Strom

30. Juli 2019 10:49; Akt: 31.07.2019 09:54 Print

Start-up installiert gratis Solarzellen aufs Dach

von Dominic Benz - Eine Lausanner Firma baut für Hausbesitzer kostenlos Solaranlagen. Wie kann dieses Geschäftsmodell funktionieren?

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Wer eine Solaranlage auf sein Hausdach stellen will, muss nicht nur viel Geld investieren, sondern auch viel Papierkram erledigen. Mit den Anlagen von Younergy ist das anders. Das Westschweizer Start-up installiert Solaranlagen kostenlos. «Auch um die Baubewilligung, die Installation oder die Wartung muss der Kunde sich nicht kümmern», sagt Oscar Ax, Younergy-Vertriebsleiter für die Deutschschweiz, zu 20 Minuten.

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Zahlen muss der Hausbesitzer einzig für den mit der Anlage produzierten Strom. Diesen verkauft Younergy per Solar-Abo: Die Kunden verpflichten sich, den Strom für die nächsten 20 Jahre zu beziehen. «Wir wollen den Schweizer Haushalten günstige Solarenergie bieten», sagt Ax. Für seine Idee wirbt das Start-up derzeit intensiv auf Facebook und Instagram.

Leicht steigende Preise

Die Höhe des Strompreises hängt von der geschätzten Energieproduktion des Hausdachs, den Installationskosten oder den lokalen Preisen ab. Im Schnitt liegen die Kosten bei rund 18 Rappen pro Kilowattstunde. Laut Ax ist der Solarstrom bei einem lokalen Elektrizitätswerk meist teurer. «Bei rund 80 bis 90 Prozent unserer Anlagen ist der Preis tiefer.»

Bei Younergy kann der Preis dennoch pro Jahr um maximal 2 Prozent anziehen. Grund sind etwa teuer werdende Solaranlagen. Dass Younergy-Kunden aber plötzlich mehr zahlen als bei lokalen Netzanbietern, sei unwahrscheinlich, so Ax. Denn die Strompreise auf dem Markt würden jedes Jahr tendenziell stärker steigen.

Vergütung für überschüssigen Strom

Profitieren können Younergy-Kunden auch vom überschüssig produzierten Strom, der ins Netz eingespeist wird. Dafür erhält der Hausbesitzer vom lokalen Energieversorger eine Vergütung. Auch im Falle einer Pleite von Younergy trägt der Kunde kein Risiko. Zwar müsste sich dann der Hausbesitzer selber um die Wartung der Anlage kümmern. «Dafür hat er eine kostenlose Anlage auf dem Dach, die ihm gehört», sagt Ax. Im Schnitt kostet eine Solaranlage rund 20'000 Franken.

Das 2015 gegründete Lausanner Start-up verdient sein Geld mit einer Marge auf den Strompreis bei den Abos und dem direkten Verkauf von Solaranlagen. Bisher hat die Firma knapp 600 Anlagen installiert, davon sind rund 310 Solar-Abos. 2025 will Younergy 5000 Abonnenten haben. Der Umsatz soll sich in diesem Jahr auf 5,5 Millionen Franken belaufen. Gemäss Ax ist die Firma profitabel. «Die Nachfrage ist gross.» Wer als Investor an Bord ist, will die Firma nicht sagen.

Wenig Anreize für Solaranlagen

Christina Marchand ist von der Geschäftsidee der Jungfirma überzeugt. «Younergy ist vor allem für Leute interessant, die sich selber eine Solaranlage nicht leisten können», sagt die Stromexpertin an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Betreiberin der Vergleichsplattform Mynewenergy.ch. Die Solaranlagen seien für die Hausbesitzer mit wenig Risiken und fast keinem Aufwand verbunden. «Trotz des möglichen Preisanstiegs von 2 Prozent jährlich ist das Risiko, dass man für den Strom mehr als auf dem Markt bezahlt, sehr gering», so Marchand. Da es auch noch andere Anbieter von fremdfinanzierten Solaranlagen gibt, empfiehlt die Expertin Angebote zu vergleichen.

Ein Problem für Younergy sei aber, dass es für die meisten Schweizer keinen finanziellen Anreiz gebe, sich eine Solaranlage aufs Dach zu stellen. «Unsere Strompreise sind die tiefsten in Europa. Für viele Haushalte ist die Stromrechnung ohnehin ein fast vernachlässigbarer Posten», so Marchand. Daher beschäftigten sich die Menschen selten damit, woher der Strom komme. «Solaranlagen werden leider bis heute vor allem von Leuten gekauft, die sich grundsätzlich für grünen Strom interessieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ralf am 30.07.2019 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlt in de Antworten..

    Nein, meine Gemeinde verbietet mir eine Installation von Solarpanels auf dem Dach, da es nicht zum Dorfbild passt..

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  • Poodel am 30.07.2019 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlt in den Antworten...

    Nein ich darf nicht... Mein E-Werk hat es mir verboten....

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  • EinLeser am 30.07.2019 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ferienwohnung

    Wäre wohl was für Ferienwohnungen. Da könnte man mit diesem Konzept sogar Gewinn erwarten und hat dann erst noch in 20 Jahren eine kostenlose Solaranlage, die gewartet wurde. Oder muss man eine Mindestmenge abnehmen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Neumann am 31.07.2019 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Wollt ihr das? Wollt ihr die totale Solar- und Wind- und Wasserkraftwelt? Das ist nur krank! Habt ihr euch schon mal überlegt, wie schädlich das für unsere Zuknft ist? Unterstützt lieber der Verbleib in und die Weiterentwicklung der Atomkraft! Alles andere ist nicht mal Beilage.

  • Flachländer am 31.07.2019 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohnt sich aber gewiss...

    Ich habe kürzlich von Younergy meine PV Anlage installieren lassen und gekauft, nicht per Solar-Abo. Das ganze mit Speicher. Nach 1.5 Monaten Laufzeit, hane ich nun bereits einen viertel meines jährlichen Strombedarfs gedeckt. 2.74MWh erzeugt, davon 2.13 eingespeist. Nach allen Netzabgabrn und Zählerkosten bin ich unter dem Strich mit 100.- im PLUS. Und wenn ich das 2.5 Fache meines Verbrauchs einspeisen kann, so habe ich bilanziell nach einem Jahr eine schwarze Null. Bisherige Stromkosten von ca 1900.- eingespart, macht die Anlage nach gut 11 Jahren amortisiert, plus 9 Jahre weiter Garantie!

  • Prometheus am 31.07.2019 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Installiert gratis Zellen aufs Dach?

    Gratis Käse gibt es nur in der Mausefalle..

    • Flachländer am 31.07.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Prometheus

      Man muss die Offerte gut durchrechnen und die Prognosen des Steomertrags zum Strombezuf gegenrechnen. Gerade in Orten welche Strompreise von über 20 Rappen/kWh haben, rechnet sich das Angebot allemal. Der örtliche Strombetreiber ist gesetzlich verpflichtet die Rückspeisung zu vergüten. Zieht man nach dem errechneten Eigenbedarf diesen Betrag ab, ist dier Kilowattstunde preis schnell auf un die 10-16 Rappen. Eib wenif damit beschäftigeb muss man sich schon. Genauso wie der Entscheid ob man bei Younergy ein Solarabo löst, oder gleich kauft...

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  • BigBen am 31.07.2019 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solarlüge

    Habe seit 2013 eine Solaranlage, die reinste Geldvernichtungsanlage! Es hat zuviel Solarstrom, bekomme daher nur 9 Rappen, müsste aber 18 Rappen haben um mindestens Kostendeckend zu sein! Der Konsument ist nicht bereit für sauberen Strom mehr zu bezahlen! Kann euch nur raten, Hände weg wenn ihr nicht Geld verlieren wollt!!

    • Solar Interessent am 31.07.2019 19:51 Report Diesen Beitrag melden

      Solaranlage ohne KEV?

      Bekommen Sie keine KEV (kostendeckende Einspeisevergütung), das gab es doch damals, mehr als 9 Rappen, oder? Ich glaube Younergy plant die Anlagen kleiner, damit ein höherer Anteil des Solarstroms vor Ort verbraucht wird, da heute keine KEV mehr.

    • Flachländer am 31.07.2019 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BigBen

      Rechnen scheint nicht ihre Stärke, oder aber Sie haben extrem teuer gekauft. Die Preise aus 2013 sind nicht jene welche heute aktuell sind. Aber dss hätte man schon 2013 errechnen können. Also warum mache Sie hier Solarstrom madig? Ich werde mit der gesamten Anlage (gekauft) in gut 12 Jahren draussen sein. Bleiben die Sommer so wie aktuell, werden das nich drei Jahre eher...

    • PROLLTRASH am 31.07.2019 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BigBen

      am strand sand verkaufen ist übrigens auch keine gute idee.

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  • Deprimierender am 31.07.2019 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kann ich vergessen

    Brauche nur noch dass Haus".

    • Masterchief am 31.07.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

      Mit vereinten Kräften

      Mit Gleichgesinnten eine "Selbsthilfegruppe" bilden und als Wohnbaugenossenschaft Ziele definieren und realisieren.

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