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01. Dezember 2010 16:31; Akt: 01.12.2010 16:53 Print

Sunrise will allein an die Börse

Nach der geplatzten Hochzeit mit Orange will Sunrise nicht mehr mit der Konkurrentin anbändeln. Ein Ausstieg des neuen Besitzers CVC dürfte über die Börse erfolgen.

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Sunrise-Chef Oliver Steil will hoch hinaus. «Wir haben massiv ins Mobilfunk- und Festnetz investiert. Wir trauen uns zu, in den nächsten Jahren sehr erhebliche Marktanteile zu gewinnen», sagte er am Mittwoch in Zürich an der Euroforum-Tagung zum Telekommarkt Schweiz.

Mit dem jetzigem Eigentümer sei es ganz klares Ziel, Sunrise als eigenständiges Unternehmen vorwärts zu entwickeln. «Unsere ganze Planung mit dem neuen Eigentümer CVC läuft auf einen Alleingang hinaus mit einem allfälligen Börsengang in einigen Jahren», sagte Steil zu Spekulationen, dass es zu einem Neubeginn der Fusionsgespräche kommen könnte.

Verwirrung durch Interview

Die Überschrift des ersten Interviews des neuen Sunrise-Präsidenten Dominik Koechlin bezeichnete Steil als irreführend. Koechlin hatte auf die Frage, wie die Lage in zwei oder drei Jahren aussehe, erklärt, neue Fusionsgespräche zwischen Sunrise und Orange seien nicht ausgeschlossen.

«Es kommt darauf an, wie die Rahmenbedingungen dann aussehen. Der Schweizer Markt bleibt nicht bewegungslos», hatte Koechlin gesagt: Es sei durchaus möglich, dass es zu Zusammenschlüssen komme.

Steil stellte klar, dass die primäre Perspektive für Sunrise ein Börsengang sei: «Ich bin nicht in die Schweiz gekommen, um Sunrise an Orange zu verkaufen», sagte der Deutsche, der im Sommer die Führung von Sunrise übernommen hatte, am Rande im Gespräch mit Journalisten.

Kein Konsortium mit Orange

Einem Bieterkonsortium mit Orange an der anstehenden Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen im Frühling, wie es der Präsident der Eidg. Kommunikationskommission (Comcom), Marc Furrer, ins Spiel gebracht hatte, erteilte Steil eine Absage: «Ich glaube nicht, dass wir gemeinsam für Frequenzen bieten.»

Der Sunrise-Chef wiederholte seine Kritik an den Bedingungen der Auktion: Die Mindestpreise, die die Comcom festgelegt habe, seien «erstaunlich» hoch, insbesondere für die attraktiven Frequenzen im Bereich 800 und 900 Megahertz. In der Schweiz seien die Mindestpreise pro Megahertz höher als bei Auktionen in anderen Ländern.

Die Mindestpreise für 800 MHz und 900 MHz hatte die Comcom drei Mal höher festgelegt, als vom Bundesrat vorgegeben. Denn Frequenzen des ehemaligen durch die Luft verbreiteten Analogfernsehens seien begehrt, weil mit ihnen ein grosses Gebiet mit wenigen Antennen abgedeckt werden könne.

Comcom verteidigt Preise

«Ich habe Verständnis, dass Sie keine Freude haben an diesen Preisen. Damit müssen Sie sich aber arrangieren», konterte Furrer. Denn nach der UMTS-Auktion vor zehn Jahren habe man der Comcom vorgeworfen, die Konzessionen zu Spottpreisen verhökert zu haben. Damals hatten die Konzerne mit 205 Mio. Fr. kaum mehr als den Mindestpreis bezahlt.

Die Politik wolle einen anständigen Preis für die Frequenzen, die ein Gut des Staates seien, mit dem man Geld verdienen könne. Aber in Bezug auf die Nutzungsdauer bis zum Jahre 2028 sei der Preis immer noch gut, sagte Furrer: «Ich bin überzeugt, dass Netze der neuen Mobilfunkgeneration LTE in den kommenden Jahren auch unter diesen Bedingungen gebaut werden.»

(sda)