Appell an Bevölkerung

20. März 2020 11:24; Akt: 21.03.2020 08:36 Print

Läden solidarisieren sich gegen Hamsterkäufe

von Dominic Benz - In der Schweiz kam es in den letzten Tagen zu Panikkäufen. Viele Lebensmittel-Gestelle waren leergefegt. Jetzt tun sich die Detailhändler in einer Aktion zusammen.

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Für einmal tut sich die Konkurrenz zusammen: Detailhändler wie Migros, Coop, Aldi oder Denner rufen gemeinsam in Zeitungsinseraten zum Stopp von Hamsterkäufen auf. Leser-Reporterin Nadine Steingruber, die letzte Woche in der Migros Herisau einkaufen war, sagt: «Weil man nichts mehr findet, musste mir sogar eine Kollegin mit ein paar Rollen Klopapier aushelfen.» Leser-Reporterin C. R.* sagt: «Es gibt in ganz Chur kein WC-Papier mehr.» C. R. habe lediglich einen Tageseinkauf in Chur machen wollen. Hygieneartikel wie etwa Toilettenpapier waren auch im Coop Letten in Allschwil ausverkauft. Auch Frischprodukte wie Früchte sind beliebt. Das Bild zeigt laut einem Leser-Reporter den Coop Letten in Allschwil BL am Montag. Auch Fleisch ist bei den Hamsterkäufern beliebt. Auch dieses Bild zeigt laut einem Leser-Reporter den Coop Letten in Allschwil BL. Babette Sigg Frank, Präsidentin des Konsumentenforums, hat kein Verständnis dafür, dass Frischprodukte gehamstert werden. Sie vermutet, dass es zu Foodwaste kommen wird. Wenn es mit den Hamsterkäufen so weitergehe, würden Konsequenzen folgen, so Sigg Frank. Im Ausland haben diverse Läden schon Massnahmen gegen die Hamsterkäufe getroffen, etwa in Deutschland. So zeigt die Facebook-Gruppe «Sie sagt es mit Bildern» eine Mitteilung an die Kunden, die am Fenster einer Aldi-Süd-Filiale klebt. Darauf heisst es, dass aufgrund der aktuellen Situation von einzelnen Artikeln nur zwei Stück pro Einkauf abgegeben werden könnten. Gemäss der Plattform Merkur.de haben auch DM und Edeka die Stückzahl bei bestimmten Artikeln beschränkt. Swiss Retail, der Verband der mittelständischen Detailhandelsunternehmen, hat am Montag auf der eigenen Website und über ein Inserat im «Blick» dazu aufgerufen, dass die Kunden von Hamsterkäufen absehen sollen. «Die Versorgung der Bevölkerung ist nachhaltig gesichert», heisst es etwa. Auf Anfrage von 20 Minuten versichern die Schweizer Detailhändler dies. Neben vielen anderen Händlern appelliert auch Aldi an seine Kunden, keine Hamsterkäufe zu tätigen.

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Solidarität ist das Gebot der Stunde. Seit Wochen ruft der Bundesrat die Schweizer Bevölkerung auf, in der Corona-Krise zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen. Für einmal tun sich jetzt auch die Konkurrenten im Detailhandel zusammen und kämpfen gemeinsam mit einer Aktion gegen Hamsterkäufe.

In Zeitungsinseraten appellieren Coop, Migros, Aldi Schweiz, Denner, Lidl, Manor, Spar, Valera und Volg an die hiesige Bevölkerung. Zu sehen ist ein Bild von einem prall gefüllten Kühlregal mit Frischprodukten. In einer Sprechblase heisst es: «Es reicht für alle! Solidarität heisst: keine Panikkäufe.»

Es hat für alle genug

In einem kurzen Text unter dem Bild teilen die Supermärkte mit, dass der Detailhandel die Versorgung der Schweizer Bevölkerung nachhaltig gesichert habe. «Für alle sind genug Lebensmittel und Bedarfsgüter verfügbar.» Man solle sich daher solidarisch zeigen und nur vernünftig einkaufen, damit niemand leer ausgehe. Zudem bedanken sich die Unternehmen bei ihren Mitarbeitenden, die täglich für Nachschub sorgen.

In den vergangenen Tagen kam es in Schweizer Supermärkten immer wieder zu Hamsterkäufen. Viele Gestelle waren leergeräumt und Produkte wie Teigwaren, Käse, Konservenbüchsen oder WC-Papier ausverkauft. Die Empörung über solche Hamsterkäufe ist nicht nur in den sozialen Medien gross. Auch der Bund betont, ein solches Verhalten sei unangemessen und völlig unnötig.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • the Judge am 20.03.2020 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn...

    ...das die Menschen, welche sich zu Panikkäufen hinreissen lassen, nicht nur lesen, sondern auch verstehen würden, hätte ich keine Angst....weder vor einer Ausgangssperre noch vor dem Virus. Die Unvernunft unserer degenerierten Gesellschaft macht mir Angst...

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  • Juliy am 20.03.2020 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbieten!

    Verbieten sollen die das! Verbieten! Elende, egoistische Hamsterkäufer...!

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  • T.T am 20.03.2020 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohje

    Hoffe es haben mittlerweile alle kapiert... leier bezweifle ich das sogar selbst...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Olib am 21.03.2020 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der wahre Grund

    Einer hat Corona und 500 schei..en sich in die Hose vor Angst! Deshalb braucht es soviel Klopapier.

  • Die Pessimistin am 21.03.2020 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wer Hammstert

    Wer nacht Hammsterkäufe? Ah, diejenigen, die Geld haben, in grossen Wohnungen oder Häuser leben und Autos besitzen. Ich weiss, wie man in fer Natur überlebt...

  • s' Lisi am 21.03.2020 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hinschauen

    Neben all den negativen Folgen die Hamstern hat ist es auch irgendwie spannend. Es lohnt sich hinzusehen welche Gesellschaft welche Produkte hamstert. Wir und die Deutschen scheinen Klopapier auf Vorrat zu brauchen um uns sicher zu fühlen, die Amis hingegen Waffen und Munition. Franzosen und Italiener wiederum bevorzugen Wein. Anhand der Produkte lässt sich einiges über die Menschen ableiten.

  • Fränzi am 21.03.2020 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterschied der Kulturen

    Hamstern ist wohl ein menschlicher Reflex um eigene Verunsicherung zu bewältigen. Mir sind Klopapierhamsterer aber immer noch wesentlich lieber als diese Amis die jetzt Waffen und Munition hamstern.

  • Stefan am 21.03.2020 06:00 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstversorgungsgrad 60%

    Die spanische Grippe ging gut 1.5 Jahre und kam in drei Wellen. Ich denke die Geschichte wiederholt sich, eventuell auch länger, durch die Quarantenemassnahmen. Es wird sich zeigen, ob die Grundversorgung beim Coronavirus aufrecht erhalten werden kann. Der Internationale Handel wird zusammenbrechen, weil jedes Land sich am Nächsten ist. Selbstversorgungsgrad Schweiz ca. 60%. Kluger Rat Notvorrat.

    • Fridolin am 21.03.2020 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan

      Die Geschichte wiederholt sich wohl kaum. Die Rahmenbedingungen sind doch wesentlich anders. Vom besseren Gesundheitszustand der Gesamtbevölkerung bis zur Medizinaltechnik und Forschung sind die Menschen von Heute in einer viel besseren Ausgangslage. Die Ängste aber sind gleichwohl real und nehmen sogar zu.

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