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23. November 2018 20:03; Akt: 23.11.2018 20:03 Print

So wird Juul den Zigi-Markt Schweiz verändern

Die E-Zigarette Juul kommt bald in die Schweiz. Bisher wird hierzulande noch kaum gedampft, das lockere Werbegesetz könnte dies aber ändern.

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Der umstrittene E-Zigaretten-Hersteller Juul steht kurz vor dem Schweizer Markteintritt. Details dazu soll es in den nächsten Tagen geben. Zwar will Juul dies noch nicht bestätigen, doch gemäss «Handelszeitung»-Recherchen steht der Länderchef für die Schweiz schon fest: Jonathan Green, vormals Länderchef der Novartis-Tochter Alcon und ehemaliger Manager bei Vitra, Sonova und Migros, übernimmt die Leitung für den hiesigen Markt. Einfach wird der Markteintritt für Juul in der Schweiz wahrscheinlich nicht. Die E-Zigarette steht wegen ihrer erhöhten Suchtgefahr bei Jugendlichen in der Kritik. In den USA spricht die Gesundheitsbehörde FDA bereits von einer «Epidemie», wie das Magazin «Der Spiegel» berichtet. Um die Regelung von E-Zigaretten in der Schweiz sorgt sich auch der Gesetzgeber. Ein neues Tabakproduktegesetz ist in der Vernehmlassung. Mitte 2022 soll es in Kraft treten. Juul teilt mit, man wolle mit den Regulierungsbehörden kooperieren. Eine Studie zeigt, dass die Mehrheit der Jugendlichen, die Juul einmal ausprobiert hat, das Produkt anschliessend weiter nutzt, wie die Forscher in Befragt wurden 437 kalifornische Highschool-Schüler. 68 gaben an, Juul schon einmal ausprobiert zu haben. Fast 60 Prozent von ihnen haben das Produkt in den 30 Tagen vor der Befragung weiter genutzt. Dagegen haben von 133 Schülern, die andere E-Zigaretten versucht hatten, nur 30 Prozent weitergedampft. Der Psychologe Thomas Eissenberg, Co-Autor eines Kommentars zur Studie, erklärt, dass die Resultate bedeuten könnten, dass «kapselbasierte E-Zigaretten bei dieser anfälligen Gruppe ein noch grösseres Risiko für eine Nikotinabhängigkeit darstellen als andere Nikotin- oder Tabakprodukte». 106 hatten bereits herkömmliche Zigaretten ausprobiert. Von ihnen hatten 28 Prozent in den letzten 30 Tagen geraucht. Für Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz, liegt das hohe Abhängigkeitspotenzial von Juul darin begründet, dass eine Kapsel in den USA so viel Nikotin enthält wie ein ganzes Päckchen Zigaretten. Zudem werde das Nikotin in Form von Nikotinsalzen beigefügt, die deutlich stärker und schneller wirken als die Nikotinextrakte in herkömmlichen E-Zigaretten. Der Beteuerung des Herstellers, wonach Juul für Erwachsene und bestehende Raucher gedacht sei, kann Meury nichts abgewinnen. «Der Hersteller kann behaupten, was er will. Fakt ist, dass Juul gerade unter den Jugendlichen in den USA die grösste Verbreitung hat.» Für ihn liegt das daran, dass die Aromen klar auf Jugendliche ausgerichtet sind und sich die E-Zigarette dank der Form eines USB-Sticks gut vor Lehrern und Eltern verstecken lässt.

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Wenn es nach E-Zigarettenhersteller Juul geht, kaufen wir am Kiosk bald ein Päckchen Pods statt eines Päckchens Zigaretten. Das amerikanische Start-up bereitet laut «Handelszeitung» den Markteintritt in der Schweiz in den nächsten Wochen vor, ein Geschäftsführer ist bereits gefunden. Das erwartet Juul in der Schweiz:

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Konsum
Derzeit rauchen laut Suchtmonitoring Schweiz nur 0,7 Prozent wöchentlich E-Zigaretten. Bei Tabak ist es rund ein Viertel der Bevölkerung. Laut Herstellern wie Juul sollen ihre E-Zigaretten Erwachsenen bei der Umstellung auf weniger schädliche Rauchprodukte helfen. Doch in machen Ländern wie den USA hat Juul einen Rauchtrend bei Jugendlichen ausgelöst. Laut einer Studie benutzen dort 7 Prozent der 15- bis 17-Jährigen Juul. Das könnte auch in der Schweiz geschehen.

Konkurrenzsituation
Valora und Coop mischen bereits im E-Zigarettenmarkt mit. Ob sie Juul ins Sortiment aufnehmen, wollten sie auf Anfrage von 20šMinuten nicht verraten. In der Schweiz sind E-Zigaretten laut einem Valora-Sprecher noch eine Nische. Ein Blick in die USA zeigt jedoch, dass sich dies mit dem Markteintritt von Juul schnell ändern könnte. Juul existiert erst seit 2015 und kontrolliert bereits 72 Prozent des amerikanischen E-Zigarettenmarkts. In einem Bericht der Investmentbank Morgan Stanley ist zu lesen, dass Juul allein für ein «erneutes Aufflammen des E-Zigarettenmarkts in den USA» verantwortlich ist. Juul sei «fast für das gesamte Wachstum im US-E-Zigarettenmarkt verantwortlich.»

Werbung
Da Juul zwar Nikotin, aber keinen Tabak enthält, fällt die E-Zigarette nicht unter das Tabakgesetz, das Werbung für Tabakprodukte einschränkt. Der Hersteller kann die E-Zigarette also so einfach wie Äpfel oder Küchenpapier am Fernsehen oder Radio bewerben. Es könnten also schon bald Social-Media-Kampagnen, Werbespots und Posterreklamen von Juul zu sehen sein. Da Juul momentan in den USA besonders für seine Werbeaktivitäten auf Facebook und Instagram kritisiert wird und diese daher beschränkt hat, ist es nicht sicher, wie und in welcher Form die E-Zigaretten in der Schweiz beworben werden.

Prävention
«Juul macht uns Sorgen», sagt Thomas Beutler von der Tabakprävention Schweiz. In der Schweiz gebe es im Gegensatz zu den USA jedoch noch keinen Boom an Schulen: «Wir werden sehen, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt.» E-Zigaretten seien schon länger ein Thema in Präventionskampagnen an Schulen. Markus Meury von Sucht Schweiz fordert für E-Zigaretten wie Juul eine Altersbeschränkung auf 18 Jahre, die auch im Internet durchgesetzt wird. Gleichzeitig brauche es Informationskampagnen über das hohe Abhängigkeitspotenzial und ein Werbeverbot.

(vay)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • commandershran am 23.11.2018 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    werbung

    Werbung haben die Medien ja zur genüge gemacht und das sogar ohne Sponsored Content.

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  • Dave am 23.11.2018 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Wisst ihr eigentlich das ihr schön ein gefühltes Jahr schreibt das Juul bald auf den Markt kommt? Was ist die Definition von bald für euch?

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  • Conor350 am 23.11.2018 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dampfen ist nicht rauchen

    Zum 100. mal. E-Zigaretten werden nicht GERAUCHT, sondern GEDAMPFT! Im übrigen gibt es schon länger Pod Systeme wie die von der Juul. Also macht nicht so einen Hype um diesen Grössenwahnisingen Hersteller.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dumby am 02.12.2018 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Miese Qualität

    Versucht hab ichs. Aber beim xten Versuch das Ding mit dem Feuerzeug anzuzünden gings dann kaputt.

  • John Marston am 27.11.2018 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Scarface

    Hype is real (read dead redemption 2)

  • Raucher am 27.11.2018 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zigi Raucher

    Rauche normale Zigis. So ein Dampfgerät würde ich persöndlich nicht kaufen.. entweder man raucht richtige Zigis oder man hört gleich ganz auf damit. Aber wie gesagt ist meine Meinung jeder soll das machen wo er für richtig hält. Klar man spart so schon Geld.

    • Mage co am 27.11.2018 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      @ Raucher

      Wie die Erfahrung zeigt möchten viel aufhören aber schaffen es nicht. Genau für die ist es da. Es bring nichts 20 Jahre zu sagen ich sollte aufhören und trotzdem weiter zu machen. Darum ist dampfen eine gute Alternative. Sie sagen doch auch nicht "bevor ich Nikotin-Plaster probiere rauche ich lieber richtige Zigaretten".

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  • t.t. am 27.11.2018 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum gedampft?

    "bisher wird hierzulande noch kaum gedampft" emmmm nein das sehe ich anders. Der Anteil der Dampfer ist aus meiner sicht markant gestiegen. Selbst in meiner Firma in der viele Mitarbeiter rauchen, dampfen immer mehr Kollegen. Während der Mittagspause sieht man in der Raucherecke (draussen natürlich) schon fast nichts mehr :) Mich freuts auch als Raucher

  • mano am 27.11.2018 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    wieviel Geld erhalten die Medien, dass sie ständig darüber schreiben?