Umweltauflagen

02. März 2019 20:44; Akt: 02.03.2019 20:50 Print

Autobauer lassen beliebte Kleinwagen sterben

Kleinwagen gehören zu den beliebtesten Autos. Doch neue Umweltauflagen bedrohen die Kleinen. Hersteller schliessen bereits Werke.

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Schaut man auf die Bestseller im weltweiten Automarkt, fällt eines schnell auf: Kleinwagen sind sehr populär, in vielen Ländern stehen sie an der Spitze der Verkaufscharts.

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Auch in der Schweiz sind kleinere Modelle wie der VW Polo seit Jahren sehr gefragt. Das ist kein Zufall: Als Einstiegs-, Stadt- oder Zweitauto sind die kleinen Flitzer perfekt. Zudem bewegen sie sich preislich auf einem Niveau, das für fast alle zugänglich ist.

Ein optimales und zukunftsfähiges Konzept, so möchte man meinen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Kleinwagen sind sozusagen vom Aussterben bedroht. Hersteller wie Opel haben kleine Stadtflitzer wie Adam oder Karl eingestellt, Nachfolgermodelle wird es voraussichtlich nicht geben.

Zudem hat der französische Konzern Peugeot angekündigt, bis 2021 ein zusammen mit Toyota betriebenes Werk in Tschechien zu schliessen, wo Kleinstwagen wie Citroën C1, Peugeot 108 und Toyota Aygo produziert werden. Und das ist erst der Anfang.

Teure Aufpreise

Die Gründe dafür sind vielfältig. An erster Stelle stehen Umrüstungen, die im Zusammenhang mit den verschärften Schadstoff-Grenzwerten anfallen dürften. Denn in Zukunft werden Autos mit Verbrennungsmotoren wegen ihrer aufwendigeren Abgastechnik deutlich teurer.

Niedrigpreisige Modelle spüren das stärker als andere. Angenommen, ein Auto kostet 18'000 Franken, bedeutet ein Aufpreis von 3500 Franken für die neue Abgasreinigung – mit diesem Aufpreis rechnet man bei VW – eine Preiserhöhung von fast 20 Prozent.

Besonders im Einstiegssegment ist deshalb umstritten, ob die grossen Hersteller dort überhaupt noch Geld verdienen können. Die drohende Entwicklung sähe dann so aus: Das Angebot an Kleinwagen wird schrumpfen, die Preise werden gleichzeitig steigen. Das ist weder für die Konzerne noch für die Kunden eine sonderlich attraktive Aussicht.

Kommt hinzu, dass auch der anhaltende Kompakt-SUV-Boom dem Kleinwagen-Segment zusetzt. Zumal die Gewinnmargen bei diesen Modellen deutlich grösser sind. Fiat Chrysler hat denn auch bereits 2017 das Aus von kleineren Modellen wie dem Dodge Dart beschlossen und eine Fokussierung auf PS-starke Pick-up-Trucks und SUVs angekündet. Den Kleinwagen-Markt hingegen überlässt man zumindest in den USA lieber den japanischen Autoherstellern.

Angstmache oder echte Bedrohung?

Worin sich mittlerweile alle einig sind: In Zukunft fährt man vornehmlich elektrisch. Doch auch das sind keine guten Aussichten für kleine Autos. Denn die Umrüstung auf E-Antriebe ist für sie im Verhältnis besonders teuer. Vor allem die Batterien schlagen auf den Preis.

Tatsächlich rechnet VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wegen des Umstiegs auf Elektroautos mit stark steigenden Preisen für Kleinwagen, wie er kürzlich gegenüber der Zeitung «Welt am Sonntag» sagte: «Das heutige Preisniveau ist nicht zu halten, wenn diese Autos mit Elektromotoren ausgestattet werden.» Im Kleinwagen-Segment komme es deshalb «ganz unweigerlich zu erheblichen Preiserhöhungen».

Das sei nur Panikmache der Industrie

Allerdings: Nicht alle wollen dem Untergangsszenario vom Ende der Kleinwagen Glauben schenken. Das sei Panikmache der Industrie, um die CO2-Vorgaben aus Brüssel zu attackieren, so der Tenor.

Der «Bild»-Zeitung sagte der deutsche Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer: «Elektroautos als Kleinwagen werden nach 2025 mit 250 bis 300 km Reichweite eher bei 15'000 Euro als 20'000 Euro liegen. Und bei den Benzinern mit Hybrid werden die Preise auch nicht davonlaufen. Wir werden noch viel Wettbewerb im Kleinwagenmarkt sehen».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 02.03.2019 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Benziner

    ohne Turbo und mit geringem Verbrauch haben eine gute Ökobilanz. Die Schliessung der Werke hat wohl eher finanzielle oder strategische Gründe.

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  • Nosedive am 02.03.2019 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Occasion kaufen

    Kauft man sich halt eine Occasion. Dann muss man sich nicht den unerwünschten Trends der immer unsympathischeren Autobauer fügen.

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  • Sunpower Blackout am 02.03.2019 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn das Stromnetz tot ist

    Wenn das Stromnetz nachts tot ist, dann nützen dir auch deine Solarzellen auf dem Dach nichts. Bleib vernünftig und bleib bei deinem Verbrenner. E-Autos haben noch viel zu viele Nachteile und die einzigen die da profitieren ist die E-Auto-Lobby.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Raymond Kurt am 05.03.2019 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ach

    Jeder ist plötzlich der Autoexperte. Viele denken mit einem E-Auto verbessern sie die Welt. Hahaha Bitte schaut wirklich für uns Junge indem Ihr wirklich was tut. Bitte fliegt weniger importiert nicht so viel, Kreuzfahrten eine absolute Katastrophe. Aber ist halt mühsam, besser einen auf Öko machen mit dem 3Tonnen Tesla. Lachhaft. Der Ottonormalverbraucher merkt es nicht einmal, dass er mit der CO2 Steuer über den Tisch gezogen wird. Gruss Junger nachdenklicher Mensch

  • Mr. Goodkat am 04.03.2019 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adjeu Europa

    Strom Autos sind eine Farce und weisen in die komplett falsche Richtung. Von Umwelt vertröglicher keine Spur. Zukunft hat der immer weiter entwickelte und effizientere Verbrennungsmotor, sowohl als Benziner wie auch als Diesler. Leider werden ubs täglich enorme Lügen aufgetischt, um die Strom-Autos fördern zu können. Strom und Klima ist die neue Religion in Europa. Kein Wunder, musste nach Ersatz gesucht werden, da kaum noch jemand (zurecht!) an das Märchen mit Gott glaubt. Leider glauben nun die Europäer (und Westler) an das nächste Märchen. So ist halt Europa und so schafft sich Europa, jedenfalls wirtschaftlich, definitiv selber ab.

  • Automobiler Adipositas am 04.03.2019 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abspecken bitte

    Was ist denn heute noch ein Kleinwagen? Ein Mini? Es muss wohl alles mindestens 1,5 t schwer sein. Und mit den Batterien wird es noch schlimmer.

    • Illumination am 04.03.2019 21:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Automobiler Adipositas

      Aktuell wiegt 1 kWh Li-Ion Akku mindestens 6 kg - ein 50 kWh Akku also mindestens 300 kg - und so etwa das Maximum betreffend Gewicht und Platz bei Kleinwagen, mit praxiskonformen Reichweiten um 250 km +/-.. Grössere Li-Ion Akkus kommen konstruktiv kaum mehr in Frage, kleinere Akkus haben mickrige Reichweiten - das ist die Crux bei E-Kleinwagen..

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  • Cocitoni am 04.03.2019 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Name Falsch.

    Zu denn Bildern von Opel. Da wurden die Namen verwechselt. Der Adam und Karl.

  • Herr Maier am 04.03.2019 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profit

    Hier geht es nur um Profit. Ein SUV muss die gleichen Normen einhalten wie ein Kleinwagen. Der SUV wird als erstes Fahrzeug mit neuer Technik kommen. Umweltschutz und SUV bauen geht nicht auf.