Historischer Fed-Entscheid

17. Dezember 2015 13:06; Akt: 17.12.2015 13:06 Print

Steigen jetzt auch die Zinsen in der Schweiz?

von I. Strassheim - Die USA haben am Mittwoch die Zinswende eingeleitet. Folgen weitere Notenbanken? Wird der Franken schwächer? Die wichtigsten Antworten.

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Nach neun Jahren steigen die Leitzinsen in den USA erstmals wieder. US-Notenbank-Chefin Janet Yellen hob sie wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte an. «Yellens Zinswende hat eine Signalfunktion, denn sie zeigt, dass die Geldpolitik sich nach den Krisenjahren wieder zu normalisieren beginnt», sagt CS-Chefökonom Oliver Adler zu 20 Minuten. Ob die US-Zinsen auch 2016 wirklich wie von Yellen in Aussicht gestellt weiter steigen werden, bleibt von der Konjunktur- und Inflationsentwicklung abhängig.
Die Bank Julius Bär geht davon aus, dass die US-Notenbank im Laufe der nächsten Monate wegen eines verhaltenen US-Wachstums sehr vorsichtig und abwartend reagieren dürfte.
«Der US-Zinsschritt könnte also zum ‹One-and-done-hike› resultieren», warnt Bär-Chefökonom Janwillem Acket.

Ziehen auch in der Schweiz die Leitzinsen an?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird die Zinsen weiterhin tief halten, um den Franken zu schwächen, damit die Exporte nicht weiter leiden. «Für die SNB ist ausserdem nicht die Zinsentwicklung in den USA, sondern jene in der Euro-Zone entscheidend», sagt Adler zu 20 Minuten. Eine Auswirkung hat die Zinswende allerdings auch für die Schweiz: Die langfristigen Zinsen auf dem Anleihe- und Hypothekarmarkt könnten wieder leicht anziehen.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Geldschleusen noch lange offen halten und ihre Negativ-Zins-Politik beibehalten. Bevor EZB-Präsident Mario Draghi überhaupt an eine Zinserhöhung denken kann, muss er erst einmal sein Anleihenkauf-Programm einstellen, mit dem er Geld in den Markt pumpt. «Und das dürfte nicht vor Frühjahr 2017 der Fall sein», sagt der CS-Chefökonom. Mit einer Zinserhöhung in der Euro-Zone und damit auch in der Schweiz ist also nicht vor Ende 2017 zu rechnen. Die Ära des billigen Geldes in Europa wird weiter andauern.

Wird der Franken jetzt schwächer?

Der Devisenmarkt hat zwar die Zinswende von Mittwochabend eingepreist, aber noch nicht Yellens Ankündigungen für 2016. Die ist nun aber den Erwartungen entsprechend ausgefallen, so dass der Dollar nur leicht erstarken dürfte: UBS-Devisenspezialist Thomas Flury geht davon aus, dass der Dollar zum Franken 2016 um die Parität schwanken wird. «Zum Euro sollte der Franken eher ein wenig erstarken und um die 1.06 Franken notieren», sagt Flury weiter.

Welche Folgen hat der Entscheid für die Schweizer Wirtschaft?

«Wenn der Franken sich zum Dollar etwas abschwächt, stützt das die Schweizer Exportwirtschaft», sagt CS-Chefökonom Adler. Nicht nur in den USA werden damit die hiesigen Produkte billiger, sondern auch im asiatischen Raum, wo die Währungen meist an den Dollar angelehnt sind. Tendenziell ist eine Verknappung von US-Liquidität allerdings eher negativ für die Weltwirtschaft. «Doch Yellens Botschaft dürfte den Finanzmärkten etwas Vertrauen einflössen, denn mit der Zinserhöhung deutet sie an, dass sie die US- und Weltkonjunktur inzwischen für stark genug hält», betont Adler.

Profitieren auch die Schwellenländer von der Zinswende?

Staaten wie Brasilien dürften die Opfer von Yellens Entscheid sein. Denn sie müssen nun mit einem weiteren Kapitalabzug rechnen. Wenn in den USA das Geld nicht mehr so günstig ist, investieren ausländische Anleger weniger in Schwellenländern.

Steigt der Ölpreis?

Der Preis für das in Dollar gehandelte Rohöl könnte für die Schweiz zwar zunächst eher steigen, weil die US-Währung etwas erstarken dürfte (vorausgesetzt die anderen Faktoren wie Frachtkosten und Angebotslage bleiben konstant). «Aber weltweit drückt ein stärkerer Dollar tendenziell auf die Rohstoffpreise», sagt Norbert Rücker von der Bank Julius Bär. Laut dem Ölexperten wirkt sich ein starker Dollar nämlich vor allem auf die Produktion aus: Die Ölförderstaaten können den Rohstoff billiger verkaufen, so dass der Weltmarktpreis sinkt.

Wie geht es nun an den Aktienbörsen weiter?

Die Aktienmärkte dürften weltweit zunächst volatil reagieren, also mit höheren Kursausschlägen nach unten und oben. «Es ist nicht ganz klar, wie stark die Börse die Zinswende und die Aussicht auch auf 2016 weiter steigende Zinsen schon eingepreist hat», sagt Markus Irngartinger zu 20 Minuten. Er ist im Chief Investment Office der Grossbank UBS im Anlagenteam für die Aktienmärkte zuständig und geht für die kommenden drei bis sechs Monaten davon aus, dass die Aktienkurse weltweit nach oben tendieren. Die Gründe: «Die steigenden US-Zinsen werden einerseits am Markt als Zeichen dafür interpretiert, dass die US-Konjunktur robust ist.» Andererseits sei der Zinsanstieg noch zu gering, um das Kapital in den Anleihenmarkt zu ziehen. Die Rendite an den Aktienbörsen dürfte weiter höher ausfallen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wale am 17.12.2015 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiterhin tief

    Es braucht nur ein laues Lüftchen und die Zinsen fallen wieder. Die Zinsen sind viel zu lange so tief, einen Anstieg auf das einstige, normale, Niveau verkraftet die Wirtschaft schlicht nicht mehr.

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  • ein schelm am 17.12.2015 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie lange noch?

    die rede ist immer nur von der schweizer wirtschaft. wächst diese ist alles in ordnung, stagniert sie ists nicht mehr in ordnung. für mich als normalbürger ist diese situation aber seit mehreren jahren nicht mehr in ordnung und ich binndamit auch nicht der einzige. ich frage mich einfach wie realitätsfremd manche personen sind oder wurden durch diese finanzielle verblendung. wir stehen am rande, zur zeit gehts den meisten menschen wie mir, es ist erträglich aber die frage ist wie lange?

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  • Goldnuget am 17.12.2015 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Prognose die Zinsen in der Schweiz

    werden kaum steigen, ausser die Wirtschaft möchte einen noch stärkeren Franken. Selbst die USA werden ihre Zins erhöhung wieder korrigieren müssen. Die EZB wird in den kommenden Jahren kaum die Zinsen erhöhen sondern im Gegenteil. Derzeit hat die Welt wohl eher ein Deflations Problem.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Damian am 17.12.2015 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Einkaufen in Deutschland

    Ich als Familienvater mit 3 Kindern betrifft es nicht ob die Zinsen steigen oder Sinken. Was man verdient geht für die Familie und Steuern drauf. Das einzige was mich interessiert, ist wenn ich am Freitag Abend nach Weil am Rhein zum einkaufen fahre. Es macht richtig spass dort gut und günstig einzukaufen.

    • Rapinsel am 17.12.2015 14:56 Report Diesen Beitrag melden

      Super...

      und wo arbeiten sie?!.. Ich such mir dann auch mal eine ausländische Alternative zu dem Produkt (egal ob Dienstleistung oder Konsumware) das sie mitherstellen.. Aber wundern sie sich dann bitte nicht, wenn ihr Lohn nicht weiter steigt...

    • Fritz Schmid am 17.12.2015 15:26 Report Diesen Beitrag melden

      Zuviel Milch schadet der Gesundheit

      Alles müssen sparen, nur die Bauern icht

    • ruch oliver am 17.12.2015 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Damian

      hoffentlich arbeiten sie un später ihre kinder auch in deutschland zu einem tieferen lohn. vieleicht wäre verhütung das richtige gewesen un es wären nicht 3 kinder entstanden wen man es sich nicht leisten kann.

    • jc am 17.12.2015 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      "Super Einstellung"!

      Warum haben Sie drei Kinder in die "Welt gesesetzt" wenn Sie es nicht vermögen? Und noch ein gratis Tip: wandern Sie doch aus!

    • Freier Mensch am 17.12.2015 19:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz Schmid

      Die Bauern müssen ihre erhaltenen Subventionen in Maschinen investieren, damit sie abschreiben können und ihr Einkommen auf einen tieferen Stand bringen, ansonsten sie weniger Subventionen erhalten werden.

    • gross mutter am 18.12.2015 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Damian

      ihr, die ihr diesen familienvater hier kritisiert: babymilch in deutschlsnd 10.60, in der schweiz chf 28. wie kann man sich da anders entscheiden? ein paar meter nur und solche preisunterschiede. das ist nicht mit lohn- und mietkosten zu erklären.

    • Mustafa am 18.12.2015 07:30 Report Diesen Beitrag melden

      @ die Wutbürger

      Lasst doch jeden Einkaufen wo er möchte, ob im günstigen EU-Raum oder in der Abzocker Hochpreisinsel Schweiz. Im übrigen, beschäftigen die Grossverteiler und die Industrie auch vorwiegend billig Löhner aus der EU! Gleiches Recht für alle. Also,hört auf zu Jammern!

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  • Analyst am 17.12.2015 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Warten bis der Wecker klingelt.

    Eigentlich ist das ganze nichts anderes als Real-Monopoly. Die Waehrungen sind durch nichts gedeckt und Giralgeld ensteht am Computer wenn ein Kredit aufgenommen wird fuer irgend etwas. also aus dem nichts. Eine Illusion schluss endlich. Die Zinsen sind purer Gewinn fuer ein paar wenige.

    • Die Kreissäge am 17.12.2015 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      @analyst

      Die Währungen sind sehr wohl gedeckt. Dies zwar nicht mehr nur wie früher durch Edelmetalle (siehe Goldstandard), aber dennoch besteht die Deckung aus aus dem Wert (bzw. der Bewertung) einer gesamten Volkswirtschaft. Ebenfalls ist es nicht richtig, dass Giralgeld nur am Computer entsteht. Giralgeld ist nichts anderes als Buchgeld und Buchgeld gab es schon lange vor Computern und um genau zu sein, seit der Mensch Vermögenswerte aufschreibt. Wenn wir kein Giralgeld mehr wollen müssen wir mit der Buchhaltung aufhören und nur noch Waren tauschen = Geld ganz abschAffen.

    • Analyst am 17.12.2015 19:11 Report Diesen Beitrag melden

      Guck ganz genau hin !

      @Kreissaege Nun Buchgeld oder Giralgeld es wird aus dem Nichts gescahffen. Guck DIr bitte zB. einen Euroschein genau an. Wo steht da was von einer Garantie. Ein Copyright mehr nicht. Es haftete auch niemand dafuer.

    • Freier Mensch am 17.12.2015 19:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Kreissäge

      Geh einmal zur Nationalbank und verlange den Gegenwert für das Kreditgeld. Mehr als ein müdes Lächeln wird es nicht geben. Bei einer goldgeckten Währung muss der Depotschein gegen Gold getauscht werden.

    • Supermario am 18.12.2015 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Kreissäge

      Danke für Deinen konstruktiven Beitrag; leider verstehen die meisten Mitbürger den monetären Kreislauf nicht mehr. Anstelle von anderen unnötigen Fächern in der Grundschule wäre eine diesbezügliche Aufklärung wohl mehr und mehr von Nöten.

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  • Goldnuget am 17.12.2015 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Prognose die Zinsen in der Schweiz

    werden kaum steigen, ausser die Wirtschaft möchte einen noch stärkeren Franken. Selbst die USA werden ihre Zins erhöhung wieder korrigieren müssen. Die EZB wird in den kommenden Jahren kaum die Zinsen erhöhen sondern im Gegenteil. Derzeit hat die Welt wohl eher ein Deflations Problem.

    • Supermario am 18.12.2015 08:27 Report Diesen Beitrag melden

      Wo ist denn bei Dir die Logik zuhause?

      Und dies trotz Überlauf in Sachen Geld?

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  • Tim G. am 17.12.2015 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht in absehbarer Zeit

    Ein Zinsanstieg in der Schweiz ist nicht zu erwarten, da für die SNB das Handeln der EZB von grösserer Bedeutung ist als dies der FED. Die EZB denkt momentan nicht einmal im Ansatz an eine Zinsanhebung, eher an eine noch heftigere Ankurbelung der Wirtschaft mit Billiggeld.

  • ein schelm am 17.12.2015 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie lange noch?

    die rede ist immer nur von der schweizer wirtschaft. wächst diese ist alles in ordnung, stagniert sie ists nicht mehr in ordnung. für mich als normalbürger ist diese situation aber seit mehreren jahren nicht mehr in ordnung und ich binndamit auch nicht der einzige. ich frage mich einfach wie realitätsfremd manche personen sind oder wurden durch diese finanzielle verblendung. wir stehen am rande, zur zeit gehts den meisten menschen wie mir, es ist erträglich aber die frage ist wie lange?

    • Rudolf Meier am 17.12.2015 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      der Euro

      Eigentlich weiss jeder, dass der Euro ein Fehler war... und solange es den gibt, wird sich nichts ändern. Das ist wie bei einem Wasserrohrbruch... wenn der mal mit einem Lappen verstopft ist, dann ist zwar im Moment Ruhe, aber so wirklich toll fühlt sich keiner damit und eigentlich weiss man, dass es eine grössere Umbau-Aktion geben muss. Das führt zu einem latenten Unwohlsein...

    • Realist-oder-nicht am 17.12.2015 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ein schelm

      Erträglich? Wer das Gefühl hat, an der Grenze zur Armut zu leben, soll das bitte mal mit Falten aufzeigen. Wie viel verdienst du vs. was sind deine Fixkosten (Miete, Versicherung, etc.). Wetten, dass die meisten von den Jammeris mind. ein iPhone und iPad Zuhause herumliegen haben? Dann nämlich würde ich das als Jammern auf hohem Niveau bezeichnen!

    • Bartli am 17.12.2015 14:34 Report Diesen Beitrag melden

      Klartext

      Werter Realist-oder-nicht. Das IPhone ist heute gängiges Kommunikationsmittel und kein Luxus mehr. Wo leben Sie denn? Schon in Slams sind sie zu finden und es gibt auch billige Ausführungen. Eine Schande so was überhaupt noch zu erwähnen.

    • Cartman1993 am 17.12.2015 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ein schelm

      "Den meisten"? Ich bestreite nicht, dass es ihnen schlecht gehen kann, aber von ihrer Situation auf die Mehrheit zu schliessen, halte ich für relativ gewagt.

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