30 Jahre operative Führung

20. September 2017 08:26; Akt: 20.09.2017 16:33 Print

Spuhler tritt als Chef von Stadler Rail zurück

Zum Jahresende gibt Peter Spuhler die operative Führung der Stadler-Rail-Gruppe ab. Seine Nachfolge steht bereits fest.

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Der Kapitän tritt im Unternehmen kürzer: Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler am Unternehmenssitz in Bussnang TG. (7. Juni 2017) Er rückt als Chef der Stadler-Rail-Gruppe nach: Der bisherige Stellvertreter Thomas Ahlburg. (Bild: Stadler Rail) Die Nachfolge von Ahlburg als Leiter des Werks in Bussnang übernimmt Georg Kapeller (v.l.): Kappeler, Spuhler und Ahlberg. (Bild: Stadler Rail) Spuhler hatte sich voll auf sein wachsendes Industrieunternehmen, das Schienenfahrzeuge herstellt, konzentriert. Ab 2018 wird er ihm noch als Verwaltungsratspräsident vorstehen: Spuhler vor dem neuen Hochgeschwindigkeitszug «Giruno». (18. Mai 2017) Der SVP-Nationalrat wurde vor seinem Rückzug aus dem Parlament als Bundesratskandidat gehandelt. (27. Oktober 2015) Von 1999 bis 2012 war Spuhler für die SVP Thurgau Mitglied im Nationalrat. Spuhlers Wirkungsstätte: Blick in eine Montagehalle bei Stadler Rail in Bussnang. (27. Oktober 2015) Mit seiner Firma hat er sich auf die Herstellung von Schienenfahrzeugen spezialisiert: Peter Spuhler bei der Übergabe einer neuen Rangierlokomotive an die SBB Cargo. (9. März 2012) In den Jahren 2008 und 2011 zeichnete ihn die «Handelszeitung» als Unternehmer des Jahres aus: Spuhler bei einem Spatenstich mit dem ehemaligen Winterthurer Stadtpräsidenten Ernst Wohlwend. Spuhler mit seiner Parteikollegin Rita Fuhrer auf einer Velotour. Gegen das gewerkschaftliche Arbeitszeitdiktat: Nationalrätin und Co-Präsidentin des überparteilichen Komitees «Nein zur 36-Stunden Woche» Christine Wirz-von Plata und Co-Präsident Peter Spuhler. (14. Januar 2002) Entrepreneur of the Year 1999: Peter Spuhler (m.) zusammen mit Peter Ohnemus, Chef des Zuger Softwareunternehmens The Fantastic Corporation und Marcel Queloz-Fürrer, Gescharftsführer der Buero-Fuerrer bei der Preisverleihung. (21. September 1999)

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Peter Spuhler überträgt die operative Leitung beim Schienenfahrzeughersteller Stadler an Thomas Ahlburg. Als Verwaltungsratspräsident konzentriert sich der 58-Jährige Ex-SVP-Nationalrat künftig auf Strategie und Kundenpflege.

Mit der Stabsübergabe per 1. Januar 2018 zieht sich Spuhler nach 30 Jahren aus der operativen Verantwortung zurück. Die Anpassung der Führungsstruktur sei von langer Hand vorbereitet, sagte Spuhler am Mittwochmittag an einem spontanen Medienanlass am Hauptsitz in Bussnang TG: «Die Wachablösung zu organisieren, war für mich einer der schwierigsten Momente», sagte der 58-jährige Unternehmer.

Dank der Übergabe der Tagesgeschäfte an seinen Stellvertreter Thomas Ahlburg könne er sich auf die Kundenpflege und die Unternehmensstrategie konzentrieren, zum Beispiel bei Übernahmeprojekten und Joint Ventures. Eine weitere Aufgabe sieht Spuhler in der strategische Produktentwicklung.

Noch keine Rückkehr in die Politik

Dass seine Rücktrittsankündigung zeitgleich mit der Bundesratswahl erfolgte, sei reiner Zufall, sagte Spuhler. «Ich schliesse eine Rückkehr in die Politik nicht völlig aus. Bundesrat werde ich aber ganz sicher nie.» Auch eine Rückkehr in den Nationalrat schliesst er aus. Einzig eine Ständeratskandidatur käme für Spuhler in Frage. Da aber die SVP Thurgau durch Roland Eberle bestens vertreten werde, sei dies zur Zeit kein Thema.

Der SVP-Politiker war 2012 als Nationalrat zurückgetreten, weil er sich wegen dem damals schwierigen wirtschaftlichen Umfeld um seine Firma kümmern wollte. Zwar habe ihn dieser Schritt geschmerzt, aber er habe sich gelohnt: «Wir sind gestärkt aus der Krise herausgekommen».

Wie das Familien-Unternehmen in 20 Jahren aussehen werde, wisse er nicht, sagte Spuhler gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Wenn er so fit bleibe, wie er sich momentan fühle, werde er sicher bis zum 70. Geburtstag Verwaltungsratspräsident bleiben.

Ob einmal eines seiner drei Kinder die Unternehmensleitung übernehmen werde, sei momentan noch völlig offen. Der 25-jährige Sohn studiert Betriebswirtschaft und arbeitet zur Zeit bei Stadler USA. «Eine familieninterne Nachfolge wäre natürlich schön. Bis dahin dauert es aber noch mindestens 15 Jahre», sagte Spuhler.

Vorläufig kein Börsengang

Ein Börsengang sei vorläufig nicht nötig, da das Wachstum und die Übernahmen aus eigenen Mitteln finanziert werden könnten, sagte Spuhler weiter. Er besitzt 80 Prozent der Aktien, 10 Prozent gehören rund 160 Kadermitarbeitern und weitere 10 Prozent sind im Besitz einer Stiftung.

Spuhler hatte die Thurgauer Firma vor 30 Jahren für ungefähr 4,5 Millionen Franken gekauft. Damals zählte das Unternehmen 18 Mitarbeiter – heute sind es rund 7000. Dieses Jahr feiert das Unternehmen sein 75-jähriges Bestehen.

Übernahmen und Auslandsexpansion

Spuhler orchestrierte ab Mitte der 1990er Jahre mehrere Übernahmen, wovon eine es dem Ostschweizer Fahrzeugbauer ermöglichte, in die Produktion von Strassenbahnen und U-Bahnen einzusteigen. Die Mitarbeiterzahl stieg bis im Jahr 2002 auf 700 Personen und der Umsatz auf 300 Millionen Franken.

2004 startete das Unternehmen dank den neuen Regionalzügen FLIRT auf der Schnellspur durch: Der Umsatz stieg auf 556 Millionen Franken und die Zahl der Mitarbeitenden auf 1100. Zudem expandierte das Unternehmen ins Ausland. 2007 knackte Stadler Rail beim Umsatz erstmals die Milliardengrenze.

Ein Jahr später kam der doppelstöckige Intercity-Zug KISS zur Produktepalette dazu. Einen Rückschlag erlitt das Unternehmen 2010, als die SBB einen Grossauftrag nicht an Stadler Rail, sondern an den kanadischen Zughersteller Bombardier vergab. Mit den Hochgeschwindigkeitszügen Giruno, von welchen im Mai das erste Exemplar aus einem Stadler-Werk rollte, ist die Firma in ein neues Kapitel in ihrer Firmengeschichte eingestiegen. Davon erhofft sich das Unternehmen, das im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 1,76 Milliarden Franken erwirtschaftete, einen weiteren Wachstumsschub.

Schweres Erbe für Ahlburg

Nun obliegt es Thomas Ahlburg, die operativen Geschicke von Stadler weiterzuführen. Ahlburg führt seit 2012 das grösste Werk der Stadler-Gruppe in Bussnang und ist stellvertretender Gruppenchef. Der 47-jährige ETH-Ingenieur hatte vor seinem Wechsel zu Stadler die Leitung des Bombardier-Werks im deutschen Görlitz inne. «Mit Thomas Ahlburg übernimmt ein Wegbegleiter meine Nachfolge, der mich in den letzten Jahren aus unternehmerischer, führungstechnischer, fachkundiger und vor allem auch aus menschlicher Sicht restlos überzeugt hat», sagte Spuhler.

Die Nachfolge von Ahlburg als Leiter des Werks in Bussnang übernimmt Georg Kapeller. Der 42-Jährige ist seit 2012 Produktionsleiter in Bussnang und war zuvor über zehn Jahre in verschiedenen Führungsfunktionen im Engineering bei der Firma GDELS-Mowag in Kreuzlingen tätig.

(sep/fal/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Do Me am 20.09.2017 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Go for it

    Dann hätte er Zeit für den Job als Bundesrat =)

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  • Mani Motz am 20.09.2017 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einer der Wenigen

    Schade, er war ein authentischer und glaubhafter Chef.

  • Gottardo2016 am 20.09.2017 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein!

    Obwohl er von der SVP ist, weiss er das Züge gut sind. Einer der Bestens Chefs in der Branche Zugbau. Danke Herr Spuhler für die guten und Qualitativ hochwertigen Züge.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 20.09.2017 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ev übernimmt er auch

    wäre auch noch eine Option, und noch lukrativer als Politiker und noch besser bezahlt.

  • Amanda_X am 20.09.2017 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adé Herr Spuhler

    Genug Geld eingesackt hast du ja Spuhler. Eine sichere Austrittsrente hast du bestimmt auch bekommen. Kein Ding. Ist ja e Geld was auch der Staat mitfinanziert. Es ist immer gut wenn man den Staat aussaugen kann. Aber hey! Du hast einen guten Job gemacht. Das muss trotzdem gesagt werden. Adé ;- P

    • Jolanda am 20.09.2017 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Amanda_X

      Auch, wenn sie Spuhler als Geldsack anschauen, hat er in meinen Augen etwas mehr Respekt verdient als sie ihm zukommen lassen. Er hat doch einige Arbeitsplätze geschaffen und vielen Familien einen gefüllten Futternapf.

    • Nino2425 am 20.09.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Amanda_X

      Zuerst schlecht stellen, dann loben? hast du auch eine Ehrliche Meinung?

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  • jch am 20.09.2017 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ab in den BR!

    Schade, einer der besten CEOS in der Schweiz und Chef einer Top Schienenfahrzeugbau Firma Weltweit! Jetzt hätte Herr Spuhler zeit zum "BR" er könnte Ueli Maurer beerben!

    • Tickerschweiz am 20.09.2017 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jch

      Super! C ersetzen durch SVP, schon ist Spuhler in der richtigen Partei, Doris geht ja zum Glück bald

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  • Rolf Hess am 20.09.2017 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Das Schiff ist in der richtige Richtung

    Hoffe Herr Ahlburg will nicht alles verändern wie es die meisten neuen Kapitäne versuchen, z.B. Herr Mayer bei der SBB

  • Reini am 20.09.2017 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R.Hess

    Ganz einfach ohne fleiss kein Preiss! Und bei Herr Spuhler wars so mit fleiss.

    • R. Hess am 20.09.2017 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      4.5 Mio

      Selbst als chefarzt schafft man dies nicht bis 30. Studium alleine dauert ja fast bis 30! Entweder geerbt oder Geldgeber. Anders ist dies gar nicht möglich. Da kann man noch so fleissig sein.

    • Tickerschweiz am 20.09.2017 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R. Hess

      Ganz klar Daumen gegen unten zu einer solchen Aussage.

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