Preiskampf

08. Juni 2019 06:58; Akt: 08.06.2019 06:58 Print

Swiss verdient auf Kurzstrecken nur 800 Fr

von Raphael Knecht - Beim Kurzstreckenflug beträgt die Marge der Swiss ein Zehntel dessen, was die Airline auf der Langstrecke verdient. Trotzdem geht die Rechnung auf.

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Kurzstreckenflüge sind für die Swiss nicht lukrativ. Gerade mal 800 Franken beträgt die Marge im Schnitt pro Flug mit der A320. Das ist weniger als ein Zehntel der höchsten Durchschnittsmarge bei Langstreckenflügen. Für die Swiss lohnt sich das trotzdem, denn viele Kurzstrecken-Passagiere steigen in Zürich auf einen Langstreckenflug um. Um Passagiere anzulocken, kommt es oft vor, dass ein Flug mit Umsteigen billiger ist als ein Direktflug. Somit ist die Kombination eines Kurz- und Langstreckenflugs insgesamt günstiger als der Langstreckenflug allein. So etwa in diesem Beispiel: Der First-Class-Flug mit der Swiss von London nach Singapur via Zürich kostet knapp 3000 Franken. (Stand: Freitagmittag) Direkt ab Zürich kostet der genau gleiche Flug aber doppelt so viel. (Stand: Freitagmittag) Die Preise variieren je nach Tarifklasse und Auslastung der Strecken. Ein Direktflug ab London kostet am gleichen Tag umgerechnet rund 5200 Franken – Business, denn First gibt es auf diesem Flug nicht. (Stand: Freitagmittag) Die Swiss sucht derweil nach Piloten. Die anhaltend hohe Nachfrage in den kommenden Jahren stellt die Fluggesellschaft vor eine Herausforderung. Der Flugzeughersteller Boeing hat in einer Studie prognostiziert, dass allein in Europa in den nächsten 20 Jahren 146'000 neue Piloten benötigt werden. Weltweit sind es rund 790'000 Piloten. Mit einer neuen Kampagne sucht die Swiss vor allem auf Online-Kanälen und Social Media Nachwuchspiloten. «Die Kampagne zielt auf 18- bis 30-jährige Personen in der Schweiz ab», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller zu 20 Minuten. Das Anforderungsprofil an Piloten hat sich gelockert. So muss man heute nicht mehr studiert haben, um sich als Pilot zu bewerben. Auch eine Matura oder ein Lehrabschluss reichen. «Wir haben derzeit über 70 Prozent Pilotinnen und Piloten mit Schweizer Nationalität im Cockpit und möchten dieses Niveau auch zukünftig halten», sagt Müller. Neue Swiss-Piloten würden nur aus der Flugschule der Airline selbst stammen. Mit den Ticketpreisen hätten die Löhne der Piloten nichts zu tun: Sie würden in mehrjährigen Gesamtarbeitsverträgen festgehalten, die mit der Ticketpreissteuerung in keinem Zusammenhang stünden. Beim Swiss-Captain liegt das Salär auf der Kurzstrecke bei rund 148'000 Franken und auf der Langstrecke bei rund 210'000 Franken. Im Verlauf der Karriere verdiene ein Pilot also immer noch über 200'000 Franken. Der Beruf habe sich mit der Zeit gewandelt, räumt die Swiss-Sprecherin ein. Aber: «Für viele ist der Job immer noch ein Traumberuf.» Bei der Swiss hätten Piloten die Möglichkeit, ihren Einsatzplan zu beeinflussen. Um das Privatleben individueller zu gestalten, gebe es zudem unterschiedliche Teilzeitmodelle.

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Ob nach London oder Barcelona: Die Margen der Swiss sind bei Kurzstreckenflügen hauchdünn. Im Schnitt verdient die Airline bei einem solchen Flug 800 Franken. Das zeigt ein Gutachten von HSG-Professor Andreas Wittmer, das er fürs Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) erstellt hat. Auf Langstreckenflügen beträgt die Marge mit bis zu 10'000 Franken teils mehr als das Zehnfache:

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Durchschnittliche Margen pro Flug nach Fluggerät. (Quelle: Bazl)

Je nach Auslastung und Ziel unterscheiden sich die Margen für die einzelnen Flugzeuge, sagt Wittmer zu 20 Minuten. Darum handle es sich bei den Zahlen um Schätzungen. Bei der Swiss heisst es auf Anfrage, man nehme zu den Margen grundsätzlich keine Stellung.

Konkurrenz drückt auf die Margen

Laut Wittmer gibt es mehrere Gründe, warum die Margen für Kurzstreckenflüge so tief sind. Auf den Kurzstrecken herrsche ein extremer Verdrängungswettbewerb. Billig-Airlines, die in der Schweiz vor allem im Kurzstreckengeschäft prominent sind, würden die Preisvorstellungen der Passagiere beeinflussen – so erwarten Kunden auch von der Swiss billigere Tickets.

Dazu komme, dass es bei der Airline im Kurzstreckenverkehr zum Teil keine teureren Preisklassen wie Business und First Class gebe.

Kurzstrecke lohnt sich trotzdem

Für die Swiss dürfte sich der Kurzstreckenverkehr aber trotz der dünnen Margen lohnen. Hauptgrund ist laut Aviatik-Experte William Agius von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), dass die Airlines mit den Kurzstrecken die Langstreckenflüge bedienen.

Passagiere würden mit dem für die Airline weniger lukrativen Flug nach Zürich fliegen, um dann eine längere Reise auf der margenträchtigen Langstrecke anzutreten. «Zweck dieser Zubringerflüge ist es, die Langstreckenflüge zu füllen», sagt Agius.

Die Schweiz profitiert

Die tiefen Margen sind darum kein Grund für die Swiss, ihr Angebot an Kurzstreckenflügen zu reduzieren. Die Verbindungen in die europäischen Zentren seien vor allem für die abends abfliegenden Langstreckenflüge wichtig, sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller zu 20 Minuten: «Ohne die Abendwellen könnte man die Langstrecke nicht kommerziell sinnvoll anbieten.» Die Airline betont darum, dass die Betrachtung eines Einzelflugs für die Wirtschaftlichkeit der Swiss zu kurz greife.

Tiefere Margen deuten laut HSG-Professor Wittmer darauf hin, dass die Flüge umso stärker vernetzt sind. «Der daraus entstehende Hub-Effekt führt zu einem volkswirtschaftlichen Nutzen für die Schweiz», erklärt der Experte. Die Schweizer Exportwirtschaft und Firmen hätten durch den Hub viel bessere Verbindungen in die Welt.

Zwei Flüge sind billiger als einer

Das System mit Zubringerflügen hat einen «absurden» Nebeneffekt, sagt Agius von der ZHAW: Um Passagiere anzulocken, komme es oft vor, dass ein Flug mit Umsteigen billiger ist als ein Direktflug – die Kombination eines Kurz- und Langstreckenflugs ist also insgesamt günstiger als der gleiche Langstreckenflug allein.

Ein extremes Beispiel: Ein First-Class-Ticket am Samstagabend von Zürich nach Singapur kostet bei der Swiss 6285 Franken. Bucht man denselben Flug ab London, kostet das Ticket mit Zubringerflug von Heathrow nach Zürich 2939 Franken – der Direktflug allein ist mehr als doppelt so teuer (Stand: Freitagmittag). Die Preise variieren je nach Tarifklasse und Auslastung der Strecken.

Airlines akzeptieren die günstigeren Tickets nur, wenn man den Zubringerflug auch wirklich angetreten hat. Es ist darum nicht möglich, den Flug ab London zu buchen und dann direkt ab Zürich zu fliegen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. H. am 08.06.2019 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurde Preispolitik

    Wenn Zürich - Singapur 6'285 Franken kostet und London - Zürich - Singapur 2'939 Franken, dann würe es sich ziemlich sicher finanziell lohnen die Flugroute Zürich - London - Zürich - Singapur zu wählen. Ökologisch und reisetechnisch ist das aber absoluter schwachsinn. Und als direktflieger würde ich mich betrogen fühlen. Ein wichtiger Grund für mich, die Airline zu meiden.

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  • Dani Düsentrieb am 08.06.2019 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeitdauer muss mitgerechnet werden

    Man kann nich ein Langstrecken- direkt mit nur einem Kurzstreckenflug vergleichen. Es müsste fairerweise die Langstreckenflugdauer mit Anzahl möglicher Kurzstreckenflüge (3-4?) verglichen werden. Dann sehen die Margen nicht mehr soo krass interschiedlich aus...

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  • Michi am 08.06.2019 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Erhöht doch einfach die Preise! Damit wäre allen geholfen, ausser dem Geiz-ist-Geil-Passagier natürlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • cool am 11.06.2019 02:13 Report Diesen Beitrag melden

    Cooler Kommentar hier

    All die Hsg und wie sie heissen experten brauchen wir nicht! jeer mensch soll mal sein kopf einschalten. der eine experte sagt dies und der andere das.

  • Overloaded am 10.06.2019 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flying Flags

    Ja auch gut so, wenigstens schwarze Zahlen. Mehr bestimmt drin aber Swissnes braucht minimal Standard ist auch unser Flaggschiff im Himmel.

  • Kleinverdiener gibt auch Mist am 10.06.2019 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    So än Chabis go schriibä

    Logo! Immer wenn man etwas verdient, geht die Rechnung auf.

  • Christian am 10.06.2019 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Airline Business

    Natürlich ist der Umsteigeverkehr günstiger als der Direktflug. Sonst würde eine Emirates nicht existieren. Denn die leben nur vom Umsteigeverkehr. Sie stehen in direkter Konkurrenz zu den Airlines, die z.B. von Zürich nach Bangkok fliegen (Swiss, Thai Airways). Damit der Passagier beteit dazu ist, einen Zwischenstop zu machen, muss das Ticket (einiges) günstiger sein. Alles ziemlich logisch, oder ?

  • Florian G am 10.06.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    zürich-paris-zürich buenos aires...

    Genau so ist es. Ich fliege am Mittwoch mit der edelweiss in business für 1700 chf nach buenos aires und zurück, ab paris. der zubringer nach paris nochmals 150 chf. zusammen nicht mal die hälfte des regulären biz preises nach buenos aires. so gibts halt noch ein mittagessen in paris und zurück nach kloten und weiter nach BA. absurder geht es nicht, aber wenns funktioniert...hat wohl auch damit zu tun dass die star alliance so anderen allianzen die premium passagiere klaut.