Radio-TV-Verkauf

15. April 2011 07:16; Akt: 15.04.2011 09:34 Print

Strohmann oder Dealmaker?

von Sandro Spaeth - Wer kauft Tele Züri und Tele Bärn? Seit Mittwoch ist klar: Interessiert ist auch Medienanwalt Martin Wagner. Es stellt sich die Frage, ob für die SVP oder fürs Geschäft.

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Wer kauft die TV- und Radiostationen von Tamedia: Christoph Blocher (links) oder Martin Wagner (rechts)? (Bild: Keystone)

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Die Casino-Betreiber-Firma Escor will von Tamedia (zu der auch 20 Minuten Online gehört) die TV- und Radio-Sparte kaufen, schrieb am Mittwoch die Handelszeitung. Bisher galt einzig Ringier als offizieller Interessent. Daneben gab es Spekulationen, SVP-nahe Kreise um Christoph Blocher oder um den Autoimporteur Walter Frey würden sich um Tele Züri, Tele Bärn und Co. bemühen.

Die Casino-Betreiber-Firma Escor gehört dem Medienanwalt Martin Wagner. Er ist eine der schillerndsten Figuren in der Schweizer Medienlandschaft. Im Februar 2010 schnappte der 51-Jährige der NZZ Gruppe die Basler Zeitung (BaZ) vor der Nase weg. Wagner hielt 25 Prozent, der Tessiner Financier Tito Tettamanti 75 Prozent. Die BaZ driftete in der Folge deutlich nach rechts: Chefredaktor wurde Ex-Weltwoche-Redaktor und Blocher-Biograf Markus Somm. Zudem erhielt die Blocher-Firma Robinvest ein Beratungsmandat.

Nähe zu SVP

Wagner, Mitglied der Wirtschaftsbosse-Vereinigung «Club zum Rennweg», gilt als bürgerlich. Er war unter anderem Verwaltungsrat der Swissfirst Bank (06/07) und sitzt seit 2008 gemeinsam mit Roger Köppel im Verwaltungsrat der Köppel Holding, der Besitzerin des «Weltwoche»-Verlags. Der Titel hat sich seither als SVP-Kampfblatt positioniert. «Wagners SVP-Nähe ist unbestritten», sagt Medienjournalist Rolf Hürzeler zu 20 Minuten Online.

Das Interesse des Medienanwalts an den Tamedia-Sendern ist laut Hürzeler ein weiterer Mosaikstein in der SVP-Strategie: «Blocher würde Wagners Schachzug mit Sicherheit gelegen kommen.» Seit Jahren versucht der Alt-Bundesrat, Zeitungen und Radiosender unter seine Fittiche zu bekommen. Beispielsweise interessierte er sich für den Kauf der Belcom AG, sass im Verwaltungsrat von Medien Z, deren Radiosender Eviva einst die SVP-Algisgütli-Tagung live übertrug und wird immer wieder mit der «Weltwoche» in Verbindung gebracht.

Der Dealmaker

Ist Wagner Blochers Strohmann? «Es ist müssig darüber zu spekulieren», sagt Hürzeler. Wie im Fall «Weltwoche» würde es wohl nie gelingen, die Verbindung nachzuweisen. Klar ist: «Wo Wagner einstieg, gab es eine Rechtstendenz», so Hürzeler. Anderer Meinung ist Medienexperte Kurt W. Zimmermann: «Wagner ist unabhängig und sicher kein Ideologe.» Ein Strohmann sei Wagner auf keinen Fall, das würde sein Ego nicht zulassen, Wagner sei ein Dealmaker.

Auch Wagner selbst stellt im Gespräch mit 20 Minuten Online eine SVP-Nähe klar in Abrede und betont, dass er als BAZ-Chefredaktor eine andere Lösung als Markus Somm vorgesehen hatte. Bekäme er den Zuschlag für die Sender, würde es keinen Rechtsrutsch geben. «Ein Sender muss frei sein von einer politischen Agenda.»

Kein Geld mit TV allein

Wagner verfolgt laut eigenen Angaben keine politischen Ziele. Für ihn sind die Sender eine Strategie zur Diversifizierung. Er will neben seinem Casino- das Entertainment-Geschäft ausbauen. «Die Sender sind für uns willkommene Distributionskanäle», so Wagner. Für sich alleine seien die Sender nicht rentabel. «Baut man sie hingegen in ein bestehendes Multimedia-Geschäft ein und setzt auf ein junges Publikum, sind sie langfristig profitabel.»

Schaut man in Wagners Vergangenheit, trifft Kurt W. Zimmermanns Einschätzung, der Medienanwalt sei ein Dealmaker, ins Schwarze. Im Jahr 2002, als die Jean Frey AG mit «Beobachter», «Weltwoche» und «Bilanz» zum Verkauf stand, fädelte Wagner einen Deal mit der Swissfirst Bank ein und schnappte den Verlag Ringier vor der Nase weg. Die Bank war laut «Tages-Anzeiger» jedoch nur die «Strohbank» aus dem rechtsbürgerlichen Lager. Der einzige Name, welcher beim Deal bekannt wurde, war jener des Financiers Tettamanti.

Die «Weltwoche» ging später an Roger Köppel, «Beobachter» und «Bilanz» an Axel Springer Schweiz, wo Wagner noch heute im Verwaltungsrat sitzt. Das Handtuch geworfen hat der Medienanwalt hingegen bei der Basler Zeitung: Ende November 2010 stiegen der Medienanwalt und Tettamanti bereits wieder aus und verkauften zu einem nicht genannten Preis an Crossair-Gründer Moritz Suter.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christian Rusch am 15.04.2011 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt geht das wieder los

    Oh je! Jetzt geht das wieder los. von den 50 linksgerichteten Radiostationen könnte einer abweichen.

    einklappen einklappen
  • Jacky M. am 15.04.2011 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Uiuiui...

    Das ist ja erschreckend! Wieviele sich gerne von linken Medien berieseln lassen, aber sollte auch nur ein bisschen die Gefahr bestehen, dass da mal ein Sender leicht nach rechts rücken könnte, gehen die Alarmglocken los. Warum soll immer nur alles mit linken Schönwetter-Prognosen zugedeckt werden?

  • Christoph Zangger am 15.04.2011 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich ein rechter Käufer

    ...einfach so als Gegenpool für das staatliche, rote Fernsehen und Radio! Schawinski und De Weck lassen grüssen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Seher & Hörer am 16.04.2011 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schade um Gilli

    Kein Problem. Telezüri und Radio 24 sind schnell aus dem Sendersuchlauf gelöscht. Schade um Gilli. Der wurde immer besser in der letzten Zeit und macht so eine Tour sicher nicht mit.

  • hampe am 15.04.2011 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    das...

    ...alles mahnt mich an berlussconi...

  • Rohrer Martin am 15.04.2011 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Raus mit denPolitikern!

    Zum Glück schaue ich diese Sender Nie! Sind zum Glück über Satelit nicht schaubar. Sonst würde ich diese Rausschmeissen.Politiker und ihre A.... Lecker haben sich von den Medien vernhalten!

  • Willhelm Tell am 15.04.2011 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kopiert Blocher&Co. Berlusconi?

    Was ein Medienzar in unserem Nachbarland anrichten kann, wird uns eindrücklich gezeigt. Einflussnahme auf Richter inklusive. Kommt uns das nicht irgendwie im Ansatz bekannt vor? Nein Danke! Gott sei Dank sind im Herbst Wahlen. Von wegen Morgarten. Da wäre dann noch Gessler's Hut zu erwähnen. Wehret den Anfängen.

  • Jacky M. am 15.04.2011 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Uiuiui...

    Das ist ja erschreckend! Wieviele sich gerne von linken Medien berieseln lassen, aber sollte auch nur ein bisschen die Gefahr bestehen, dass da mal ein Sender leicht nach rechts rücken könnte, gehen die Alarmglocken los. Warum soll immer nur alles mit linken Schönwetter-Prognosen zugedeckt werden?