Gesundheitsausgaben

13. Dezember 2010 13:30; Akt: 13.12.2010 15:56 Print

Steigende Kosten sind nicht nur negativ

Steigende Gesundheitsausgaben belasten zwar die Haushalte. Sie bewirken aber auch Wirtschaftswachstum und heben die allgemeine Wohlfahrt, sagt die Pharmaindustrie.

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Die Ausgaben für die Gesundheit wachsen seit Jahrzehnten - 2008 stiegen sie um 5,9 Prozent auf 58,5 Mrd. Franken, was 10,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht.

Die Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz hat nun das Institut Infras beauftragt, die Auswirkungen der steigenden Gesundheitskosten auf die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz zu untersuchen. Die Studie wurde am Montag in Bern vorgestellt.

Kosten und Nutzen

Danach muss ein Haushalt im Schnitt einen Siebtel seines verfügbaren Einkommens für die Gesundheit ausgeben. Haushalte mit tiefen Einkommen und mit Kindern sind speziell belastet. Prämienverbilligungen reduzieren die Belastungsunterschiede nur zum Teil.

Andererseits ergaben Modellrechnungen von Infras, dass eine - angenommene - Steigerung der Gesundheitsausgaben von 5 Milliarden Franken bei gleichbleibender Gesamtnachfrage die inländische Wertschöpfung (das BIP) um 0,3 Prozent oder 1,35 Mrd. Franken bezogen auf das Jahr 2005 wachsen liesse. Die Beschäftigung würde sich um 0,53 Prozent - etwa 17 000 Vollbeschäftigte - erhöhen.

Profitieren würden neben dem Gesundheitswesen mit seinen Sub- Branchen auch die Präzisionsindustrie, die Versicherungen, Forschung und Entwicklung, sowie - in geringerem Ausmass - die exportorientierte Chemie- und Pharmabranche.

Längerfristige Auswirkungen

Längerfristig würden sich steigende Gesundheitsausgaben gemäss den Untersuchungen tendenziell positiv auf die schweizerische Wirtschaft und die Wohlfahrt auswirken. Auch in hoch entwickelten Industrieländern verbessern zusätzliche Ausgaben für die Gesundheit tendenziell den Gesundheitszustand der Bevölkerung.

Dies wiederum fördert die Arbeitsproduktivität und das Einkommenswachstum der Volkswirtschaft. Bessere Gesundheit steigert aber auch die Lebenserwartung und die Lebensqualität.

Steigende Gesundheitsausgaben sind also nicht per se schlecht für die wirtschaftliche Entwicklung - was aber keine Rechtfertigung für eine grenzenlose weitere Steigerung sei, unterstreicht die Studie. Deren Urheber empfehlen, bei zusätzlichen Gesundheitsausgaben die Kostenwirksamkeit systematisch zu überprüfen. Ausserdem müssten weitere Aspekte wie die Finanzierung des Gesundheitswesens genauer untersucht und dessen Transparenz verbessert werden.

Ein Tabu-Bruch

Für die Freiburger CSP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Marie-Thérèse Weber-Gobet hat die Studie ein Tabu gebrochen. Sie habe auch Missstände bei der Datenlage im Gesundheitswesen aufgedeckt und sozialpolitisch Brisantes angesprochen - etwa die Belastung der unteren Schichten durch die Gesundheitskosten.

Weber-Gobet wie auch Aymo Brunetti vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bedauerten bei der Vorstellung der Studie, dass darin die Opportunitätskosten nicht berücksichtigt wurden - also Nutzen und Kosten von Alternativen. Weitere Untersuchungen zu dem Thema seien nötig.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jenny am 13.12.2010 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    so so

    positive wirkung auf unsere wirtschaft und das verlumpen der bevölkerung durch die steigenden KK-prämien. ist doch super!! wir bezahlen bald gleichviel prämie wie steuern. zu viel *gesundheit* macht krank.

  • Erika Nydegger am 01.03.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schöngeredet

    Bereits jetzt ist es so, das Einkommensschwache das Gesundheitssystem nicht zur "Gesunderhaltung" sondern nur noch zur "Amlebenerhaltung" nutzen können. Wie sich die steigenden Gesundheitsausgaben sich positiv auf die schweizerische Wohlfahrt auswirken soll ist nicht nachvollziehbar... Würde die Seco selbst solch eine Studie in Auftrag geben, dann müsste sie nicht bedauern das darin die Opportunitätskosten nicht berücksichtigt wurden, die Zahlen und Fakten wären vollständiger, vielleicht auch wahrer.

  • andie politik am 28.02.2011 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Für wie dämlich halten die uns eigentlich?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erika Nydegger am 01.03.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schöngeredet

    Bereits jetzt ist es so, das Einkommensschwache das Gesundheitssystem nicht zur "Gesunderhaltung" sondern nur noch zur "Amlebenerhaltung" nutzen können. Wie sich die steigenden Gesundheitsausgaben sich positiv auf die schweizerische Wohlfahrt auswirken soll ist nicht nachvollziehbar... Würde die Seco selbst solch eine Studie in Auftrag geben, dann müsste sie nicht bedauern das darin die Opportunitätskosten nicht berücksichtigt wurden, die Zahlen und Fakten wären vollständiger, vielleicht auch wahrer.

  • andie politik am 28.02.2011 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Für wie dämlich halten die uns eigentlich?

  • t0m am 13.12.2010 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Leidig

    Steigende Kosten sind nicht nur negativ.... Warum auch wenn der Verbraucher die 80% Aufwand für 20% Mehrleistung 100% allein trägt. Oder besser, uns allen die Kosten für pharmaINDUSTRIELLE Entwicklungen auferlegt werden... Krankenkassenwechsel ist ein Symbol des Wiederstandes. Auch wenn es gar nichts bringt... Wettbewerb funktioniert anders als ständig die gleichen Angebote kollektiv neu zu verpacken und zu höheren Preisen wieder zu verkaufen.

  • Janus24 am 13.12.2010 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange noch ???

    Unser derzeitiges Gesundheitssystem mit seiner sich auf Medikamente und chirurgische Eingriffe stützenden Schulmedizin wird jedes Staatswesen, das dumm genug ist, sich von ihm abhängig zu machen, in den Bankrott treiben.

  • Chris am 13.12.2010 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    seid dankbar über unser Gesundheitssystem

    wer mal ernsthaft krank war, in Griechenland ins Spital musste und von der Rega nach Hause geflogen wurde, der weiss, was unser Gesundheitssystem wert ist - seid über unsere Spitäler dankbar! Schliesslicht stellen wir die Gesundheit so ziemlich an erste Stelle der Wunschliste... Oder doch lieber eine rundum Versicherung für das Auto?

    • t0m am 13.12.2010 22:22 Report Diesen Beitrag melden

      weit hergeholt

      Also um mal klar zu stellen, die Rega ist die Rega. Und nicht die Krankenkasse. Die Rega wird durch die Gönner und weitere externe Mittel finanziert. Das sind zwei Welten welche nicht mit einander verglichen werden sollten...

    • BeatCH am 14.12.2010 13:08 Report Diesen Beitrag melden

      Gesundheistsystem oder Pharamsystem?

      Klar, deshalb gibt es schon doppelt soviele unnötige Tote infolge falscher Behandlung etc als Verkehrstote. Die Toten aufgrund nebenwirkungen von Medikamenten sind noch nicht eingerechnet. Aber dafür ist ja die rendite der Pharmaaktien am höchsten

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