Aktie stürzt ab

17. April 2013 21:15; Akt: 17.04.2013 21:58 Print

Sonova drohen weitere Millionenklagen

von J. Büchel - Der Schweizer Hörgerätehersteller Sonova muss einem US-Patienten über sieben Millionen Dollar Schadensersatz bezahlen. Doch damit nicht genug: dutzende Klagen sind noch hängig.

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Ein Hörgeraeteimplantat HiRes 90K der Sonava. (Bild: Keystone)

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Bittere Kunde für den Stäfener Hörgerätehersteller Sonova: Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Kentucky verknurrt die Sonova zu einer Zahlung von 7,25 Millionen Dollar Schadensersatz. Dies weil 2006 einem Patienten ein Hörgeräteimplantat der Sonvoa-Tochter Advanced Bionics implementiert wurde, in welchem Feuchtigkeit Fehlfunktionen verursachen konnte. Die Geschworenen erachteten dafür einen millionenhohen Schadensersatz für angemessen.

Doch es könnte noch dicker kommen. Zwar wurden nach einer Rückrufaktion alle beschädigten Geräte ausgebaut und ersetzt, dennoch sind laut Sonova-Sprecher Michael Isaac noch dutzende Klagen an US-Gerichten hängig. Dies könnte weitere Schadensersatzforderungen zur Folge haben.

Die Stafe von 7.25 Millionen Dollar fällt laut Analysten hoch aus. Zum Vergelich: Bei der ehemaligen Sulzer Medica (heute Zimmer) wurden damals für die beschädigten Hüftgelenke nur 270'000 Dollar pro Patient bezahlt - 26 Mal weniger als beim Hörgerätimplantat mit dem Feuchtigkeitsschaden.

Damoklesschwert Sammelklagen

«7.25 Millionen Dollar für nur eine Person sind auch für US-Verhältnisse eine stolze Summe», so Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer von der Advokatur Fischer & Partner. Man müsse aber bedenken, dass die Summen in der zweiten Instanz meist deutlich gesenkt würden. Dennoch ist die Sonova nicht aus dem Schneider. «Es droht die Gefahr einer Sammelklage und damit ein vielfaches der jetztigen Summe», so Fischer.


Sonova bereut Kauf nicht

Für die Sonova Holding, die eher unter ihrem alten Namen Phonak bekannt ist, könnte der Zukauf von Advanced Bionics gut drei Jahren aus heutiger Sicht zum Rohrkrepierer werden. Noch 2009 sagte der damalige CEO Valentin Chapero in den Medien, die Übernahme von der US-Firma Advanced Bionics stelle eine Quelle für ein Nachhaltiges Wachstum dar und stärke die Position der Sonova. Für die Übernahme wurde damals eine halbe Milliarde Franken bezahlt. Und jetzt dürften noch Millionen an Altlasten in Form von Prozess- und Schadensersatzkosten hinzukommen.

Trotzdem: «Sonova bereut den Kauf von Advanced Bionics in keinster Weise», so Konzernsprecher Michael Isaac. Finanziell wird die Millionen-Strafe und die mögliche weitere Kosten Konsequenzen haben. Sonova will ihre Rückstellungen für Ansprüche dieser Art überprüfen. Dies könne laut Sonova das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2012/13 beeinträchtigen.

Details werden im Mai bei der Präsentation des Ergebnisses des Geschäftsjahres bekannt gegeben. Möglicherweise auch genauere Zahlen zur Anzahl Geschädigter. Konkretes wollte Sonova am Mittwoch nicht bekannt geben.

Börsenkurs stürzt ab

An der Börse wurde Sonova für das Urteil abgestraft. Die Aktie schloss mit einem Minus von fast sechs Prozent. Gegenüber 20 Minuten sprach eine Analystin von einer gar harten Abstrafung durch die Händler. Ginge man von Schadensersatzzahlungen in der hypotetischen Höhe von 100 Millionen Dollar aus, wären das rund 1,4 Prozent der Bilanzsumme von Sonova. Die Aktie ist aber weit tiefer gestürzt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Calvin W. am 17.04.2013 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu das führt

    Solche krassen Urteile könnten konsequenterweise dazu führen, dass gewisse Produkte gar nicht mehr auf dem amerikanischen Markt angeboten werden.

  • Markus am 17.04.2013 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Amerika live

    Wer mit Amerika Geschäfte macht muss eine gute Versicherung haben. Das Land der verblödeten Klagen wo man Millionen wegen eines kalten Hamburgers bekommt ist ja dafür bekannt.

    einklappen einklappen
  • Ein Mitarbeiter Der Phonak Stäfa am 17.04.2013 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrgeld kostet halt...

    Tja sie wollen ja nicht auf interne Mitarbeiter hören, die mi genau solchen Fragen abgespiesen werden dass sowas eben nie passieren könne.. Wie sagt man so schön: Lehrgeld!

Die neusten Leser-Kommentare

  • JP Eugene am 17.04.2013 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    mehr infos bitte

    Wie schlimm waren die Fehlfunktionen, und was für Auswirkungen haben diese auf die Zukunft des Klägers? das wäre interessant.!

    • Rolf G. am 18.04.2013 09:44 Report Diesen Beitrag melden

      Die Werbung übertreibt masslos

      Ein Hörinplantat ist nur sinnvoll für Menschen, die nie gehört haben, weil sie akustisch nicht vergleichen können. Für Ertaubte ist es ein Krücke, die nicht annähernd die reale Akustik wieder herstellen kann. Und wenns dann auch noch fehlerhaft ist, wünscht man sich lieber die Taubheit zurück. Sagt ein selber Ertaubter, der weiss, wovon er spricht.

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  • Markus am 17.04.2013 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Amerika live

    Wer mit Amerika Geschäfte macht muss eine gute Versicherung haben. Das Land der verblödeten Klagen wo man Millionen wegen eines kalten Hamburgers bekommt ist ja dafür bekannt.

    • Hans am 18.04.2013 06:14 Report Diesen Beitrag melden

      ...YES - we can!

      Amerikas Gerichte sind bekannt, dass sie in erster Instanz derart weltfremde Forderungen zulassen. Das liegt daran, dass die Anwälte aufgrund dessen bezahlt werden. In der nächsten Instanz fallen dann die Zahlen rapide. Meines Wissens hat noch nie eine Einzelperson von einer Zigarettenfirma eine dieser horrenden Summen, welche in den Medien reisserisch erwähnt wurden, auch tatsächlich bezahlt. Unsere Firma hat alle UL files gekündigt, und liefert seit längerer Zeit nicht mehr in die USA. Damit haben diese ein für sie wichtiges Ziel erreicht: Welthandel ja, aber nur in einer Richtung bitte!

    • A. W. am 19.04.2013 21:28 Report Diesen Beitrag melden

      betreffend Handel

      Ich wüsste nicht was die USAner herstellen, das wir dann hier kaufen sollten, das anderswo nicht besser produziert wird.

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  • Calvin W. am 17.04.2013 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu das führt

    Solche krassen Urteile könnten konsequenterweise dazu führen, dass gewisse Produkte gar nicht mehr auf dem amerikanischen Markt angeboten werden.

  • Ein Mitarbeiter Der Phonak Stäfa am 17.04.2013 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehrgeld kostet halt...

    Tja sie wollen ja nicht auf interne Mitarbeiter hören, die mi genau solchen Fragen abgespiesen werden dass sowas eben nie passieren könne.. Wie sagt man so schön: Lehrgeld!

  • Sammel Klage am 17.04.2013 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Attention, content may be hot :-)

    Soll man angesichts solch massloser US-amerikanischer Unrechtssprechung in den USA überhaupt noch geschäften?!