Telekommarkt

13. November 2019 07:26; Akt: 13.11.2019 10:58 Print

Sunrise begräbt UPC-Deal – 50 Millionen Strafe

Die geplatzte UPC-Übernahme geht für Sunrise richtig ins Geld. Der Telekom-Anbieter erwartet Zusatzkosten von insgesamt 70 bis 75 Millionen Franken.

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Hat den Kaufvertrag mit der UPC-Mutter Liberty Global gekündigt: Sunrise. (Bild: Andrea Zahler) Eine deutliche Mehrheit der Aktionäre unterstützt den Kauf von UPC durch Sunrise nicht. Eine ausserordentliche Generalversammlung wurde deshalb in letzter Minute abgesagt. Wortführerin des Widerstands war die deutsche Grossaktionärin Freenet, die 24,5 Prozent an Sunrise besitzt. Verwaltungsratspräsident Peter Kurer erklärte: «Wir bedauern die Annullation der GV. Wir haben viel Zeit in die Gespräche mit unseren Aktionären investiert und sind weiterhin von den strategischen und finanziellen Gründen der Übernahme überzeugt». Im Februar 2019 die Ankündigung: Sunrise-CEO Olaf Swantee reisst sich UPC unter den Nagel. Obwohl es sich bei der Übernahme um einen milliardenschweren Deal handelt, bleibt erst mal alles so, wie es ist, wie Telecomexperte Ralf Beyeler von Moneyland zu 20 Minuten sagt. Da UPC vor allem im Bereich Sport-TV stark ist, wird Sunrise mit dem Kauf der Firma künftig mehr Inhalte anbieten – zum Beispiel Liveübertragungen von Eishockeyspielen. «Dank der Transaktion wird das neue Unternehmen unter dem Namen Sunrise auftreten», sagt Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold zu 20 Minuten. Der Name UPC dürfte demnach verschwinden. Durch diesen Zusammenschluss erhält die Swisscom erstmals einen mächtigen Konkurrenten. Eine Fusion wird es UPC ermöglichen, über das Sunrise-Netz günstig 5G-Dienste anzubieten, was auch den Kunden in Form von niedrigen Preisen zugutekommen könnte.

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Sunrise hat den UPC-Deal am Dienstag offiziell begraben. Gegen die Zahlung einer Konventionalstrafe von 50 Millionen Franken soll der Kaufvertrag mit UPC-Besitzerin Liberty Global nun gekündigt werden, wie die UPC-Mutter am Dienstagabend in Denver mitteilte.

Der Schweizer Mobilfunkanbieter Sunrise beantragte bei der UPC-Mutter Liberty Global demnach offiziell die Auflösung der Vereinbarung für die inzwischen geplatzte Übernahme der Kabelnetzbetreiberin.

Liberty Global gibt nicht auf

Liberty Global hofft derweil auf einen neuen Deal für seine Tochter. Das Unternehmen will der Mitteilung zufolge weiter Gespräche führen mit dem Sunrise-Verwaltungsrat respektive der grössten Sunrise-Aktionärin Freenet. Diese hatte sich im Vorfeld lautstark gegen die geplante Übernahme von UPC gewehrt. Liberty Global hält fest, eine mögliche Übernahme sei für die Aktionäre und die Schweizer Konsumenten von erheblichem Mehrwert.

Die Schweizer Kabelnetzbetreiberin nahm die Ankündigung von Sunrise zur Kenntnis. UPC werde den Wachstumsplan weiterhin umsetzen und in die Weiterentwicklung ihrer Produkte sowie in den Ausbau ihrer Kabelnetzinfrastruktur investieren, wird Severina Pascu, CEO von UPC Schweiz, in einer Mitteilung zitiert.

Streit um Preis

Im Oktober war die Übernahme von UPC durch Sunrise am Widerstand grosser Sunrise-Aktionäre gescheitert. Sunrise-Grossaktionär Freenet kritisierte unter anderem den Kaufpreis als zu hoch. Eine ausserordentliche Generalversammlung wurde in letzter Minute abgesagt, an der über die Finanzierung des 6,3 Milliarden Franken schweren Kaufs der grössten Schweizer Kabelnetzbetreiberin abgestimmt worden wäre.

Dabei legten Sunrise und Liberty fest, dass der bis 27. Februar 2020 gültige Kaufvertrag frühestens nach dem 11. November gekündigt werden kann. Sunrise erhielt gleichzeitig das Recht, den Vertrag danach gegen die Strafzahlung von 50 Millionen Franken zu kündigen. Sunrise erwartet im Zusammenhang mit der Transaktion Zusatzkosten von insgesamt 70 bis 75 Millionen Franken. Diese würden sich aus Zeichnungsgebühren (19 Millionen), Beratungs- und Rechtskosten sowie bereits angefallenen Integrationskosten (24 Millionen Franken) zusammensetzen. Davon seien 27 Millionen Franken bereits in der Rechnung der ersten neun Monate 2019 enthalten.

Damit ist ein erneuter Versuch in die Hose gegangen, im Schweizer Telekommarkt einen stärkeren Herausforderer für Branchenprimus Swisscom zu bilden. Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) untersagte vor neun Jahren die geplante Fusion von Sunrise und Orange.

(chk/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RA Dealmaker am 13.11.2019 05:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wie viel trägt das Management?

    Welchen Anteil bezahlen VR mit RA Kurrer und die GL von Sunrise an die 50 M? Alle haben sie einen fetten Bonus im Vertrag, wenn der Deal zustande käme ... Und jetzt ?

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  • Cat's Eye am 13.11.2019 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    Ausser einer Preiserhöhung (logisch, gratis wirds ja kaum sein) hätte für uns UPC Kunden erfahrungsgemäss sowieso nix rausgeschaut. Im Gegenteil ziemlich sicher.

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  • Toni am 13.11.2019 05:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    Zum Glück findet der Deal nicht statt, denn ansonsten hätte viele ihren Job berloren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ganjaflash am 13.11.2019 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Marc Mayer am 13.11.2019 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Das mag ich der Sunrise in den Hintern gönnen ....!!!

  • Johnny am 13.11.2019 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Klartext

    Bin seit 10 Jahren bei Salt. Nie Probleme gehabt. Die Swisscom hat es gut in der Schweiz. So viele Menschen die sich gewollt abzocken lassen, weil sie sich nicht trauen andere Anbieter zu testen.

    • Heinz Maier am 13.11.2019 19:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Johnny

      darf ich fragen auf wessen statistik ihre aussage beruht? kennen sie alle swisscom kunden, dass sie ein solches urteil fällen können? mit einer persönlichen meinung, was legitim ist, sollte man nicht auf die allgemeinheit schliessen

    • zum Thema Swisscom am 13.11.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz Maier

      Die meisten die ich kenne sind über 60, haben gar keine Ahnung von was es sonst auf dem Markt gibt, und wie viel sie von einem Wechsel sparen können. Es ist leider das Geschäftsmodel von Swisscom: treue Kunde so lange wie es geht abzocken

    • tomtom am 13.11.2019 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz Maier

      Er hat sich auf keine Statistik berufen, also ist ihr Kommentar schon bis dahin obsolet. Dass die Swisscom eine (fast) Monopole Stellung geniesst, ist auch ohne Statistik allgemein bekannt. Dass die Swisscom diesen Status "geniesst", ohne nennenswerte Mehrleistung zu bieten, als die Konkurrenz, ist mir ein Rätsel... Die einzige Erklärung, die ich mir dafür vorstellen kann, ist Faulheit zum Wechseln, und zu viel Geld (man kann 200-300 % sparen/Monat!!). Klar, im hintersten "Krachen" hat man mit der Konkurrenz EVENTUELL nicht volle Leistung (nicht mal mit Swisscom garantiert), aber wenn man einigermassen in der Zivilisation lebt, gibt es durchaus Alternativen.

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  • Gabi André am 13.11.2019 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sunrise

    zum Glück habe ich endlich geschafft bei Sunrise raus zu kommen. Kundenservice? Was ist das? Über gefühlte x Stunden in der Warteschleife. Inkompetenten MA, die kaum deutsch können.

  • Apostel Paulus am 13.11.2019 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bonus-Spiel

    Und jetzt?? Ist doch klar: jetzt sahnen die Verlierer ab. So geht Verluste einfahren in den Chefetagen.... Bonus ist wie Krebs...mit nichts zu stoppen.