Konjunktur

04. Februar 2011 15:30; Akt: 04.02.2011 16:10 Print

Starker Franken als Klotz am Bein

Die Schweizer Wirtschaft ist robust: Die Firmen sind gemäss einer Umfrage zufrieden mit ihrer Geschäftslage. Die dynamische Weltwirtschaft macht die Last des starken Frankens erträglicher. Das Wachstum dürfte sich aber künftig etwas abschwächen.

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Das Gastgewerbe ist am stärksten betroffen vom starken Franken. (Bild: Keystone)

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Im vierten Quartal haben die Unternehmen ihre Produktion erneut steigern können, wie aus der Januar-Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) bei 7000 Firmen hervorgeht, die am Freitag vor den Medien in Zürich veröffentlicht wurde. Einzelne Branchen hätten gegenüber der letzten Umfrage sogar an Wachstumstempo zugelegt.

Industrie zuversichtlich

In der Industrie sei die Auslastung der Produktionskapazitäten weiter gestiegen. Mit 84,8 Prozent sei sie nun leicht über den langjährigen Durchschnitt von 84 Prozent geklettert, sagte KOF- Ökonom Richard Etter. Für die kommenden drei Monate seien die Industriefirmen zuversichtlich, insbesondere die exportorientierten Unternehmen.

Denn die Weltwirtschaft laufe besser als noch vor kurzem erwartet, was eine kräftige Steigerung der Nachfrage verspreche, sagte KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm. Die Schweizer Exportindustrie könne deshalb die Verschlechterung der Wettbewerbsposition durch den starken Franken besser verkraften.

Vor allem in der EU hat sich nach Einschätzung der Unternehmen die eigene Wettbewerbsposition so dramatisch verschlechtert wie noch nie seit Beginn der Umfrage im Jahre 1999. Auch ausserhalb des Hauptmarktes EU sei nach Ansicht der Firmen die Wettbewerbsposition schlechter geworden, sagte Etter.

«Aber Europa ist nicht die Weltkonjunktur», sagte Sturm. Die breit aufgestellte Schweizer Exportindustrie profitiere vom Boom in Asien und Südamerika.

Die Volksaufstände in Tunesien und Ägypten hätten direkt keine grossen Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. «Aber sie könnten die Stimmung drücken, was erhebliche Konsequenzen haben kann», sagte Sturm: «Die Bedeutung der Stimmung für die Weltwirtschaft darf man nicht unterschätzen.»

Franken als Klotz am Bein

Das Gastgewerbe sei am stärksten betroffen vom starken Franken, sagte Etter. Dies habe sich in weniger Umsätzen und Übernachtungen niedergeschlagen. Auch im ersten Quartal 2011 befürchteten Hotels und Restaurants einen weiteren Rückgang.

Als einzige Branche plane das Gastgewerbe, den Personalbestand zu reduzieren. Alle anderen wollten mehr Beschäftigte anheuern.

Mit Ausnahme der Hotels und Restaurants erwarteten alle befragten Branchen für die kommenden drei Monate eine steigende Nachfrage. Etwas zuversichtlicher als früher sind neben der Industrie das Baugewerbe sowie der Bereich Verkehr/Kommunikation/Information.

Banken machen wieder Geld

Auch die Banken und Versicherungen sehen die Geschäftslage als positiv. Bei den Banken ist dies vor allem den Schweizer Kunden zu verdanken.

Die Detailhändler erwarteten in den kommenden drei Monaten eine leichte Abschwächung des Umsatzwachstums. Die Baubranche freut sich zwar über eine gute Geschäftslage, rechnet aber mehrheitlich mit einer Stagnation bei den Aufträgen.

Insgesamt sagt die KOF für dieses Jahr eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums von 2,7 auf 1,9 Prozent voraus. Ende März will die KOF ihre neuen Prognosen veröffentlichen. «Das Bauchgefühl sagt mir, dass die Konjunktur eher besser dasteht, als wir noch bei der letzten Prognose gedacht haben», sagte Sturm.

(sda)