BBC-Bericht

19. September 2019 17:28; Akt: 19.09.2019 17:28 Print

Stammen die Nüsse für Nutella aus Kinderarbeit?

Haselnüsse in Schoggi und Brotaufstrichen wie Nutella kommen meist aus der Türkei. Die Haselnüsse werden auch von Kindern gepflückt.

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Miese Löhne, prekäre Unterkünfte, 10-Stunden-Tage: NGOs liefern immer wieder alarmierende Berichte über die Arbeitsbedingungen von Haselnusspflückern in der Türkei.

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Einer der Hauptkritikpunkte ist die weitverbreitete Kinderarbeit an der türkischen «Haselnussküste». So wird die Region im Nordosten der Türkei von Einheimischen genannt, wo etwa 70 Prozent aller Haselnüsse weltweit produziert werden. Die Nüsse landen beispielsweise in Schweizer Schokolade oder Brotaufstrichen wie Nutella.

Mustafa (12) und Mohammed (10)

Ein Reporter der britischen BBC hat die steilen Berghänge am Schwarzen Meer östlich der türkischen Grossstadt Samsun besucht. Und obwohl sich Politik und Konzerne – also diejenigen, die die Haselnüsse letztlich kaufen – immer wieder gegen Kinderarbeit aussprechen, traf der Reporter auf viele Wanderarbeiter, die zusammen mit ihren Kindern Haselnüsse ernteten.

So traf er auch auf Mustafa und Mohammed. Sie waren 12 und 10 Jahre alt, weit unter dem Mindestarbeitsalter in der Türkei.

Auf das Problem angesprochen, sagte Kazim Yaman, Mitbesitzer der Haselnussplantage: Die Eltern sind das Problem. Er selbst sei gegen Kinderarbeit, so Yaman, aber: «Die Mütter und Väter bestehen darauf, dass die Kinder mitarbeiten.» Letztlich gehe es ums Geld.

Komplexe Lieferkette

Kleinbauern wie Yaman wissen oft nicht, wohin ihre Haselnüsse letztlich exportiert werden. Die Farmer liefern an unabhängige Kleinhändler, die ihre Ware wiederum an Fabriken weiterverkaufen, die die Nüsse schälen. Manchmal landen die Nüsse des Kleinhändlers aber auch bei anderen, grösseren Zwischenhändlern, ein anderes Mal wieder direkt beim Endkunden. Die Lieferkette ist komplex und undurchsichtig.

Nutella-Hersteller Ferrero kauft etwa ein Drittel der gesamten türkischen Haselnussernte auf, schreibt die BBC. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Herkunft der Nüsse zu 100 Prozent zurückzuverfolgen zu können. Im Moment schaffe dies Ferrero aber nur zu 39 Prozent.

Enginay Akcay, ein kleiner unabhängiger Haselnusshändler, sagt: «Ferrero fragt mich nicht, von welchen Plantagen die Nüsse kommen oder was die Arbeitsbedingungen dort sind.»

Osman Cakmak, ein grösserer Zwischenhändler und eine Stufe höher in der Lieferkette, sagt: «Für Ferrero ist es unmöglich, zu wissen, woher die Ware kommt – das ist nur auf eigenen Plantagen machbar.»

«Ist das System komplett sauber?»

Ferrero betreibt seit 2012 in der Türkei Farm-Projekte, in denen Kleinbauern geschult werden (siehe Box). Unter anderem geht es dabei darum, wie die Arbeitsbedingungen verbessert werden können – und Kinderarbeit verhindert wird.

Der Chef des Ferrero-Ablegers in der Türkei, Bamsi Akin, sagte in einem seiner seltenen Interviews: «Ein Produkt, das unter unethischen Bedingungen hergestellt wurde, rühren wir nicht an.» Er sagte aber auch: «Aber ist das System komplett sauber? Ich glaube, das kann im Moment niemand sagen.»

Viele kurdische Flüchtlinge

Gemäss Schätzungen von NGOs beläuft sich der Anteil von Kinderarbeitern in der türkischen Haselnussproduktion zwischen 8 und 10 Prozent. Unter den Pflückern befinden sich viele kurdische Flüchtlingsfamilien mit ihren Kindern.

Nutella wird oft auch wegen seines Palmölgehalts kritisiert. Palmöl wird teils unter menschenrechtsverletztenden Bedingungen hergestellt, wie Recherchen der Schweizer Organisation Solidar Suisse zeigen. Kinderarbeit ist beispielsweise auf Palmölplantagen auf der malaysischen Seite der Insel Borneo verbreitet.

(vb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simi am 19.09.2019 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Heikel, aber

    Kinder helfen auch bei uns in der Schweiz mit. Ob das nun Putzen, Kochen, Waschen oder Garten-, Feldarbeit und Ernte sind. Vor nicht all zu langer Zeit war das sogar eine Selbstverständlichkeit. Bei armen Familien in armen Ländern ist die Mithilfe der Kinder nach wie vor überlebenswichtig. Es ist viel entscheidender, die Arbeitgeber zu überwachen, so dass sie nicht explizit Kinder anstellen, um weniger bezahlen zu müssen.

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  • Hin Du am 19.09.2019 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bauernkinder?

    Und was ist mit den Kindern die nach wie vor auf Bauernhöfen in der Schweiz auf dem Hof mithelfen müssen? Das ist natürlich etwas anderes, da sieht man grosszügig über Kinderarbeit hinweg, da kontrolliert keiner. Und Haselnüsse sammeln ist jetzt nicht gerade eine gefährliche Schwerarbeit. Ich hätte mich gefreut als Kind einen solchen Ferienjob zu bekommen.

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  • Pedro am 19.09.2019 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ferienjob

    Also wenn das ein Problem ist, dann ist jeder Ferienjob eines Minderjährigen in der Schweiz eine Tragödie gegen die die Regierung vorgehen und alle Betroffenen wie Verdingkinder entschädigen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • El perro am 22.09.2019 01:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinderarbeit

    Und was ist mit den Kindern in der Schweiz, die im Filmen, Werbungen, Theater mitspielen oder auf dem Bauernhof, Restaurants oder in sonstigen Familienunternehmen mitarbeiten? Es ist einfach, andere Länder oder Firmen, die dort einkaufen, zu verurteilen und die Augen hier zu verschliessen. Diese Familien in den armen Ländern haben oft keine andere Wahl, um über die Runden zu kommen.

  • Rita am 21.09.2019 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    Besser die arbeiten

    Als an Klima-Demos herumzuhängen.

  • Viola am 20.09.2019 23:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder ernten Haselnüsse

    Davon bekommt man keinen Buckel. Besser als hier als abzuhängen

  • Tom am 20.09.2019 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder für Kinder

    Dazwischen kassieren die Erwachsenen ab.

  • SSch am 20.09.2019 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..........

    Für unsere Handys werden im Kongo Kinder entführt .Diese arbeiten unter Tage,in ganz engen Stollen.Viele überleben es nicht. Kinderarbeit,Kindersoldaten, Kinder im Sexgewerbe.Für viele Kinder ist das Leben die Hölle.