Food-Trends

01. Oktober 2019 04:49; Akt: 02.10.2019 13:05 Print

So verändert Technologie unsere Mahlzeiten

von Raphael Knecht - Laborfleisch, Cannabis-Drinks und Geisterküchen: Technische Fortschritte verändern unsere Nahrungsmittel – und wie wir sie konsumieren.

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Bis 2050 werden zehn Milliarden Menschen auf dem Planeten leben – und die gilt es zu ernähren. Um das zu ermöglichen, werden laufend neue Technologien entwickelt. Diese verändern, was und wie wir essen. Dazu kommen Faktoren wie Gesundheit und Tierwohl, wo die Forschung ebenfalls laufend Fortschritte macht. Der aktuelle European Food Trends Report des Gottlieb-Duttweiler-Instituts zeigt, wie Technologie unser Essen verändert:

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Laborfleisch

Wenn tierisches Protein weiterhin auf dem Menü bleiben soll, wäre es denkbar, dass es künftig nur noch aus dem Labor kommen wird. Schon jetzt ist es möglich, Hackfleisch und rudimentäre Steaks im Labor zu züchten. Noch ist der Prozess relativ teuer: Ein Pfund Laborfleisch kostet zwischen 363 und 2400 US-Dollar. Sinken diese Kosten, würde sich das Wertschöpfungsnetzwerk der Fleischindustrie verändern: Statt Stallzucht, Mastbetrieben und Schlachthäusern entstünden Fleischfabriken mit Bioreaktoren. Vor dem Fleisch dürfte der Laborfisch tellerfertig sein, denn er ist laut dem Report bis jetzt einfacher und günstiger zu produzieren.

Geisterküchen und virtuelle Restaurants

Je mehr das Essen online bestellt wird, umso mehr werden sich Unternehmen auf diese Art von Kundschaft spezialisieren. So gibt es etwa schon jetzt sogenannte Ghost Kitchens – Restaurants ohne Gastraum oder Take-away, die nur aus Küche bestehen. Bestellungen erfolgen per App, Website oder Telefon. Solche Geisterküchen befinden sich typischerweise in Kundennähe, jedoch möglichst an Orten mit niedrigen Mieten. Noch weiter gehen virtuelle Restaurants wie Uber Eats. Sie haben gar keine eigene Küche mehr, sondern kooperieren mit existierenden Anbietern.

THC-Drinkables

Dank neuer Technologien lassen sich Cannabinoide wie CBD und THC, die Wirkstoffe in Cannabis, wasserlöslich machen. Darum ist es zunehmend möglich, die Droge via Getränk einzunehmen, statt sie zu rauchen oder zu essen. Das ergibt laut dem Report vor allem auch wegen des Fitness- und Wellness-Trends Sinn. Auf diese Weise lasse sich die Dosis besser kontrollieren. Zudem würden selbst kleine Mengen in flüssiger Form schneller und intensiver wirken, da die Aufnahme bereits im Mund beim ersten Schluck beginne. In der Schweiz dürfte jedoch die rechtliche Lage eine Hürde sein: Cannabisprodukte mit mehr als 1 Prozent THC sind verboten.

Gentechnik

Mit genmodifizierten (GM) Pflanzen lässt sich der Einsatz von Pestiziden reduzieren und es gibt weniger klimabedingte Ernteausfälle. Grundsätzlich steigen die Erträge und auch der Gehalt an Nährstoffen und Vitaminen. Vielen Konsumenten ist die Technologie jedoch nicht geheuer: Sie fürchten um die Sicherheit ihrer Lebensmittel und um ihre Gesundheit. Und: GM-Pflanzen begünstigen den Einsatz von umstrittenen Herbiziden wie Glyphosat. Solange die Akzeptanz der Öffentlichkeit fehlt, dürfte es die Gentechnologie weiterhin schwer haben. In der Schweiz unterliegen GM-Lebensmittel einer Bewilligungs- und Kennzeichnungspflicht.

Blockchain in der Migros

Firmen tüfteln derzeit an Systemen, die mittels Blockchain helfen, die Herkunft von Konsumgütern zu verfolgen. So soll etwa eindeutig nachvollziehbar gemacht werden, ob das Palmöl in einem Produkt aus illegaler Regenwaldabholzung stammt. Derartige Projekte gibt es bereits seit längerem. Anfang Jahr kündigte nun auch die Migros an, dass sie an einem solchen System arbeite. Kunden sollen künftig im Laden per Smartphone die Herkunft von Inhaltsstoffen ihrer Nahrungsmittel prüfen können.


Bald können Kunden das Palmöl in der Migros zurückverfolgen. Interview mit M-Industrie-Chef Walter Huber. (Video: ISH)

Bio-Hacking

Unter dem Begriff Bio-Hacking versteht man den Trend zum Analysieren, Verstehen und Optimieren des eigenen Körpers. So greifen Konsumenten etwa vermehrt zu als «Superfood» vermarkteten Produkten wie etwa Chia-Samen, Avocados oder verschiedene Algensorten. Bio-Hacking kommt aus fast allen möglichen Disziplinen: Von Data-Science, Opensource-Software und Neurowissenschaft über Ernährungswirtschaft und
Medizin bis hin zu Extremsport und Kunst. Gemeinsam ist ihnen, dass die Bio-Hacker mit Wissen gegen natürliche Beschränkungen, Alter und Krankheit vorgehen wollen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • der sogenannte fortschritt am 01.10.2019 05:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hat keine positiven auswirkungen

    manche nennen es fortschritt. ich nenn es, ins verderben rennen. was hat uns dieser sogenannte fortschritt gebracht: noch mehr arbeit zu weniger geld, neue krankheiten. psychiatrien welche voll sind. ein hoch auf euer fortschritt.

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  • Sulj am 01.10.2019 05:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Reagenzfleisch

    Also wenn ich pro Woche 1-2 Mal Fleisch esse, dann will ich kein Reagenzfleisch sondern gutes Fleisch vom Metzger oder vom Bauernhof.

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  • Nick_Name am 01.10.2019 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seht ihr?

    Der Klimawandel ist vollkommen überflüssig. Wir schaffen das mit der Ausrottung ganz alleine.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jeffrey Spector am 02.10.2019 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin für Gentechnik..

    ..weil mit Gentechnik neue Therapien zur Krebsheilung möglich werden. Ich bin auch dafür weil es durch diese Technik möglich ist, Pflanzen schneller auf das sich ändernde Klima einzustellen und weltweite Hungersnöte einzudämmen. Ich bin aber strikte dagegen, genetisch veränderte Lebensmittel in den Verkauf zu bringen, ohne die ganze Lieferkette zu deklarieren. Ich kaufe nur unprozessierte Lebensmittel und diese nach Möglichkeit im Hofladen des Bauern meines Vertrauens. Ich kaufe keine Lebensmittel, welche meine Urgrossmutter nicht als Nahrung erkannt hätte.

  • Bruno Ochsner am 02.10.2019 01:28 Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Zukunftsaussichten

    Interessante Möglichkeiten was einem die Industrie und Forschung da zu bieten hat. Wenn es dann gründlich getestet wurde. Heute gibt es ja auch schon Maden und Würmer zum Essen. Was uns die Zukunft noch alles zu bieten hat, bin gespannt.

  • Mona am 01.10.2019 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Käferli lieb und ganz böse

    Wir haben ca zwei kg Bakterien in uns,ist doch bald egal was wir essen.

  • Roland S. am 01.10.2019 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht nicht auf

    Ok selbst wenn man es schafft 10 Mia zu ernähren bleiben die Folgeerscheinungen von Dreck , Abfällen DichteStress etc. Der Weg führt so oder so in die Sackgasse

  • MÜLLER am 01.10.2019 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BEENDEN PER SOFORT

    Tönt BÖSE....aber in gewissen Ländern die Milliarden-Hilfe STOPPEN um die rasante Vermehrung zu beenden. Die Erde kann es einfach nicht mehr verkraften. Die die nunmal auf dieser Erde sind ...gut. Aber ansonsten ENDE SCHLUSS AUS.

    • Pete am 01.10.2019 18:57 Report Diesen Beitrag melden

      @MÜLLER

      Das klingt nicht böse, sondern einfach nur sehr undurchdacht. Die Höhe des Lebensstandards korreliert negativ mit der Geburtenrate.

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