Arbeitslosenkassen

26. Dezember 2013 15:05; Akt: 26.12.2013 15:20 Print

Spitzenverdiener müssen 2014 mehr zahlen

Ab dem neuen Jahr müssen die Schweizer Topverdiener mehr in die Arbeitslosenkasse einzahlen als bisher. Die Obergrenze von 315'000 Franken als Berechnungsgrundlage fällt weg.

storybild

Topverdiener müssen ab Januar mehr in die Arbeitslosenkasse einzahlen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Spitzenverdiener müssen 2014 mehr in die Arbeitslosenkassen (ALV) einzahlen als bisher. Für die Berechnung ihres Beitrags zur ALV zählt neu der ganze Lohn. Die Obergrenze von 315'000 Franken für den Solidaritätszuschlag fällt weg. Die Zusatzgelder sollen helfen, die hoch verschuldete ALV rascher zu sanieren.

Der Schuldenstand des ALV-Fonds lag Ende November bei 4,4 Milliarden Franken. Der Bund erhofft sich von der Abschaffung der Obergrenze für den Solidaritätszuschlag Mehreinnahmen von 100 Millionen Franken jährlich.

Die Spitzenverdiener werden solange zur Kasse gebeten, bis die Arbeitslosenkasse ihre Schulden getilgt und beim Betriebskapital ein Polster von 500 Millionen Franken aufgebaut hat.

Solidaritätszuschlag seit zwei Jahren

Der Zuschlag fällt bereits seit 2011 auf einem Lohn ab 126'000 Franken an und beträgt 1 Prozent. Doch bislang wurde der Lohn nur bis zu einer Obergrenze bis 315'000 Franken belastet. Was darüber lag, wurde bei der Berechnung nicht berücksichtigt.

Mit den neuen Berechnungsregeln wird künftig jemand, der 400'000 Franken im Jahr verdient, insgesamt 5512 Franken in die ALV einzahlen, die Hälfte davon wird ihm vom Lohn abgezogen, die andere Hälfte zahlt der Arbeitgeber.

Diese Summe wird wie folgt berechnet: Bis zu einem Lohnanteil von 126'000 Franken liegt der Beitrag zur ALV bei 2772 Franken oder 2,2 Prozent. Dieser Prozentsatz ist gleich hoch wie bei einem Normalverdiener.

Ab 126'000 Franken fällt ein zusätzliches Prozent vom Lohn für die ALV-Kasse an - je zur Hälfte bezahlt vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber. Damit kommt bei einem Lohn von 400'000 Franken nochmals ein Beitrag in Höhe von 2740 Franken dazu, statt wie bislang 1890 Franken.

Wer eine Million Franken verdient, steuert neu zusätzliche ALV-Beiträge in Höhe von 8740 Franken als Solidaritätszuschlag bei. Bei zwei Millionen Franken ist es mit 18'740 Franken fast das Zehnfache des bisherigen Solidaritätszuschlags.

Nur bis 126'000 Franken versichert

Bei der Arbeitslosenkasse gilt der Grundsatz, wer mehr einzahlt, erhält eine höhere Entschädigung, nur beschränkt. Denn die Löhne sind nur bis zu einem Betrag von 126'000 Franken versichert. Wird also ein Lohnmillionär arbeitslos, erhält er nicht mehr Arbeitslosengeld als jemand, der 126'000 Franken verdient hat.

«Ein arbeitsloser Ernesto Bertarelli würde also 80 Prozent von 126'000 Franken Arbeitslosengeld erhalten», sagte Annette Schütz, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Arbeitslose mit Kindern, IV-Bezüger und Arme erhalten 80 Prozent des letzten Lohns, die anderen 70 Prozent.

Bewährtes Instrument

Dass der Arbeitslosenfonds in finanzielle Schieflage gerät, ist kein neues Phänomen. Der Bund habe deswegen bereits mehrfach zum Mittel des Solidaritätszuschlags gegriffen, um bei der ALV Schulden abzubauen, wie Schütz weiter erklärte.

Erstmals geschah dies 1996, als der Arbeitslosenfonds einen Schuldenberg von 6,2 Milliarden Franken angehäuft hatte. Letztmals wurde 2003 der Schuldenberg mit Hilfe eines Solidaritätszuschlags abgetragen. Acht Jahre später, 2011, klaffte im ALV-Fonds erneut ein 6-Milliarden-Franken-Loch.

Da dieses trotz des bereits erhobenen Zuschlags bei Besserverdienern nach zwei Jahren noch nicht genügend abgebaut wurde, beschloss das Parlament im vergangenen Sommer, die bisherige Obergrenze fallen zu lassen. Weil niemand dagegen das Referendum ergriffen hat, tritt das neue Regime nun in Kraft.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 26.12.2013 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer bezieht?

    Ehrliche Arbeitslose werden von der Versicherung schickaniert wo es geht (ein lebenlang gearbeitet, falsch Papiere ect.) Kenne Arbeiter die sich alle Mühe geben mit Arbeit zu finden, Zwischenverdienste ergattern, aber keine Festanstellung finden (zu Alt) - und die Versicherung macht noch grosszügig Abzüge...

  • PhilK am 26.12.2013 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Rat:

    Einfach noch mehr Ausländer einwandern lassen, die nach kurzer Arbeitszeit schon die Arbeitlosenkasse leerräumen, dann einfach die ehrlichen Arbeitenden zugunsten der ALV abzocken. Mir ist es schon lange vergangen zu arbeiten, denn wer arbeitet wird bestraft, wer viel arbeitet wird viel bestraft und wer nicht arbeitet wird belohnt. Mein Vorschlag: Wer keinen Job hat, kriegt erst ALV wenn er mindestens 2 Jahre gearbeitet hat, wer mehr als ein halbes Jahr arbeitslos ist muss ausreisen!

    einklappen einklappen
  • Monica G. am 26.12.2013 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Diese krasse Lohnschere ist schlicht dekadent. KEINE Arbeit ist Millionen wert, während ein Arbeiter einen Bruchteil für seine Schufterei erhält. Verantwortung soll entschädigt werden, aber bitte im Rahmen. Also total in Ordnung, dass die Spitzenverdiener für die Arbeitslosen aufkommen. Das ist nicht ungerecht, sondern sozial. Ungerecht sind nur die extremen Lohndifferenzen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Echo vom Pflanzblätz am 27.12.2013 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch endlich

    mal was 'Vernünftiges'. Bravo

  • Hans am 27.12.2013 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Augenwischerei, mehr nicht.

    Super Entscheid, so können wir getrost in die Zukunft der nächsten 49 Jahre gehen. GLaube kaum das jemandem mit mehr als 315.ooo CHF Jahreseinkommen wird wehtun. Eine Wurzelbehandlung ist angesagt, aber Therapien sind ja bekanntlich billiger, dies jedenfalls will man dem Volk weismachen.

  • hochverdiener am 27.12.2013 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    hochverdient ist anders

    wenn man nicht mehr erhält, wieso soll man dann mehr zahlen????

  • Kritischer Beobachter am 27.12.2013 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    RAV abschaffen

    Zeigt mir Gschäfte die gerne eigene Kunden verlieren/abschaffen oder ungern etwas mehr an Kunden verkaufen? Somit wird RAV selten daran interessiert sein weniger Arbeitslose zu haben und die nach Möglichkeit lange bei sich zu behalten. Deshalb sollten RAV wie Billag usw. abgeschafft werden.

  • maurice.ravell am 27.12.2013 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    1% mehr bezahlen. bei solch lohn jukt es nicht 1% weniger. und wer es nicht fertig bringt bei 126000 pa zu leben verdient keinen mitleid. und da keiner das reverrendum in anspruch genommen hat. tuts keinen weh. oder