Verlagerung

19. Februar 2019 06:54; Akt: 19.02.2019 06:54 Print

Swatch lässt «Swiss made» in Thailand drucken

von Sandro Spaeth - Bangkok statt Biel: Ein Teil der Zifferblätter von Swatch-Group-Uhren werden im Ausland angefertigt – «Swiss made»-Schriftzug inklusive.

Bildstrecke im Grossformat »
Der Schweizer Uhrenhersteller Swatch wirbt mit Schweizer Qualität. Den «Swiss made»-Schriftzug lässt die Firma bei einigen Uhren aber in Thailand aufdrucken. Wie 20 Minuten aus Mitarbeiterkreisen der Bieler Swatch Group erfahren hat, werden derzeit Zifferblätter für gewisse Uhren des Konzerns in Bangkok hergestellt. (Im Bild: CEO Nick Hayek) «Der ‹Swiss made›-Aufdruck auf dem Zifferblatt erfolgt nicht mehr in der Schweiz. Das ist sehr traurig», hält ein Angestellter aus der Uhrenproduktion fest. Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es bei der Swatch Group: «Weil die Kapazitäten nicht genügen, arbeiten vereinzelte Marken des mittleren Segments mit externen Lieferanten, dies allerdings in sehr beschränktem Umfang.» Einer dieser Lieferanten produziere für eine Marke der Gruppe in Thailand. Welche Marke betroffen ist, behält Swatch für sich. Die Firma betont, es handle sich um einen «marginalen Teil der Zifferblätter» dieser Marke. Zum Swatch-Imperium zählen über 15 Uhren- und Schmuck-Brands. Zum mittleren Preissegment gehören etwa Tissot, Hamilton und Certina. Die Swatch Group besitzt in der Schweiz drei Zifferblatt-Fabriken: in La Chaux-de-Fonds, in Grenchen und in Les Geneveys-sur-Coffrane im Neuenburger Jura. Der Uhrenkonzern hat seine Produktionskapazitäten in den letzten Jahren massiv erhöht. «Unser Ziel ist es, in 12 bis 24 Monaten unsere Kapazitäten weiter auszubauen, damit wir jederzeit sämtliche Zifferblätter intern in der Schweiz produzieren können», sagt ein Sprecher. «Swiss made» beziehe sich natürlich auf die gesamte Uhr, heisst es bei der Swatch Group. Somit bewege man sich klar im Rahmen der gültigen Swissness-Regeln.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Für «Swiss made» greifen Kunden gern etwas tiefer in die Tasche: bei Schokolade, bei Kosmetika, beim Käse. Besonders hoch ist die Swissness-Prämie im Uhrensektor. Worüber man in der Branche aber lieber nicht offen spricht: Nicht alle Bestandteile einer «Swiss made»-Uhr stammen zwingend aus der Schweiz.

Umfrage
Was halten Sie davon, dass Swatch den Aufdruck im Ausland macht?

Wie 20 Minuten aus Mitarbeiterkreisen der Bieler Swatch Group erfahren hat, werden derzeit Zifferblätter für gewisse Uhren des Konzerns in Bangkok hergestellt. «Der ‹Swiss made›-Aufdruck auf dem Zifferblatt erfolgt nicht mehr in der Schweiz. Das ist sehr traurig», hält ein Angestellter aus der Uhrenproduktion fest.

Eine Marke des mittleren Preissegments

Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es bei der Swatch Group: «Weil die Kapazitäten nicht genügen, arbeiten vereinzelte Marken des mittleren Segments mit externen Lieferanten, dies allerdings in sehr beschränktem Umfang.» Einer dieser Lieferanten produziere für eine Marke der Gruppe in Thailand. Welche Marke betroffen ist, behält Swatch für sich. Die Firma betont, es handle sich um einen «marginalen Teil der Zifferblätter» dieser Marke. Zum Swatch-Imperium zählen über 15 Uhren- und Schmuck-Brands. Zum mittleren Preissegment gehören etwa Tissot, Hamilton und Certina.

Die Swatch Group besitzt in der Schweiz drei Zifferblattfabriken: in La Chaux-de-Fonds, in Grenchen und in Les Geneveys-sur-Coffrane im Neuenburger Jura. Der Uhrenkonzern hat seine Produktionskapazitäten in den letzten Jahren massiv erhöht. «Unser Ziel ist es, in 12 bis 24 Monaten unsere Kapazitäten weiter auszubauen, damit wir jederzeit sämtliche Zifferblätter intern in der Schweiz produzieren können», sagt ein Sprecher. Dann brauche das Unternehmen keinen externen Zulieferer mehr.

60 Prozent der Herstellungskosten

Ist es nicht etwas delikat, wenn gerade das «Swiss made»-Logo nicht aus der Schweiz stammt? «Swiss made» beziehe sich natürlich auf die gesamte Uhr, heisst es bei der Swatch Group. Somit bewege man sich klar im Rahmen der gültigen Swissness-Regeln. Demnach müssen für eine Uhr mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen.

Laut Marken- und Swissness-Experte Stefan Vogler ist es verbreitet, dass bei «Swiss made»-Produkten verschiedener Branchen technologisch einfache Schritte im Ausland erfolgen. Für den Uhrensektor sieht er deswegen wenig Probleme: «Die meisten Kunden sind sich dessen gar nicht bewusst.» Ein Image-Problem ist laut Vogler nicht zu erwarten: «Wichtig ist, dass die Einhaltung der 60-Prozent-Regel durch die Behörden kontrolliert wird. »

Uhren – 100 Prozent Swissness-Prämie

«Swiss made» hat im Ausland einen guten Ruf. Laut der «Swissness Worldwide»-Studie der Universität St. Gallen von 2016 bevorzugten drei Viertel von fast 8000 Befragten bei gleichem Preis lieber Schweizer Markenartikel als Angebote unbekannter Herkunft. Zudem erhöht Swissness die Zahlungsbereitschaft. Über alle Produktegruppen betrug die Preisprämie 40 Prozent. Bei Luxusuhren hielten die Umfrageteilnehmer sogar eine Swissness-Prämie von bis zu 100 Prozent für angemessen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul am 19.02.2019 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon vergessen

    Es geht alles nur ums Geld.

    einklappen einklappen
  • Mr.X am 19.02.2019 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Geld Geld Geld

    Überall geht es nur um Gewinn und Geld - traurig!

    einklappen einklappen
  • Leo66 am 19.02.2019 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swiss made?

    dann ist es doch nicht mehr Swiss made diese uhren....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Analyst am 20.02.2019 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Darum kaufe ich

    Schweizer Uhren immer gleich in Thailand, viel billiger !

  • Eini am 20.02.2019 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    definition swiss made

    definition swiss made heisst nicht dass 100% alles in der schweiz produziert/gefertigt werden muss... ..Hiernach müssen nun 60 % der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen....

  • Money Made am 20.02.2019 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    So not!

    Ich bin sehr erschüttert über die Politik der Swatch-Group. Diese verlangt einen Service einer Uhr und geht nicht auf meinen Wunsch ein nur die Dichtung zu wechseln. Jetzt noch wegen Gewinnmaximierung Dinge im Ausland machen lassen.... Zum Glück gibt es Alternativen, Herr Hayek!!!! Mich haben Sie das letzte mal mit einer von Ihren Uhren gesehen.

  • Rettung am 20.02.2019 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Da gibt es wohl keine

    Dann wundert es mich nicht, dass die Aktien so in den Keller gefallen sind.

  • Remo am 20.02.2019 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Oh je

    Was denkt ihr eigentlich wie heute Sachen produziert werden? Das ist alles international so verflochten, es gibt fast nichts mehr das rein nur aus einem einzigen Land hergestellt und zusammengesetzt wurde. Und ich bin froh das Swatch immer noch so viele Leute in der Schweiz beschäftigt obwohl sie so international ausgerichtet ist.