Rihs bleibt im VR

30. März 2011 07:55; Akt: 30.03.2011 10:47 Print

Sonova-Chefs treten nach Skandal ab

Bevor die Sonova-Aktien letzte Woche massiv an Wert verlor, soll es zu illegalem Insiderhandel gekommen sein. Nun rollen Köpfe.

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Nachdem es vor einer Gewinnwarnung des Hörgeräteherstellers Sonova in der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat zu grossen Aktienverkäufen gekommen ist, treten Konzernchef Valentin Chapero und Finanzchef Oliver Walker zurück. Andy Rihs gibt das Präsidium des Verwaltungsrates ebenfalls ab.

Im Vorfeld der Gewinnwarnung von vorletzter Woche hätten es die Verantwortlichen versäumt, innerhalb des Unternehmens rechtzeitig ein Verbot für Börsentransaktionen zu erlassen, teilte Sonova am Mittwoch mit. Ausserdem sei eine mit einer Untersuchung betraute Anwaltskanzlei zum Schluss gekommen, dass die Gewinnwarnung zu spät veröffentlicht worden sei.

Rihs bleibt im Verwaltungsrat

Die Führung des Konzerns übernimmt gemäss Mitteilung nun interimistisch Alexander Zschokke, welcher der Geschäftsleitung seit 2006 angehört und derzeit die gruppenweiten Verkaufsaktivitäten leitet. Vorübergehend Finanzchef der Sonova wird Paul Thompson, der dieses Amt bereits von 2002 bis 2004 ausübte und nun für Firmenübernahmen von Sonova verantwortlich ist.

Firmengründer Andy Rihs gibt zwar das Amt des Verwaltungsratspräsidenten ab, bleibt aber Mitglied des Aufsichtsgremiums des Konzerns. Die interne Untersuchung habe ergeben, dass Rihs beim Verkauf der Aktien noch nichts von der Gewinnwarnung wusste, hiess es im Communiqué. Rihs habe dem Aktienkäufer zudem angeboten, die Wertpapiere zum Verkaufspreis zurückzunehmen.

Anstelle von Rihs zum Präsidenten ernannt hat der Verwaltungsrat Robert Spoerry. Spoerry gehöre dem Verwaltungsrat seit 2003 an und blicke auf eine langjährige Industrieerfahrung zurück, heisst es in der Mitteilung.

Bevor Sonova am 16. März bekannt gegeben hatte, dass der Umsatz und der Gewinn 2011 wesentlich tiefer als erwartet ausfallen werde, wurden von Mitgliedern der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates Aktien und Optionen im Wert von 47 Mio. Fr. verkauft. Die Staatsanwaltschaft hat darauf mit Vorabklärungen wegen möglichen Insiderhandels begonnen.

Sonova-Aktien verlieren an Wert

Der Aktienkurs des Hörgeräteherstellers Sonova ist am Mittwochmorgen nach den Rücktritten an der Firmenspitze erneut eingebrochen. Bei Handelsbeginn notierten die Sonova-Aktien 9,1 Prozent unter dem Kurs des Vorabends.

In den ersten Handelsminuten zog der Aktienkurs wieder leicht an. Um 9.45 Uhr war eine Sonova-Aktie 86,85 Fr. wert, was einem Minus von 6,9 Prozent entsprach. Der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) lag derweil 0,7 Prozent höher als am Montag.

Bereits nachdem Sonova ihre Gewinnwarnung ausgegeben hatte und darauf der Verdacht auf Insiderhandel mit Aktien und Optionen aufgekommen war, war der Börsenwert der Sonova in den Keller gerasselt. Bis am Montagabend hatten die Sonova-Papiere knapp 20 Prozent an Wert eingebüsst.

In ersten Analystenkommentaren werden die Rücktritte unterschiedlich bewertet. Einerseits werden die Demissionen als notwendig angesehen, um die Reputation des Unternehmens wiederherzustellen. Anderseits sorgen sich gewisse Analysten um die weitere Unternehmensentwicklung ohne das bisherige Management.

Eine Analystin der Zürcher Kantonalbank (ZKB) bemängelt, dass mit Chapero, Walker und Rihs ausgerechnet die drei zentralen Schlüsselpersonen gingen. «Gut wäre es, wenn sie zur Unterstützung weiter zur Verfügung stünden», hiess es in ihrem Kommentar. Der radikale Managementwechsel dürfte kurzfristig für das Fortkommen des Unternehmens negativ sein, für das Wiedergewinnen des Investorenvertrauens aber positiv, lautet das Fazit der ZKB-Expertin.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Hochuli am 30.03.2011 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    War nicht anders zu erwarten

    Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, so heisst ein Sprichwort. Es ist traurig was für Charakterschwache Menschen in Chefetagen sitzen. Aber wie sagt man so schön. Entweder man hat Charakter oder man hat keinen.

  • hans-ueli hunziker am 30.03.2011 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    rihs müsste sich selbst entlassen!

    einen vrp, der (angeblich) einige tage vor der gewinnwarnung nicht über die finanziellen verhältnisse informiert ist, gibt es nicht. rihs war - wie die anderen auch - insider und gehört vor den kadi.

  • Patrick am 30.03.2011 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Manager sind Machtmenschen, ohne Geld keine Macht :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Birstaler am 04.04.2011 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen über Fragen

    Wie funktioniert ein solcher Deal handeltechnisch? Wer durte hier für einen überhöhten Preis seine Aktien andienen? Auch Kritikers Anmerkung betreffend der Sperrfrist scheinen mir sehr interessant. Denke die Revisionsstelle, Finma und Börsenaufsicht sind arg gefordert. Wäre es nicht besser eine bessere Regelung das Management müsste seine Aktienkäufe und -Verkäufe voranmelden?

  • Hummer von Bern am 04.04.2011 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wie geht es weiter?

    .... und dann erfährt die Öffentlichkeit sicherlich auch, wie es weitergeht in diesem ( möglichen )Insiderhandel. Verfahren, Strafen usw.oder doch nicht!!

  • Peter Meier, Zürich am 04.04.2011 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal mehr

    Der Firma geht es schlechter als erwartet. Die Manager verkaufen Aktien. Leider kennen Sie das Vorgehen bei aktienrelevanten Firmen nicht. Ist das so schwer ? Kann man diese Informationen nicht nachlesen ? Haben die Herren keine Ausbildung genossen ? Sie sehen liebe Leser, wie dumm wir verkauft wurden !

  • brunschi am 01.04.2011 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die "Vaterfigur" ist kaputt!!

    Mir tut's weh!! Aber nicht nur unbedingt das verlorene Geld, sondern das verlorene Vertrauen in die "Vaterfigur Rihs". Ich bin jetzt innert 10 Jahren mit "PhonaK" 2X auf die "Schnauze gefallen". Ein drittes Mal sicher nicht mehr.

  • Fritz Braun am 31.03.2011 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ingenieur FH

    Einmal mehr - man darf nie einem Unternehmer glauben, denn alle scheffeln Geld in den eigenen Sack wie Andy Ryh und ruinieren den eigenen Betrieb!