Airbus vs. Boeing

25. Februar 2011 14:37; Akt: 01.04.2011 14:50 Print

Streit um Flugzeugaufträge spitzt sich zu

Airbus ist beim Milliardenauftrag für die US-Luftwaffe leer ausgegangen. Den Zuschlag für 179 Tankflugzeuge erhält Boeing. Die Europäer zweifeln an der Fairness der Vergabe.

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Computermodell eines Boeing-767-Tankflugzeugs (Bild: Keystone)

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Es ist der Jahrhundertdeal mit der US Air Force, um den der europäische Airbushersteller EADS und der US-Fabrikant Boeing seit 2003 kämpfen. Heute ist klar: Die Regierung Obama hat den rund 35 Milliarden Dollar schweren Auftrag an den «Haus- und Hoflieferanten» Boing vergeben. Dank Folgeaufträgen über Jahrzehnte könnte das ganze Geschäft auf 100 Milliarden Dollar wachsen.

Für die Europäer ist der Entschied aus Washington purer Patriotismus und Förderung eines der letzten verbliebenen US-Luftfahrtindustriekonzerne. Sie sehen den Grund für die Auftragsvergabe in der Lobbyarbeit von US-Politikern und der Medien. Anderer Ansicht ist das US-Verteidigungsministerium: Es hält die Tankflugzeuge aus dem Hause Boeing für den «klaren Gewinner».

Deutschland zweifelt

Die Unterlegenen wollen den Entscheid nicht einfach akzeptieren und haben Zweifel an der Auftragsvergabe geäussert. Es bleibe ein bitterer Nachgeschmack, weil nicht ganz klar ist, ob es tatsächlich ein faires Verfahren gegeben habe, so der Luftfahrtkoordinator der deutschen Regierung, Peter Hintze, zur Nachrichtenagentur Reuters. Man werde jetzt analysieren und hoffe, dass das Verfahren tatsächlich fair gewesen sei. Laut «Finacial Times Deutschland» will Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht intervenieren. «Für die Kanzlerin gibt es derzeit keinen Bedarf zu handeln», sagte ein Regierungssprecher.

Für Deutschland steht viel auf dem Spiel: Der Europäische Flugzeugkonzern EADS war im Jahr 2000 aus der deutschen DASA, der französischen Aérospatiale-Matra und der spanischen CASA hervor gegangen und beschäftigt einen grossen Teil seiner 113 000 Mitarbeiter in Deutschland. Der europäische Flugzeugbauer hätte über Jahrzehnte vom US-Militärauftrag profitiert und damit die Abhängigkeit vom stark schwankenden Zivilluftfahrtgeschäft verringert.

Besser im Kriegseinsatz

EADS hat die Möglichkeit die Vergabe innert zehn Tagen anzufechten. Ob der Konzern davon Gebrauch macht, ist noch offen. Experten sind sich einig: Das Angebot für die 179 Tankflugzeuge der Europäer sei kaum teurer gewesen. Zudem hätte das das Modell von EADS bei der Bewertung der Leistungsfähigkeit aufgrund seiner Grösse im Kriegsfall besser abgeschnitten. Das Tankflugzeug von EADS basiert auf dem Airbus A330 und steht bereits bei verschiedenen Luftwaffen im Einsatz. Boeing offerierte hingegen eine Neuentwicklung eines Flugzeuges auf Basis des Typs 767, was EADS stets als «hochriskantes Konzeptflugzeug» bezeichnete.

Hoffnung macht den Europäern laut «Financial Times Deutschland» der Rüstungsexperte Winslow Wheeler vom Center for Defense Information: Die Entscheidung Washingtons sei noch nicht endgültig. Es handle sich um einen weiteren Akt in einem Drama. Eine wichtige Rolle schreibt Winslow den Politikern des Bundesstaats Alabama zu, die an höchster Stelle gegen den Entscheid opponieren dürften. EADS plante, im Falle einer Auftragsvergabe in Alabama die Flugzeugmontag aufzubauen und dort 50 000 Personen zu beschäftigen.

Ewiges Hickhack

Tatsache ist: Die US-Regierung hat im Streit um die Auftragsvergabe ihre Entscheide immer wieder umgeworfen. Der heute bekanntgegebene Entscheid war bereits der dritte Anlauf zur Vergabe des Riesengeschäfts. Das erste Mal (2003) siegte Boeing, das zweite Mal (2008) EADS. Vor zehn Jahren wollten die USA den Grossauftrag für den Ersatz ihrer Tankflugzeuge aus den Fünfzigerjahren noch ohne Ausschreibung dem US-Konzern Boeing zuschanzen. Nach Bestechungsvorwürfen gegen Boeing und Mitarbeiter der US-Regierung wurde der Auftrag schliesslich weltweit ausgeschrieben.

(sas)