Von Skandalen überschattet

03. August 2017 11:59; Akt: 03.08.2017 12:16 Print

Steht der Dieselmotor vor dem Aus?

von F. Lindegger - Seit der Schummel-Affäre von VW steht der Dieselantrieb unter Beobachtung. Bei gewissen Autos könnte der Dieselmotor schon bald keine Option mehr sein.

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Am Mittwoch trafen sich in Berlin die deutschen Umwelt- und Verkehrsminister, Politiker aus den Bundesländern und Vertreter der Autoindustrie zum sogenannten «Diesel-Gipfel». Es wurde nach Lösungen gesucht, um ein drohendes Fahrverbot für Dieselautos in deutschen Städten abzuwenden. Der Entscheid: Mehr als fünf Millionen Dieselautos in Deutschland sollen neue Software erhalten und so weniger Schadstoffe ausstossen.

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Doch damit sei das Problem keineswegs gelöst, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte und Professor an der Universität Duisburg-Essen, zu 20 Minuten. «Die Software-Updates bringen kaum was. Das Thema ist damit noch nicht vom Tisch.» Der Dieselmotor hat seiner Ansicht nach bei Personenwagen ausgedient. «Die Kunden wollen das nicht mehr. Das Image des Diesels ist kaputt», so Dudenhöffer. Er ist überzeugt, dass die Hersteller den Dieselantrieb nun langsam beerdigen werden. Einzig bei grossen Fahrzeugen und SUV sieht er künftig noch eine Nachfrage nach selbstzündenden Dieselmotoren.

Verbrennungsmotoren werden teurer

«Technologisch ist es machbar, dass der Diesel sauber wird. Allerdings sind solche Motoren in der Entwicklung und Herstellung teuer», erklärt Thomas Hilfiker. Er forscht bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in der Abteilung Fahrzeugantriebssysteme. Hilfiker erwartet deshalb, dass Hersteller bei kleinen Modellen und Kompaktwagen aus wirtschaftlichen Gründen künftig auf den Dieselantrieb verzichten könnten.

Bei anderen Fahrzeugtypen habe der Dieselmotor aber weiterhin seine Berechtigung. «In grösseren Fahrzeugen, etwa bei Lastwagen, wird der Diesel auch künftig eine wichtige Rolle spielen», sagt Hilfiker. Auf Langstrecken, speziell bei Gütertransporten, gebe es derzeit keine echten Alternativen zum Dieselantrieb. Die Dieselmotoren von Lastwagen stossen in vielen Fällen pro Kilometer weniger Schadstoffe aus als Dieselpersonenwagen.

Laut Hilfiker werden sämtliche Verbrennungsmotoren tendenziell komplexer und teurer. «Das gilt auch für Benziner.» So würden künftig etwa auch Benzinmotoren Partikelfilter benötigen, um die Schadstoffgrenzwerte einhalten zu können.

Diesel-Anteil steigt in der Schweiz

Spätestens seit der Diesel-Affäre von VW wurden die Defizite von Dieselmotoren bei Personenwagen immer offensichtlicher. Unter realen Bedingungen können die von den Herstellern angegebenen Emissionswerte kaum eingehalten werden. Bereits in den vergangenen Wochen haben die deutschen Hersteller Audi, Daimler oder VW den Rückruf von insgesamt mehreren Millionen Dieselfahrzeugen angekündigt.

Dieselautos waren für die deutschen Hersteller lange eine Erfolgsgeschichte. Im Heimmarkt stieg der Marktanteil innerhalb von 25 Jahren von gut 10 Prozent auf fast 50 Prozent im Herbst 2015. Grund für die Beliebtheit ist vor allem der Treibstoffverbrauch, der in der Regel geringer ausfällt als bei Autos mit Benzinmotor. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in der Schweiz: Waren 1980 noch weniger als ein Prozent aller Fahrzeuge mit einem Dieselmotor ausgerüstet, betrug der Anteil Ende 2016 gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik rund 28 Prozent, wiederum 1,3 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die Schweizer Autokäufer hatten bisher offenbar wenig Bedenken bei Dieselautos.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pätti am 03.08.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein Theater

    So ein Theater, und was ist mit all den Flugzeugen und Hochseefrachtern sowie Kreuzfahrtschiffe. Von dem spricht niemand hängt wohl zu viel Geld darin.

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  • Mikee am 03.08.2017 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Symbolpolitik

    Moderne Benziner stossen dank downsizing und Turbo gleich viel aus wie ein sparsamer Diesel. Zudem die 15 grössten Schiffe stossen gleich viel Stickoxid aus wie 750 Mio. Autos.

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  • Ronny am 03.08.2017 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles komisch

    Die Dieselmotoren sind wohl zu sparsam geworden. Da lässt sich nicht genug verdienen. Schlagartig sind alle Dieselmotoren teufelswerkzeuge. Ich fahre weiter Diesel, denn sparsamer geht es nun mal nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F. M. am 04.08.2017 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ironie der Geschichte

    Was Umweltschützer nicht zustande gebracht haben, hat die deutsche Automobilindustrie mit ihren Tricksereien selber herbeigeführt: das beschleunigte Ende des Verbrennungsmotors. Wer einen Neuwagen kauft, überlegt es sich jetzt zwei Mal, in welche Technologie er sein gutes Geld steckt oder er wartet ab.

  • Sämi am 04.08.2017 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Back to the future

    Na ja, dann sattle ich halt wieder auf den Vorgänger-Benziner um, der bei gleicher Leistung rund 4l/100km mehr schluckt wie mein Diesel. Bedeutet in meinem Fall läppische 1200lt mehr pro Jahr.

  • Igel am 04.08.2017 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Einfach kein Dieselfahrzeug kaufen. Denn bei Eintausch kannst in die Röhre gucken. Der Verlust ist viel zu hoch. Darum Fahre ich Benziner. Von Asiatischen Fahrzeugen hört man nichts. Nur von BMW,AUDI,VW, und MERCEDES.

  • mirko schmid am 04.08.2017 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mal nachdenken

    Ich finde es lustig das due schweiz die 60w glühbirne aus dem verkaufsregal nimmt da wir strom sparen müssen. und jetzt jedes fahrzeug elektrisch betreiben? wen über nacht millionen fahrzeuge am strom hängen möchte ich sehen ob dan genug vohanden ist. und nun zum dieselmotor. die erfindung hat grenzen geöffnet um personen und güter in jede ecke der welt zu transportieren und unabhängig zu sein das gilt auch für den benzin motor. und jetzt beklagt sich jeder.

  • D.M am 04.08.2017 05:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energie

    Wasserstoff !! Ist die Umweltfreundlichste Energie ( antriebsenergie ) der Zukunft. Aus reinem Wasser hergestellt. Herstellung H2 / O2 über AKW oder alternativ Strom.

    • Physiker am 04.08.2017 06:26 Report Diesen Beitrag melden

      dieses Märchen ist...

      ...so sesshaft wie Hänsel und Gretel. Wasserstoff ist keine brauchbare Alternative. Googeln Sie einmal Gesamtwirkungsgrad. Es ist nicht sinnvoll 4kWh zu verbrauchen (und zu bezahlen) um mit 1 kWh rumzudriven.

    • Max Brown am 04.08.2017 07:32 Report Diesen Beitrag melden

      So ein Schwachsinn

      Unser immer weniger werdendes kostbares Wasser als Treibstoff verwenden? Genau so unsinnig wie Ackerflächen zu besetzen um Biotreibstoff zu produzieren...

    • Paul Trend am 04.08.2017 08:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Max Brown

      Nein. 1) Sie können auch Abwasser oder Salzwasser elektrolysieren 2) Es ist ein Kreislauf

    • alessi am 04.08.2017 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max Brown

      Hallo, nach der Verbrennung von Wasserstoff verbleibt Wasser...;>)

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