Jetzt erst recht

23. Februar 2011 22:45; Akt: 23.02.2011 22:41 Print

Strom aus Nordafrikas Wüste

von Alex Hämmerli - Trotz Aufruhr in Nordafrika und Nahost sieht Desertec sein gigantisches Wüstenstrom-Projekt nicht gefährdet. Das freut auch die ABB.

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Das Solarturm-Kraftwerk PS20 bei Sevilla dient als Vorbild für das Megaprojekt von Desertec. (Keystone)

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500 Milliarden Franken: So viel will die «Industrie-Initiative Desertec» in den kommenden 40 Jahren in Solarstromanlagen in Nordafrika und Nahost investieren. Das ehrgeizige Ziel: Künftig sollen ein Grossteil des örtlichen und 15 Prozent des europäischen Stroms aus der Wüste kommen. Das 2009 von grossen Industriefirmen lancierte Projekt ist schon länger umstritten. Jetzt werden die kritischen Stimmen noch lauter. Ist es vernünftig, Milliarden-Summen in eine politisch instabile Region zu investieren? Ist Europas Traum vom Wüstenstrom schon Geschichte, noch bevor das erste Kraftwerk ans Netz geht?

Solche Zweifel lässt man bei Desertec jedoch nicht gelten. Der Vorstandsvorsitzende Paul von Son macht klar, dass das Projekt weiter vorangetrieben wird, zumal die wirtschaftliche Zusammenarbeit zur Stabilisierung der Region beitrage. Konkrete Pläne gibt es auch schon: 2012 werde der Spatenstich für eine grosse Solarstromanlage in Marokko erfolgen. Der erste Strom soll 2015 fliessen. Auch beim Schweizer Elektrotechnik-Konzern ABB ist man zuversichtlich: «Wir sind immer noch mit Herzblut bei diesen Mega-Projekt dabei», so Sprecher Thomas Schmidt. Nicht zuletzt wegen der guten Geschäftsaussichten bei der Stromübertragung habe man erst gerade mehr als 100 Millionen Franken in den Ausbau der Fabrik in Lenzburg investiert. ABB stellt dort besondere Halbleiter her, die es erlauben, Strom über tausende Kilometer mit minimalen Übertragungsverlusten zu transportieren.