Abgang hat Konsequenzen

10. Juni 2011 10:37; Akt: 10.06.2011 17:47 Print

Sulzer-Chef tritt zurück – Die Aktie taucht

Die Börse reagierte prompt: Der überraschende Wechsel an der Konzernspitze von Sulzer hat bei der Aktie einen Kursrutsch ausgelöst.

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Analysten beschreiben den abtretenden Sulzer-Chef Ton Büchner als «messerscharfen Analytiker und umsichtig agierenden Manager». (Bild: Keystone)

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Sulzer-Konzernchef Ton Büchner verlässt das Unternehmen Ende des laufenden Jahres. Der Niederländer wechsle zum Beschichtungs- und Spezialchemiekonzern AkzoNobel und werde dort Konzernleiter, gab Sulzer am Freitagmorgen überraschend bekannt.

Mit Büchner verliert der Technologiekonzern Sulzer einen langjährigen Mitarbeiter: Der heute 45-Jährige trat 1994 in das Winterthurer Unternehmen als strategischer Entwickler ein und arbeitete sich bis 2007 zum Konzernchef hoch.

Er leitete vor seiner Ernennung zum Konzernchef zwei Konzerndivisionen, unter anderem auch die umsatzstärkste Division Sulzer Pumps, die Pumpen und Hydraulikprodukte herstellt. Er hatte die Division von 2003 bis 2007 umfassend restrukturiert.

Der Umsatz der Division kletterte in dieser Zeit von 870 Mio. Fr. auf 1,733 Mrd. Franken. 2010 setzte Sulzer in dieser Division 1,576 Mrd. Fr. um, die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes.

Büchner führte Sulzer durch Krise

Als Konzernleiter leitete Büchner ab Mitte 2009 umfassende Sparmassnahmen ein. Im Zuge der Finanzkrise gab er den Abbau von 1400 Stellen bekannt. Per Ende 2010 waren weltweit noch rund 14 000 Personen bei Sulzer beschäftigt.

Büchner war bei Sulzer aber nicht nur Sanierer, sondern verfolgte auch eine konsequente Wachstumsstrategie. Er habe den Industriekonzern mit vielen Akquisitionen verändert und verstärkt, schreibt Sulzer. Zuletzt wurde die Übernahme des schwedischen Pumpenherstellers Cardo für 858 Mio. Fr. bekannt, die noch 2011 abgeschlossen sein dürfte.

Nicht nur für Sulzer, sondern auch für die Investoren kommt die Meldung über Büchners Abgang überraschend. An der Schweizer Börse brach der Sulzer-Aktienkurs am Freitag bis nach Börsenschluss um 7,6 Prozent ein. Sulzer verliere einen «messerscharfen Analytiker und umsichtig agierenden Manager», kommentierte ein Händler den Kursrutsch.

Wechsel bedeutet Karrieresprung

Sulzer suche ab sofort nach einer geeigneten Nachfolge, sagte Sulzer-Sprecherin Verena Gölkel. Gefragt sei eine Person mit «Ingenieurshintergrund sowie Führungserfahrung in der Industrie». Es würden sowohl konzerninterne wie auch -externe Kandidaten geprüft.

Für Büchner bedeutet der Wechsel an die Spitze des niederländischen Konzerns AkzoNobel indes ein Karrieresprung. AkzoNobel erzielte 2010 einen Umsatz von 14,640 Mrd. Euro (rund 18 Mrd. Franken) und beschäftigte weltweit 55 000 Mitarbeiter. Büchner wird dort den bisherigen Geschäftsleiter Hans Wijers (60) ersetzen, der die Geschicke des Konzerns seit 2003 leitet.

In der Schweiz sind rund 200 Personen für AkzoNobel tätig. Sie stellen hauptsächlich Farben und Lacke her.

(sda)

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