Weihnachts-Artikel

25. Dezember 2009 11:24; Akt: 25.12.2009 11:24 Print

Süsser die Kassen schon klingelten

von Peter Blunschi - Die Weihnachts-Hauptstadt der Welt befindet sich nicht am Nordpol oder im Erzgebirge, sondern in China. Die Stadt Yiwu liefert einen grossen Teil des Weltbedarfs an Weihnachtsartikeln. In der Krise leidet auch dieses Geschäft.

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Ein Laden in der Yiwu International Trade City.

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In Yiwu ist das ganze Jahr über Weihnachten. Die rund 250 Kilometer südwestlich von Schanghai gelegene Stadt ist das weltweite Zentrum der Hersteller von Weihnachtsmännern, Christbaumkugeln und Glitzergirlanden. Rund 80 Prozent aller Weihnachtsdekorationen werden im Reich der Mitte produziert. Yiwu allein deckt 50 Prozent des europäischen Bedarfs und einen noch grösseren Anteil des amerikanischen Marktes ab.

Das Geschäft mit dem Fest der Besinnlichkeit und des Kommerzes hat Wohlstand gebracht, das Pro-Kopf-Einkommen in Yiwu liegt gemäss «Süddeutsche Zeitung» mit rund 4500 Franken pro Jahr um 82 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Kein Wunder, steigt die Zahl der Weihnachtsschmuck-Produzenten stetig an. Doch mit der weltweiten Krise harzt das Geschäft. In der Regel kommen die Einkäufer im Sommer. Dieses Jahr wurden viele Bestellungen erst in letzter Minuten getätigt.

Weniger und vorsichtiger eingekauft

Was nichts daran ändern dürfte, dass die Umsätze vieler Hersteller um 30 Prozent und mehr einbrechen werden. «Viele letztes Jahr von den Europäern und Amerikanern gekaufte Artikel waren nicht ausverkauft. Deshalb haben sie dieses Jahr deutlich weniger und vorsichtiger eingekauft», sagte Wang Qiaoling dem «Guardian». Sie betreibt einen Laden in der Yiwu Internationale Trade City, dem angeblich weltgrössten Grosshandels-Markt, in dem auch, aber längst nicht nur Weihnachtsartikel verkauft werden.

Weil diese nicht zu den lebensnotwendigen Bedarfsgütern gehören und zudem nur schwer in andere Weltgegenden verkauft werden können, ist die Branche von der Krise besonders hart betroffen. In der Provinz Guandong, einer anderen Branchen-Hochburg, mussten laut «China Daily» in diesem Jahr 55 Prozent aller Weihnachts-Fabriken dicht machen. Vor allem der Export in die USA ist stark eingebrochen.

Neue Märkte erschliessen

Wer sich behaupten will, versucht zu diversifizieren, etwa mit Osterhasen und Halloween-Masken. Oder er sucht neue Märkte. Die Yiwu Spaceflight Craftwork Co., die trotz ihres Namens in erster Linie Weihnachtsartikel produziert, hat nach Lateinamerika expandiert und den Umsatz im Krisenjahr um 30 Prozent steigern können.

Immer wichtiger werden auch nichtchristliche Regionen, allen voran der chinesische Binnenmarkt und andere asiatische Länder. «Es liegt im Trend, Weihnachten zu feiern», sagte Wu Jun, eine Herstellerin von künstlichen Christbäumen, gegenüber CNN. Dabei gilt die Devise: Je kitschiger, desto besser. Gute Aussichten für die Produzenten in Yiwu.