Showrooming

13. Oktober 2017 21:49; Akt: 13.10.2017 21:49 Print

Soll die Beratung im Laden etwas kosten?

von R. Knecht - Immer wieder lassen sich Menschen vom Fachhändler beraten, nur um dann das Produkt online zu shoppen. Händler ziehen darum Beratungsgebühren in Erwägung.

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Fachhändler denken darüber nach, für ihre Beratung im Laden Geld zu verlangen. Grund dafür ist der Beratungsklau, das sogenannte Showrooming. Will heissen: Menschen gehen in stationäre Geschäfte, um sich beraten zu lassen, kaufen aber nichts. Stattdessen fotografieren sie die Artikel oder merken sich die genaue Bezeichnung und suchen dann online ein günstigeres Angebot.

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Heinz Bossert, Präsident des Detaillistenverbands Luzern, sagte am Freitag zur «Luzerner Zeitung», dass man im Fachhandel früher oder später eine Entschädigung für Beratungsgespräche verlangen müsse, wenn es so weitergeht. Auf Anfrage von 20 Minuten wollte Bossert diese Aussage allerdings nicht weiter kommentieren.

In der Intersport-Filiale in Frutigen wird den Kunden die Beratung schon länger verrechnet. Dafür bietet die Filiale 20 Prozent Rabatt – unabhängig davon, ob eine Beratung stattgefunden hat. Das habe Kunden zurück in den Laden geholt, so Geschäftsführer Beat Zürcher. Nun würden sie sich online informieren, um keine Beratung beanspruchen zu müssen und vom Rabatt profitieren zu können.

Vor allem Elektronik und Kleider

Laut der Analyse von Detailhandelsexperte Martin Hotz war bereits vor fünf Jahren der gesamte Nonfood-Bereich von Showrooming betroffen. Am schlimmsten sei es bei Elektronik und Kleidern.

Martin C. Rusterholz, CEO von Media-Markt Schweiz, sieht aber auch die Händler in der Pflicht. Er sagt zu 20 Minuten: «Zuerst müssen wir uns fragen, weshalb der Kunde nicht bei uns gekauft hat, ob unser Angebot oder unsere Beratung nicht gut genug war, anstatt die Schuld beim Kunden zu suchen.» Auf die Frage, ob auch Media-Markt darüber nachdenke, dem Kunden die Beratung in Rechnung zu stellen, sagte ein Sprecher von Media-Markt Schweiz auf Anfrage: «Das ist bei uns derzeit überhaupt kein Thema.»

Beratung fördert Kundenbindung

Auch Dagmar Jenni, Direktorin der Swiss Retail Federation, steht dem Showrooming-Problem gelassen gegenüber. «Der Durchschnittskunde ist heute selbst schon sehr gut informiert», so Jenni. Durch gute Beratung würde eine Beziehung zu Kunden entwickelt, die im Onlinehandel so normalerweise nicht existiert. Das resultiere auch in Kundenbindung.

Eine generelle Beratungsgebühr würde die Swiss Retail Federation daher eher nicht unterstützen. Für gewisse Fachbereiche sei eine solche Entschädigung aber denkbar, etwa im Sportschuh-Fachhandel, wo manchmal spezielle Anpassungen erfolgen.

In der Schweiz weniger schlimm

Sandro Küng von der Geschäftsstelle des Schweizer Spielwarenverbands mutmasst derweil, dass Showrooming in der Schweiz nicht so ein grosses Problem sei wie in anderen Ländern. Schweizer hätten ein gewisses Verständnis dafür, wohin es führen würde, wenn man Beratung nutzt, ohne die betreffenden Artikel zu kaufen.

Man sei sich in der Schweiz bewusst, dass dann langfristig Arbeitsplätze und Kompetenz verloren gehen würden, so Küng. Bei Onlinekäufen im Ausland, etwa bei Amazon, schade man zudem dem Wohlstand und der Kaufkraft in der Schweiz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl M. am 13.10.2017 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Fachkompetenz

    letztes mal als ich in einem Elektronikladen war, hatte der Verkäufer absolut keine Ahnung von der Materie und ich war nur da weil das Surface Laptop sehr günstig angeboten wurde. Vielleicht können die Verkäufer nur Omis beraten die noch einen Röhrenfernseher haben?

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  • Dave am 13.10.2017 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Je nach System

    Kann schon funktionieren, wenn die Beratungsgebühr dann aber bei einem Kauf auch gleich angerechnet wird. Ich informiere mich wenn möglich online und kaufe auch dort, hat allerdings mehr was mit persönlicher Bequemlichkeit zu tun. Wenn ich etwas brauche wovon ich keine Ahnung habe (bspw. Anzüge) geh ich ins Fachgeschäft und zahle auch gern einen entsprechend höheren Preis.

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  • Markus 1855 am 14.10.2017 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach, Runter mit den Preisen.

    Die CH als Hochpreis Insel weiterhin am Leben halten zu können, funktioniert so, je länger je weniger. Am Schluss den gar nicht mehr. 10 - 15 Prozent mehr als im Ausland ist Akzeptabel. Alles andere ist Abzocke. Seit 20 Jahren können die Preise via Internet verglichen werden. Die differenzen sind enorm. Preise senken = Problem gelöst, oder weitermachen und langfristig die Läden schliessen. Alle Detaillisten sollten mal auf ihre Importeure losgehen und deren Margen kürzen. So hat der Detaillist "fast" keine Chance an "vernünftige" Preise heranzukommen. Nicht der zahlende Kunde ist das Problem.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kritischer Kunde am 15.10.2017 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehs nicht

    Wie sind 20% Rabatt überhaupt möglich????? Bei kundenorientierten Preisen läge diese Ermässigung gar nicht drin... Und dass sich Media Markt keine Gedanken über die Beratung macht, ist auch verständlich... Welche Beratung wollen die denn da auch verrechnen???? :-)

  • Al Bundy am 15.10.2017 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Solange die Verkäufer weniger Ahnung von der Materie haben als ich oder eh kein Interesse zeigen zahl ich keinen Rappen für eine Pseudoberatung. Nehme mal an das dies sowieso schon in den Warenpreisen eingerechnet wird

  • Karl Marx am 15.10.2017 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hab alles,

    im Geschäft gekauft bzw. dort bestellt bezahlt und abgeholt.

  • Kück am 15.10.2017 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Ausnutzen heute unmöglich

    So weit sind wir heute schon. So dreist sind Kunden heute. Arroganz und Respektlos einfach unglaublich. Das würde ich mich nie getrauen. Wenn ich Online etwas kaufen möchte dann informiere ich mich auch Online.

  • Gabi am 15.10.2017 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beratung?

    Ich vor ein paar Wochen im Bekleudzngsgeschäft. Wollte mir eine schwarze Jeans kaufen. Die Verkäuferin fragte mich, was meine Vorstellung wäre. Ich sagte ihr, das ich eine Jeans möchte die am Beinende nicht eng ist sondern ausgestellt. Was hat sie mir dann gezeigt? Eine Jeans mit eng anliegenden Hosenbeinen bis runter. Hab ich noch nie getragen und will solche nicht tragen, denn die sehen hässlich an einer Frau aus. Der Hintern sieht aus wie bei einem Brauereipferd, auch wenn er eigentlich gar nicht so breit ist. Ich sagte ihr, ich will doch nicht aussehen wie eine Birne, verließ enttäuscht das Geschäft und kaufte mir meine Wunschjeans im Internet. Soviel zur Beratung im Geschäft und dann soll das noch was kosten? Nein, das lehne ich dankend ab.