Mega-Fusion

27. Februar 2019 22:04; Akt: 28.02.2019 02:07 Print

Sunrise übernimmt UPC Schweiz für 6,3 Mia. Fr

Sunrise zahlt 6,3 Milliarden und übernimmt die Schweizer UPC-Gruppe. Damit wollen sie zu einem stärkeren Herausforderer im Schweizer Markt werden.

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Grossfusion auf dem Schweizer Telekommarkt: Sunrise übernimmt UPC Schweiz und bezahlt dafür 6,3 Milliarden Franken. Damit soll ein stärkerer und Herausforderer für die Swisscom geschaffen werden.

Mit Sunrise und UPC Schweiz kommen zwei Unternehmen zusammen, die sich bis zu einem gewissen Grad ergänzen. Sunrise ist im Mobilfunk stark, UPC im Internet- und TV-Geschäft. Bislang war UPC Schweiz im Besitz des britischen Kabelnetzgiganten Liberty Global.

Die Transaktion stärkt die Position von Sunrise als starke Nummer zwei in den Bereichen Mobilfunk, TV, Breitbandinternet und Festnetztelefonie, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. UPC Schweiz sei mit Highspeed-Breitbandinternet und eigenem TV-Inhalt sowie einem 17'500 Kilometer langen Glasfasernetz eine «attraktive Ergänzung».

Swisscom herausfordern

Sunrise-Chef Olaf Swantee sieht die Übernahme als «grosse Chance». Die Schweiz erhalte dadurch einen stärkeren Telekomanbieter mit einer sehr guten Infrastruktur – bestehend aus dem Kabelnetz von UPC und den 4G- und bald auch 5G-Mobilfunknetzen von Sunrise.


«Wir wollen damit den Markt bewegen», sagte er am Mittwochabend zur Nachrichtenagentur AWP. Die neue Sunrise wolle zur grossen Herausforderin der Swisscom werden.

In Zahlen ausgedrückt: Bei den Mobilfunkkunden kommt Sunrise inklusive UPC auf einen Marktanteil von 24 Prozent, im Breitbandinternet auf 30 Prozent und im Fernsehgeschäft mit 1,4 Millionen TV-Kunden auf 31 Prozent.

Kapitalerhöhung

Dafür nimmt Sunrise 6,3 Milliarden Franken in die Hand und wird dafür auch neues Aktienkapital ausgeben. Konkret übernimmt Sunrise mit 3,6 Milliarden Franken einen Teil der ausstehenden UPC-Schulden.

Die verbleibenden Teil des Kaufpreises von 2,7 Milliarden finanziert Sunrise via die Ausgabe einer Bezugsrechtsemission über 4,1 Milliarden Franken. Dieser geht in bar an Liberty Global. Mit dem Rest werden bestehende Schulden in Höhe von 1,1 Milliarden getilgt.

Sunrise geht davon aus, dass der Deal im zweiten Halbjahr 2019 abgeschlossen werden kann. Die Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden werde im zweiten oder dritten Quartal 2019 erwartet. Panagiotis Spiliopoulos, Head of Research bei Vontobel, kann sich nicht gegenüber 20 Minuten nicht vorstellen, dass die Behörden einen Einwand zur Fusion haben.

Das kombinierte Unternehmen Sunrise/UPC wäre im Geschäftsjahr 2018 auf einen Umsatz von 3,17 Milliarden Franken gekommen. Zusammen kommt die Nummer zwei der Branche auf einen bereinigten Betriebsgewinn EBITDA von 1,24 Milliarden.

Im Vergleich mit der Swisscom ist die neue Firma aber immer noch ein kleiner Fisch. Der Branchenprimus erwirtschaftete im letzten Jahr knapp 11,7 Milliarden Franken Umsatz und einen Betriebsgewinn von 4,2 Milliarden.

Synergien – und Stellenabbau?

Der Käufer Sunrise verspricht sich von dem Deal Synergien bei Kosten und Investitionen von jährlich 190 Millionen Franken ab dem dritten Jahr nach Abschluss der Transaktion. Dazu kommen ab dem fünften Jahr nach der Übernahme Ertragssynergien von rund 45 Millionen Franken.

Was die Synergien für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeute, mochte Sunrise-Chef Swantee noch nicht sagen. «Dafür ist es zu früh.» Er gehe jedoch davon aus, dass die Auswirkungen für die eigentlichen Dienstleistungsabteilungen und bei den Verkaufsteams moderat sein würden. Ein Abbau sei hingegen im Management und in der Administration zu erwarten.

Bei UPC hiess es, man könne davon ausgehen, dass es bei Doppelspurigkeiten einen Abbau geben werde. «Wie dieser abläuft, ist noch offen. Der Prozess soll transparent und fair ablaufen. Die Stellen sollen mit den besten Leuten besetzt werden», sagte Sprecherin Alexandra Bini. Das Ausmass des Abbaus ist noch nicht bekannt. Das liege in den Händen von Sunrise.

Sunrise läuft es besser

Gleichzeitig mit der Übernahme publizierte Sunrise die Zahlen zum Geschäftsjahr 2018. Der Umsatz stieg um 1,2 Prozent auf 1,88 Milliarden Franken. Der bereinigte Betriebsgewinn EBITDA schrumpfte indes leicht um 1,1 Prozent auf 601 Millionen Franken.

Unter dem Strich blieb noch ein Reingewinn von 107 Millionen. Im Vorjahr hatten noch 505 Millionen Franken in der Kasse geklingelt, was dem Verkauf von 2200 Antennenmasten geschuldet war. Dieser hatte 420 Millionen Franken eingebracht. Unter Ausklammerung des Mastverkaufs stieg der Reingewinn 2018 um 3,4 Prozent.

Weniger gut unterwegs war UPC. Diese hat im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatzrückgang um 3,7 Prozent auf gut 1,30 Milliarden Franken erlitten. Grund dafür sei der härtere Wettbewerb und die Kundenentwicklung in den vergangenen Quartalen. Der operative Gewinn ist markant gefallen.

In den letzten zwölf Monaten hat UPC markant an Kunden verloren. Am grössten war der Aderlass im TV-Geschäft. Und gegen Jahresschluss hat sich die Talfahrt beschleunigt. Im vierten Quartal ist der Umsatz von UPC um 5,1 Prozent geschrumpft.

Sunrise geht denn auch davon aus, dass die finanzielle Entwicklung von UPC 2019 erneut negativ ausfallen und ungefähr auf dem Niveau von 2018 ausfallen wird. Der neue Besitzer ist aber der Meinung, dass sich die Lage von UPC danach stabilisieren wird und verweist auf operative Massnahmen wie eine neue TV-Videoplattform und Bündelangebote.

(fss/chk/sda)