30 Prozent

14. September 2014 08:35; Akt: 14.09.2014 12:12 Print

Sommaruga will gesetzliche Frauenquote

Weil noch immer wenige Frauen den Weg in die Chefetage finden, will Bundesrätin Simonetta Sommaruga nachhelfen. Sie will eine 30-Prozent-Quote im Gesetz festlegen.

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Bundesrätin Simonetta Sommaruga will eine 30-Prozent-Quote für Frauen in Verwaltungsräten. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

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Der Anteil an Frauen in Verwaltungsräten liegt bei Schweizer Unternehmen tief. Lediglich 11,6 Prozent Frauen finden sich an der Spitze von Schweizer Unternehmen. Obschon mehrere Unternehmen in Vergangenheit gelobten mehr Frauen in die Chefetage zu holen, hat sich seither wenig verändert. Das sorgt beim Bundesamt für Justiz für Frust. Departements-Chef Martin Dumermuth bezeichnet die aktuelle Lage als «ernüchternd» und findet, dass man so nicht vom Fleck komme.

Um der Quote mehr Auftrieb zu verleihen, will man im Departement von Simonetta Sommaruga nun nachhelfen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Mit der anstehenden Revision des Aktienrechts soll eine Frauenquote im Gesetz verankert werden. Mindestens 30 Prozent soll der Frauenanteil in Zukunft bei Börsenkotierten Firmen betragen. Die Klausel steht laut der Zeitung im Vorentwurf zur Revision. Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) legt den Firmen damit den gleich Wert auf, an den sich auch die bundesnahen Betriebe SBB, Post und Swisscom halten müssen. Während diese Unternehmen ihre Quote bereits 2020 erfüllen müssen, sollen die börsenkotierten Player für das Unterfangen mehr als zehn Jahre Zeit haben.

Knigge statt starre Quoten

Auch in der EU kämpft man mit der gleichen Problematik. Durchschnittlich sitzen dort 15,6 Prozent Frauen in der Chefetage. Darum Beschloss die EU eine Frauenquote gesetzlich festzulegen. Kotierte Unternehmen müssen bis 2020 eine Frauenquote von 40 Prozent erfüllen. Das Schweizer Pendant geht daher einen weniger drastischen Weg, dennoch stösst das Unterfangen bei Wirtschaftsvertretern auf wenig Gegenliebe – dort wehrt man sich seit jeher gegen festgeschriebene Quoten. Um der Frauenquote unter die Arme zu greifen, setzt der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse auf freiwillige Massnahmen.

In dem überarbeiteten «Code of Best Practice», eine Art Knigge für Unternehmensführung, ist erstmals die Frauenvertretung explizit thematisiert. «Dem Verwaltungsrat sollen männliche und weibliche Mitglieder angehören», heisst es in der Empfehlung, welche ende Monat vorliegen soll. Ausserdem sollen Firmen, welche vom «Code» abweichen, ihre Gründe dafür öffentlich darlegen. Obschon die Empfehlungen unverbindlich sind und nicht kontrolliert werden, ist Economiesuisse davon überzeugt, dass der «Code»mehr Erfolg verspricht, als eine gesetzliche Regulierung.

Gute und schlechte Beispiele aus dem Norden

Die Argumentation kommt nicht von irgendwo, wie Rechtsprofessor und Schindler-Verwaltungsrat Karl Hofstetter erklärt. Auch Finnland setzte in Hinblick auf die Frauenquote auf ähnlich Empfehlungen und hätte heute eine der höchsten Quoten in Europa. Auf der anderen Seite hätte Norwegen unter der Einführung einer gesetzlich vorgeschriebenen Quote von 40 Prozent gelitten. Unternehmen hätten weniger effizient gewirtschaftet, weil viele unerfahrene Frauen innert kürzester Zeit eingestellt wurden.

Sollte die 30-Prozent-Quote von Sommaruga eingeführt werden, müssten Schweizer Firmen 300 Frauen in ihre Verwaltungsräte berufen. Laut Hofstetter drohe der Schweiz bei diesem Szenario das gleiche Schicksal wie Norwegen.

Indes ist unklar, ob der Vorschlag aus dem Justizdepartement überhaupt vom Bundesrat abgesegnet wird. Das Departement von Wirtschaftsminister Schneider-Ammann hat laut der «NZZ» bereits Bedenken angemeldet.

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 14.09.2014 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aktive Diskriminierung von Männern

    Hier mit wird aktiv die Diskriminierung von Männern gefördert. Bei gleicher Qualifikation wird aufgrund der Quote die Frau bevorzugt....lächerlich, aber von das von dieser Dame mal was Gscheites kommt war ja kaum zu erwarten...

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  • Big B. am 14.09.2014 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Totaler Schwachsinn

    Einstellung aufgrund des Geschlechts, anstatt guter Qualifikationen - staatlich verordnete Männerdiskriminierung! Gute Nacht Schweiz ...

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  • SchweizER am 14.09.2014 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fördern ja, erzwingen nein

    So einfach ist das.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • John wayne am 15.09.2014 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Quote für über 50 jährige

    Ich bin eher für eine Quote, die besagt, das ein Betrieb, ab einer bestimmten Grösse, eine gewisse Anzahl über 50 jährige Frauen und Männer beschäftigen muss.

  • Walter R am 15.09.2014 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Quote, sondern qualifizierte Leute

    Wir brauchen keine Frauenquote für Kader Jobs. Wir brauchen Qualifizierte Leute für Kader Jobs!

    • Martin Rüeger am 15.09.2014 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Quote das ist Unsinn

      Ganz Ihrer Meinung. Qualität vor Gesetz. Die 23,3 Quote im Bundeshaus beweist es. Nicht die Besten gehen ins Bundeshaus, sonder die mit den meisten Stimmen

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  • Barbara am 15.09.2014 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Frau Sommaruga

    Ein Beruf verliert immer an Gewicht, wenn zu viele Frauen drin sind. Dieses Gesetz ist eisern...

  • Frau am 15.09.2014 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Frau total dagegen!

    Selbst als Frau bin ich total gegen solche Quoten. Wenn eine Frau einen Job nur des Geschlechts wegen bekommt kann dies dazu führen, dass wir Frauen allgemein nicht mehr ernst genommen werden und wir uns vorwerfen lassen müssen, wir hätten unsere Stelle nur erhalten, weil wir eine Frau sind. Für mich ist immer noch die Kompetenz das wichtigste, ob Frau oder Mann ist mir egal!

  • Thomi am 15.09.2014 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    bitte nicht

    Wozu eine Frauenquote führt, sieht man am besten im BR. Eine Fehlbesetzung jagt die nächste.