Zukunft der AHV

10. Juli 2014 18:54; Akt: 11.07.2014 14:00 Print

So will Avenir Suisse die Jungen entlasten

von C. Landolt - Die Denkfabrik Avenir Suisse durchleuchtet in einem neuen Buch die alternde Gesellschaft. Im Mittelpunkt stehen Massnahmen, wie die Jungen finanziell entlastet werden können.

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Dreh- und Angelpunkt des vorgestellten Generationenvertrags ist die demographische Entwicklung in der Schweiz. Erstens: Wir werden immer älter, und wir brauchen im Alter immer mehr Pflege. Zweitens: Die Generation der Erwerbstätigen fühlt sich im Sandwich zwischen der Betreuung der eigenen Kinder und der Pflege der eigenen Eltern eingeklemmt. Drittens: Die jüngere und künftige Generation wird nicht mehr automatisch von Leistungen wie Infrastrukturen (z. B. Neubau einer Schule oder Strasse) profitieren. «Ein beträchtlicher Teil der Schweizer Schulden wird nicht für Investitionen verwendet, sondern für gesetzlich vorgesehene Konsumleistungen wie die Altersvorsorge», hält Avenir Suisse fest.

Umfrage
Ob und in welcher Höhe die künftige Generation noch eine Rente haben wird, ist eine Frage, die Ökonomen stark beschäftigt. Falls Sie zu dieser Generation gehören: Haben Sie Angst um Ihre künftige Rente?
69 %
4 %
10 %
17 %
Insgesamt 2465 Teilnehmer

Um das Wohlstandsniveau erhalten zu können, muss die künftige Generation mehr und/oder länger arbeiten. Sie muss längere Ausbildungszeiten, höhere Ausbildungskosten in Kauf nehmen und verursacht umgekehrt ihren Eltern höhere Kosten.

Das sind die Reformvorschläge von Avenir Suisse, um diese Probleme zu lösen:

• Bildungsgutscheine

Statt Institutionen sollen Studierende vom Staat subventioniert werden, indem ein fester Geldbetrag auf ein individuelles Bildungskonto überwiesen wird, von dem die Erstausbildung finanziert wird. Nicht verwendete Mittel blieben auf dem Konto bestehen und dürfen später für Weiterbildungszwecke verwendet werden.

• Betreuungsgutscheine

Statt Kita-Subventionen fordert Avenir Suisse Betreuungsgutscheine für Familien (Kita, Tagesmütter, Tagesschulen, Mittagstische etc.).

• Individualbesteuerung

Doppelverdiener mit oder ohne Kinder haben heute steuerliche Nachteile. Das Zweiteinkommen wird nämlich höher besteuert als das Einkommen des Hauptverdieners. Zusätzlich fallen je nach Höhe des gemeinsamen Einkommens Verbilligungen weg. Das kann gemäss Avenir-Suisse-Projektleiter Jérôme Cosandey zu einer enormen Steuerbelastung führen. Eine Individualbesteuerung, die jeden Partner steuerlich getrennt veranlagen würde, könne hier eine Lösung sein.

• Zeitbörse

Aktiv tätige Freiwillige in Vereinen oder Organisationen leisteten 2008 in der Schweiz gemäss BFS einen Zeitaufwand von einem halben Arbeitstag pro Woche. Avenir Suisse schlägt vor, die Freiwilligenarbeit statt mit Geld mit Zeiteinheiten zu vergüten. Jede geleistete Arbeitsstunde an Hilfe wird gleichwertig auf ein individuelles Konto verbucht. Dieses kann bezogen werden, wenn es gerade nötig ist – zum Beispiel als Transportgutschein zur Physiotherapie nach einem Unfall.

• Flexible Arbeitszeitmodelle

Nicht nur in Familienfragen, sondern auch in Zeiten mit besonderen Bedürfnissen (Ausbildung, Weiterbildung, Krankheit, familiäre Konstellationen) sollen beide Geschlechter die Arbeit bedürfnisspezifisch anpassen können.

• Selbstbestimmte Pensionierung

Eine schrittweise Pensionierung wie z. B. in Dänemark, wo diese 15 Jahre dauert, wäre eine Lösung, damit auch die Generation Y im Alter über eine Rente verfügen kann. Jeder kann ab einem gewissen Alter selbst entscheiden, wie lange und wie viel Prozent er arbeiten will – und so die Höhe seiner Rente mitprägen.

• Spar-Obligatorium für die Alterspflege

Die Denkfabrik schlägt zudem obligatorisches Sparen ab dem 55. Altersjahr vor. Das angesparte Kapital wäre bei Bedarf für alle Pflegeleistungen einsetzbar, ambulant wie stationär, je nach Präferenzen und Ressourcen im Familienumfeld. Die nicht verwendeten Mittel könnten im Todesfall vererbt werden.