Erfolgreiche Hedgefonds

02. März 2011 13:13; Akt: 03.03.2011 08:57 Print

Spekulanten verdienen mehr als Grossbanken

Die Macht der Heuschrecken ist gigantisch. Die grössten zehn Hedgefonds haben im zweiten Halbjahr 2010 gut 28 Milliarden Dollar verdient und damit die Wall-Street-Banken überflügelt.

storybild

Meister im Geld verdienen: Der Hedgefonds-Manager George Soros. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf dem Papier sind die Kräfteverhältnisse eindeutig: Die grössten Hedgefonds beschäftigen zusammen nur einige hundert Angestellte, die sechs US-Grossbanken hingegen über eine Million. Allein Citigroup beschäftigt 270 000 Leute, der Hedgefonds Paulson & Co 120.

Bei den Erträgen haben die Hedgefonds aber die Nase vorn. Laut einer Studie der Beratungsfirma LCH Investments haben die zehn wichtigsten Hedgefonds im zweiten Halbjahr 2010 zusammen 28 Milliarden Dollar verdient. Auf die Wall-Street-Banken Citigroup, Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley, Barclays und HSBC entfielen in derselben Periode lediglich 26 Milliarden Dollar.

Erfolgreicher Soros

Spitzenverdiener unter den Hedgefonds war in der zweiten Jahreshälfte die Investmentgesellschaft Paulson & Co., die 5,9 Milliarden Dollar verdiente. Dick im Geschäft ist auch Investorenlegende George Soros. Sein Quantum Funds strich im zweiten Halbjahr 2010 drei Milliarden Dollar ein.

Blickt man aber auf die Gewinne der Fonds seit ihrer Gründung zurück, hat George Soros die Nase vorn. Seit der Gründung im Jahr 1973 erwirtschaftete sein Quantum Funds 35 Milliarden Dollar. Laut den in der «Financial Times» veröffentlichten Zahlen der Beratungsfirma LMH verdienten die untersuchten zehn Hedgefonds seit ihren Gründungen zusammen total 182 Milliarden Dollar.

Gewinne bei steigenden und sinkenden Märkten

Hedgefonds waren in der Finanzkrise in Verruf geraten. Der Vorwurf: Sie hätten mit Leerverkäufen die Krise noch verstärkt oder durch Spekulation erst hervorgerufen. Politiker bezeichneten Hedgefonds als Heuschrecken und Blutsauger. «To hedge» bedeutet übersetzt «absichern», was beim Vater des Hedgefond-Konzepts, Alfred Winslow Jones, in den Vierzigerjahren tatsächlich noch der Fall war. Der Investor entwickelte eine Strategie, die sowohl bei fallenden als auch steigenden Märkten Gewinne ermöglichte. Das Zauberwort hiess Leerverkäufe. Man verkauft Wertpapiere, die man noch gar nicht besitzt und erst in Zukunft kauft, wenn deren Marktpreis gefallen ist.

Heute zeichnen sich Hedefonds dadurch aus, dass sie im Gegensatz zu traditionellen Fonds auch in hochriskante Anlagen investieren dürfen, sprich Währungen, Rohstoffe und Termingeschäfte. Um eine möglichst grosse Wirkung zu erzielen, leihen sich die Hedgefonds eine Menge Geld, wodurch eine Hebelwirkung entsteht. Das kann aber auch schiefgehen: 1998 ging der Hedgefonds Long-Term Capital beinahe Pleite, weil er sich mit grossen Mengen geborgtem Geld verspekuliert hatte. Um den Kollaps der Aktienmärkte zu verhindern, sprang in letzter Sekunde die US-Notenbank ein. Kurze Zeit später wurde der Long-Term Capital geschlossen.

(sas)