Katastrophe in Japan

16. März 2011 22:47; Akt: 16.03.2011 22:53 Print

Soll ich meine Aktien verkaufen?

von Hans Peter Arnold - Was bedeutet die Katastrophe in Japan für die Wirtschaft, die Aktienmärkte, die Zinsen und den Franken? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Zwischen meterhohen Trümmern: Noch ist das Ausmass der Schäden in Japan nicht abschätzbar. (Reuters)

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Lässt sich der Schaden der ­Katastrophe in Japan abschätzen?
Solange das Ausmass der radioaktiven Verseuchung unklar ist, lassen sich einzig die tiefsten Schätzwerte beziffern. Das Ausmass der Schäden dürfte mindestens 200 Milliarden Franken betragen.

Welche Wirkung hat die Kata­strophe mittelfristig auf die japanische Wirtschaft?
Der Wiederaufbau führt zu Wachstumseffekten der japanischen Wirtschaft, die seit Jahren zu stagnieren droht.

Welchen Schaden nimmt die Weltwirtschaft?
Kurzfristig leiden die wichtigsten Handelspartner von Japan. Dazu gehören China, Taiwan, Südkorea und Aus­tralien. Die globale Wirtschaft ist nur am Rande betroffen. Die Krise kann aber zu einem Dominoeffekt führen und immer mehr Länder in Mitleidenschaft ziehen: Panik führt zu tieferen Aktienkursen. Das vermiest die Stimmung. Eine Konsumschwäche zwingt die Unternehmen, die Produktion zu drosseln. Die höhere Arbeitslosigkeit wirkt erneut negativ auf den Konsum. Die Verschlechterung des Klimas von Anlegern und Konsumenten ist deshalb die grösste Gefahr für die Weltwirtschaft.

Was soll der Privatanleger in dieser Situation tun?
Da sich die Weltwirtschaft grundsätzlich in einer sehr guten Verfassung befindet, ist der Verkauf von Aktien eher nicht empfehlenswert. Wer ­jedoch vom schlimmsten ­Szenario ausgeht, sollte wenigstens einen Teil davon abstossen.

Jüngst sind die Solar-Aktien stark gestiegen. Lohnt sich hier der Einstieg noch?
Nein, kurzfristig sind diese Aktien nach dem Rally ausgereizt. Die Perspektiven für die erneuerbaren Energien haben sich jedoch erheblich verbessert. Langfristig dürften die Solar- und Windenergieaktien durchaus höher tendieren. Das gilt wahrscheinlich auch für die Schweizer Meyer Burger Technology.

Setzt sich nun die Flucht in den Franken und damit die Frankenstärke fort?

Die Investoren fliehen in un­sicheren Zeiten reflexartig in sichere Häfen. Die Katastrophe in Japan bringt aber auf den Devisenmärkten keine andere Ausgangslage. Allerdings: Im schlimmsten Sze­nario würde eine Weltwirtschaftskrise auch die fragile Euro-Währung destabilisieren – mit entsprechendem Aufwertungsdruck für den Schweizer Franken.

Verharren die Zinsen auf tiefem Niveau?
Einige Notenbanken dürften tatsächlich mit den Leitzinserhöhungen zuwarten. Die ­etwas gedämpften Wirtschaftsaussichten mindern das Problem der Teuerung. Die tieferen Rohstoffpreise halten die Inflation ebenfalls in Grenzen.

Können wir deshalb bald auch mit tieferen Heizöl- und Rohstoffpreise rechnen?

Die Ölpreise hatten sich in den vergangenen Tagen erheblich nach unten korrigiert. Wegen der Krise in Arabien stiegen sie aber bereits gestern wieder an. Auf längere Frist ist mit höheren Notierungen zu rechnen.