Nottötung

01. Januar 2020 20:32; Akt: 03.01.2020 09:20 Print

Statt auf dem Teller landen Schweine im Abfall

von B. Scherer - Jedes Jahr landen Tausende Schweine in der Schweiz im Müll. Viele davon erreichen nicht einmal den Schlachthof.

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Schweizer essen nach Rindfleisch am liebsten Schweinefleisch: Pro Kopf verzehren sie jährlich über 21 Kilogramm Schwein, wie die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande zeigt.

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Entsprechend ist die Schweinezucht ein grosses Geschäft für die Bauern. Allerdings landen sehr viele Schweine im Müll. Besonders drastisch ist die Situation in Deutschland: Über 13 Millionen für die Fleischindustrie geborene Schweine landen dort im Abfall. Die Tiere müssen vorzeitig notgetötet werden, weil sie krank oder verletzt sind. Da eine Behandlung der Tiere nicht rentabel wäre, werden sie dem Tod überlassen, wie «Spiegel Online» berichtet.

In der Schweiz ist die Situation weniger dramatisch. Dennoch: Laut Proviande wurden 2018 von 2,5 Millionen geschlachteten Schweinen rund 4300 Tiere aus diversen Gründen als «ungeniessbar» eingestuft und als Abfall entsorgt. Diese Zahl beinhaltet aber nur die Schweine, die den Schlachthof erreicht haben.

Viele Tiere sterben vor der Schlachtung

Wie viele Schweine in der Schweiz also effektiv im Abfall landen, ist nicht klar. «In der Schweinezucht kommt es immer zu Verlusten», erklärt Adrian Schütz, Geschäftsleiter des Schweizerischen Schweineproduzentenverbands Suisseporcs. Bereits bei der Geburt können einige Tiere sterben. «Wenige Ferkel verliert ein Bauer in der Aufzucht, ein weiteres Prozent stirbt in der Mast», sagt Schütz.

Grund dafür seien aber nicht nur Krankheiten: Einige Tiere seien schlicht zu schwach zum Leben. «Da kann niemand etwas dafür. Das ist der Lauf der Natur», sagt Schütz.

Einbussen für Bauern

Eine Nottötung muss auf dem Bauernhof vorgenommen werden, wenn ein Tier schwer angeschlagen ist und nicht mehr transportiert werden kann, wie Cesare Sciarra vom Schweizer Tierschutz STS erklärt. «Wird ein Tier eingeschläfert, darf es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verzehrt, sondern muss entsorgt werden.»

Fakt ist: Jedes tote Schwein bedeutet für den Bauern eine finanzielle Einbusse. Laut Cesare Sciarra komme es daher vor, dass einige Bauern dennoch versuchten, nicht transportierfähige Schweine in einen Schlachthof zu liefern.

Adrian Schütz von Suisseporcs weist diesen Vorwurf entschieden zurück: «Wer ein krankes Tier in die Schlachtung bringt, wird gebüsst, das würde sich für den Bauern gar nicht lohnen.»

Schweine sind in der Schweiz gesünder

Dass in Deutschland derart viele Schweine vor der Schlachtung verenden, kann sich Schütz nicht erklären. «Vielleicht liegt es daran, dass im Ausland Mutterschweine züchterisch bearbeitet wurden und mehr Ferkel gebären als Schweizer Schweine.» Bei sehr grossen Würfen seien mehr schwache Tiere dabei. Die Tierbestände in der Schweiz sind laut Schütz überschaubar und im Vergleich zum Ausland sehr klein.

Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV konnte die Gesundheit der Schweine in den letzten Jahren verbessert werden. So liegt das Gesundheitsniveau der Schweizer Schweine inzwischen über dem Level in Europa.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr.CH am 01.01.2020 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Es wundert mich nicht.

    Es gäbe da ja einiges dazu zu sagen. Aber es wird sich nichts daran ändern, wenn kein umdenken in der Gesellschaft stattfindet. Man kann nur sagen. Wegwerfgesellschaft.

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  • G. Nervt am 01.01.2020 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finanzielle Einbusse

    Das sagt einfach alles... traurig, wie mit Leben umgegangen wird, aus Gier und noch mehr Gier...!

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  • Fritz am 01.01.2020 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schweinedrama

    Katastrophal wie mit diesen Tieren umgegangen wird. Ob die Muttersau züchterisch bearbeitet wird (was das auch heissen mag) oder bei der Geburt oder bei der Aufzucht, es ist und bleibt ein Lebewesen. Nur noch profit, und die armen Tiere werden zum Teil behandelt wie ein totes Material. Weit haben wir Menschen dem Profit wegen es nicht gebracht. Es ist eine ware Schande.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SpargelTarzan am 02.01.2020 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Thats Nature

    Wisst ihr eigentlich wieviele Neugeborene in den Spitelärn kurz nach Geburt sterben oder sogar schon tot zur Welt kommen?

  • entle am 02.01.2020 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    buch

    es gibt bereits erste gute beispiele vorbildlicher schweinehaltung in der schweiz. leider darf man hier keine werbung machen.

  • Da am 02.01.2020 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Der

    Und 50% der produzierten lebensmittel werden weggeschmissen, die zahlen sind noch viel verheerender wenn man mal die augen aufmacht. Wir schweizer sind barbaren

    • Brun Niklaus am 02.01.2020 20:14 Report Diesen Beitrag melden

      nicht nur in der Schweiz

      An Da : Nicht nur in der Schweiz werden Lebensmittel weggeschmissen. Rund um die Schweiz passiert dies täglich. Andere Länder sind nicht besser als die Schweiz.

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  • Martin.Rit am 02.01.2020 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Aus Gesundheitsgründen kein Schwein

    Es fehlt bei der Umfrage die Auswahl "Nein, aus Gesundheitsgründen". Da ich mehrere Male unter Gichtattacken litt, habe ich unter anderem auch Schweinefleisch aus meiner Ernährung gestrichen. Ich ass wohl früher zu viel vom Falschem.

  • Werni 38 am 02.01.2020 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Tiermehl

    Ich denke, "Abfall" ist das falsche Wort. Die allelrmeisten dieser Tiere werden der Tiermehlproduktion in Bazenheit zugeführt.