Bauern immer mehr Gesetze aufhalsen. Die detailhändler betreiben Läden, machen den Transport und betreiben Werbung.

  • lessley am 10.11.2018 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Subventionen -> das Geld fliesst zurück in den

    schon mal daran gedacht das Subventionen nicht nur schlecht sein können.... Der Bauer Unterstütz so auch wieder die versch. Firmen in der Region. Beispiel; Wenn eine Maschine einen Defekt hat, bringt der Landwirt diese in die nächste (regionale) Garage. -Tierarzt -Tourismusabgaben und viele weitere Beispiele gibt es dazu

    • Martial2 am 11.11.2018 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @lessley

      1. A propos Maschinen, Fahrzeuge, der Bauer geht selten bis nie in die Garage, da er alles selber flickt. 2. Tourismus hat wenig mit der Landwirtschaft zu tun. 3. Der Tierarzt kostet auch nicht alle Welt...!

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  • Sandra am 10.11.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Können wir Konsumenten eine Umverteilung des Gelde

    Wäre schön, wenn sich die Konsumenten, die in ihrer Menge vielleicht wirklich etwas bewirken können, sich dafür stark machen könnten, dass vom dem Geld, das sie für ein Produkt bezahlen, wieder mehr an den Bauern zurückfließt. Ich würde nicht gerne mehr für ein Ei bezahlen als heute, aber es ist schon fast unverschämt, dass der Bauer nur 2 Rappen Gewinn macht und sich die Zwischenhändler und Grossverteiler den Rest teilen.

  • E.H. am 10.11.2018 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ewiges Gejammer der Landwirtschaft

    Das ewige Gejammer der übermotorisierten Landwirtschaft sollte endlich aufhören. Direktzahlungen und Subventionen von mehreren Milliarden pro Jahr erhalten die Landwirte zu Lasten Steuerzahler . Irgendwann können Sie zudem superteures Bauland verkaufen, nur weil das Land zufällig in die Bauzone umgezont wird. Das alles dank der Uebervertretung in Politik und Parlament. Wieviel Steuern zahlt eigentlich unsrere Landwirtschaft?

    • LandEi am 10.11.2018 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @E.H.

      Ja es hat ein paar Schwarze Schafe, auch unter den Landwirten und gerade die stärken das Image der Landwirten nicht gerade. Aber Sie dürfen nicht verallgemeinern!

    • Martial2 am 11.11.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @E.H.

      Das haben Sie perfekt geschrieben, das entspricht absolut der Realität... Solche Beispiele haben wir auf dem Lande mehrmals erlebt!

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  • Jan.Z am 10.11.2018 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jj

    Die Bauern müssen nicht reklamieren, sind ja schliesslich nicht die gefangen sind und ausgemutzt werden. Nicht das die Leute die das kaufen besser wären.

    • LandEi am 10.11.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jan.Z

      Es ist leider so, dass der Handel zu viel rausnimmt, zum missfallen der Landwirte und Konsumenten. Gemeinsam gegen den korrupten Handel wäre für alle die Lösung!

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