Uhrenindustrie

08. Juni 2011 07:53; Akt: 08.06.2011 16:02 Print

Swatch haut sich selber in die Pfanne

Die Wettbewerbskommission (Weko) hat eine Untersuchung gegen die Swatch Group eröffnet. Bemerkenswert dabei: Die Untersuchung wurde von dem Schweizer Unternehmen selber initiiert.

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Swatch hat selber eine Einleitung bei der Wettbewerbskommission verlangt. (Bild: Keystone)

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Die Swatch Group will nicht mehr alle Konkurrenten mit Uhrwerken beliefern müssen. Das könnte Probleme bereiten, da der Uhrengigant der wichtigste Zulieferer der Branche ist. Die Swatch Group hat deshalb bei der Wettbewerbskommission eine Untersuchung initiiert.

Die Untersuchung solle aufzeigen, wie der Uhrenkonzern seine Lieferungen an Dritte stufenweise reduzieren könnte, teilten die Swatch Group und die Wettbewerbskommission (Weko) am Mittwoch mit. Dabei geht es um mechanische Uhrwerke und gewisse andere Einzelteile.

Dies ist laut Swatch Group im Interesse der gesamten Uhrenindustrie. «Wir wollen nicht als Supermacht wahrgenommen werden», sagte Swatch-Group-Chef Nick Hayek der Nachrichtenagentur SDA. Sein Konzern müsse heute aber alle beliefern, fügte Hayek an. «Wir möchten selbst entscheiden dürfen, welche Partner wir beliefern.»

Wenn die Swatch Group als einzige Lieferantin wegfalle, habe das eine positive Auswirkung auf die Branche. «Es ist wichtig, dass auch andere Firmen Innovationen erarbeiten», erklärte Hayek.

Vorsorgliche Massnahmen

Die Weko will nun gemäss ihrem Communiqué prüfen, ob für die Firmen, die von Swatch beliefert werden, alternative Bezugsquellen bestehen. Sollte das nicht der Fall sein, stellt sich die Frage, in welchem Zeitraum sich solche alternative Quellen aufbauen lassen.

Für die Dauer der Untersuchung hat die Weko vorsorgliche Massnahmen erlassen. Damit will die Behörde verhindern, dass der Wettbewerb auf den betroffenen Märkten nachhaltig beeinträchtigt wird.

Die Massnahmen sehen vor, dass die Swatch Group Drittkunden vorerst in vollem Umfang weiter beliefern muss. Im Jahr 2012 kann der Konzern die Lieferung mechanischer Uhrenwerke auf 85 Prozent und von sogenannten Assortiments auf 95 Prozent der Menge des Jahres 2010 reduzieren.

Die Swatch Group sei sich der Problematik ihres Vorhabens bewusst, hält die Weko fest. Deshalb habe der Uhrenkonzern von sich aus den Kontakt zur Wettbewerbsbehörde gesucht.

Im Zentrum steht demnach ein «zumutbarer Ausstiegsplan» aus der Belieferung. Konkret prüft die Weko, ob die Swatch Group mit ihrem Vorhaben gegen das Kartellgesetz verstösst, indem der Konzern allenfalls eine marktbeherrschende Stellung missbrauchen könnte.

Seit langem ein Thema

Swatch hatte bereits früher angekündigt, nur noch für sich Uhreneinzelteile produzieren zu wollen. Der Konzern rechtfertigte den Entscheid damit, dass letztlich Swatch in die Produktion investiere, während die Konkurrenz Mittel für die Werbung frei habe.

In diesem Zusammenhang hatte Swatch bereits mehrmals mit der Wettbewerbskommission zu tun. Im Jahr 2004 endete ein Verfahren mit einer einvernehmlichen Regelung. Die Swatch-Group-Tochter ETA verpflichtete sich damals, die bisherigen Kunden noch bis Ende 2010 mit Rohwerken zu beliefern.

Gegen die ETA eröffnete die Weko im September 2009 wieder eine Untersuchung. Es ging um die Frage, ob die international tätige Uhrenmanufaktur konzerneigene Marken preislich bevorzugt habe.

Dieses laufende Verfahren hat die Weko vorläufig sistiert, wie sie am Mittwoch weiter mitteilte. Der Grund ist, dass dieses Verfahren durch die neue Untersuchung massgeblich beeinflusst werden kann.

(sda)