20-Prozent-Jobs

13. Januar 2017 09:47; Akt: 13.01.2017 10:04 Print

Swiss Life will Mütter mit anderen Müttern ködern

von V. Blank - Swiss Life sucht Mütter, die für eine Provision andere Mütter als Kundinnen anwerben. Damit nutze die Versicherung die Lage der Mütter aus, findet die Frauenzentrale.

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Die Versicherung Swiss Life wirbt explizit Mütter für Vermittlerjobs an. Das Stelleninserat ... ... verspricht einen Freelance-Job in einem 20-Prozent-Pensum. Andrea Gisler, Präsidentin der Frauenzentrale Zürich, wusste nichts davon, dass sie im Inserat prominent zitiert wird. In der Annonce, die auf der Website Jobsfuermama.ch aufgeschaltet wurde, sucht Swiss Life «Mütter, die andere Mütter in ihrem Umfeld auf ihre Vorsorgesituation ansprechen und sie über ihre Möglichkeiten aufklären». Andrea Gisler, Präsidentin der Frauenzentrale Zürich, findet das Stellenangebot der Swiss Life bedenklich: «Das Unternehmen versucht auf billige Weise stellensuchende Mütter anzuwerben.» Es ist nicht das erste Stelleninserat der Versicherung, das für Kritik sorgt. In einer Ausschreibung für einen Beraterjob bei Swiss Life Select – einer Tochter von Swiss Life – ist etwa von «hervorragenden Verdienstmöglichkeiten» für Quereinsteiger die Rede. Swiss Life Select ging aus dem Finanzdienstleister AWD hervor, der vom umstrittenen deutschen Investor Carsten Maschmeyer gegründet wurde. 2007 wurde AWD an Swiss Life verkauft. Harsch kritisiert wurden an AWD unter anderem die Verkaufspraktiken. Das Logo von Swiss Life, aufgenommen an einer Medienkonferenz in Zürich am Mittwoch, 27. Februar 2013. (Keystone/Walter Bieri) Bei Swiss Life Select gibt es einen Leitfaden für Neueinsteiger, wie sie gewisse Situationen meistern – etwa die «Zauberformel», wenn der Kunde «wirklich nicht will». Im Bild ein Ausriss aus den Ausbildungsunterlagen von Swiss Life Select. (März 2016)

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Es läuft ab wie bei einer Tupperware-Party: Eine Frau lädt ihre Freundinnen ein und will sie zum Kauf der Produkte animieren. So oder ähnlich sollen auch die Altersvorsorge-Dienstleistungen der Versicherung Swiss Life beworben werden. Die Generalagentur Zürich-Limmatquai sucht per Online-Inserat «Vorsorge-Vermittlerinnen für Frauen» in einem 20-Prozent-Pensum; der Job richtet sich explizit an «Mütter, die andere Mütter in ihrem Umfeld auf ihre Vorsorgesituation ansprechen und sie über ihre Möglichkeiten aufklären», wie es in der Annonce heisst. «Wir sind offenbar die neue Zielgruppe von Swiss Life», ärgert sich 20-Minuten-Leserin D. V.*, selbst Mutter von zwei Kindern.

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Die Stelleninhaberinnen sollen laut dem Inserat Mütter an die Swiss Life weitervermitteln. Dort soll sich die potenzielle Neukundin für 350 Franken einer Vorsorge- und Finanzanalyse unterziehen. Die Vermittlerin erhält dafür eine Provision pro vermittelte Beratung. Wie hoch dieser Betrag ist, gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Analyse zum «Vorzugspreis»

Das Prinzip «Mütter werben Mütter an» ist laut Swiss-Life-Sprecher Martin Läderach sinnvoll: «Wir möchten die Mütter auf Augenhöhe ansprechen – ein Weg, sie besser zu erreichen, ist die Kontaktaufnahme über andere Mütter, die sich mit der eigenen Vorsorgesituation bereits auseinandergesetzt haben.» Es sei eine Tatsache, dass bei Frauen aufgrund von Mutterschaftspausen oder wegen familiär bedingter Teilzeitarbeit die Renten oft tiefer ausfielen als jene der Männer. Als Vorsorgeanbieter wolle man sich auf die speziellen Bedürfnisse der Frauen, speziell auch auf jene der Mütter, einstellen.

Mütter, die den Vermittler-Job haben wollen, müssen selbst eine Vorsorge- und Finanzanalyse durchlaufen – zu einem «Vorzugspreis», wie es in der Annonce heisst. «Das soll den Frauen aufzeigen, wie eine Beratung bei Swiss Life konkret abläuft», erklärt Läderach. Er weist zusätzlich darauf hin, dass die Mitarbeiterin nicht direkt bei Swiss Life angestellt ist, sondern im Rahmen einer Vermittlervereinbarung mit dem Generalagenten von Swiss Life zusammenarbeitet. Zur Vorbereitung auf den Job erhalten Kandidatinnen eine Einführung zum Thema Vorsorge. Sie dauert je nach Vorbildung ein paar Stunden.

Frauenzentrale übt Kritik

Bei der Frauenzentrale Zürich findet man das Stellenangebot der Swiss Life bedenklich. «Das Unternehmen versucht auf billige Weise stellensuchende Mütter anzuwerben», sagt Präsidentin Andrea Gisler zu 20 Minuten. Vor allem im Raum Zürich gebe es viele Frauen, die verzweifelt nach einem 20-Prozent-Job suchten. «Dieses Bedürfnis will die Versicherung ausnutzen, genauso wie das Unwissen der Bewerberinnen über die Bedingungen.»

Obwohl es sich viele Frauen wünschen – von Stellen in einem Kleinstpensum sei aus verschiedenen Gründen abzuraten, sagt die Frauenzentralen-Präsidentin weiter. Es sei paradox, dass im Stelleninserat auf die Gefahren von Teilzeitstellen mit tiefem Beschäftigungsgrad hingewiesen werde, die Stelle selbst aber nur ein 20-Prozent-Pensum umfasse. In der Swiss-Life-Annonce wird davor gewarnt, dass den Frauen, die über länge Zeit weniger als 70 Prozent arbeiten, «empfindliche finanzielle Einbussen in der Altersvorsorge» drohen.

«Damit widerspricht sich die Versicherung selbst», so Gisler. Letztlich gehe es der Swiss Life nicht um die Verbesserung der Vorsorgesituation der Mütter, sondern schlicht ums Verkaufen ihrer Produkte. Und noch etwas stösst der Frauenzentrale sauer auf: Im Online-Stelleninserat wird eingangs ein Zitat ihrer Präsidentin verwendet, in dem sie auf die schlechte Vorsorgesituation von Frauen hinweist. Informiert wurde Gisler darüber aber nicht.

Stelleninserat sorgte schon einmal für Aufsehen

Im vergangenen Jahr hatte schon einmal ein Stelleninserat der Swiss Life für Wirbel gesorgt. Die Tochterfirma Swiss Life Select bot «Jobs für Quereinsteiger» an und warb mit den «hervorragenden Verdienstmöglichkeiten». Bewerber waren damals schockiert, mit welch aggressiven Methoden sie Kunden anlocken sollten.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jessica Lüchinger am 13.01.2017 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Da geht noch mehr. War selbst ein Teil von Swisslife. Diese Firma springt mit Mitarbeitern um wie es Ihnen grad so passt. Hatte eine Temporärstelle bei Ihnen. Wegen weiterführender Schule wurde mir gekündigt. Reine Halunken welche auf kosten anderer Geld machen.

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  • Olivier am 13.01.2017 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Geld macht erfinderisch

    einmal mehr hebt sich SwissLife negativ von anderen ab und probiert Produkte durch "Schönschwätzer/-innen" an Man und Frau zu bringen, die eine Schnellbleiche von 3 Tage absolvieren und anschliessend etwas verkaufen aber nicht wirkliche eine Ahnung haben.

  • FingerWeg am 13.01.2017 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    SklavInnenhaltung?

    Sind 20% Jobs Sozialleistungspflichtig? Ist doch nur Nebenverdienst. So kann man Personalkosten einschränken und dabei billige MitarbeterInnen besser ausnützen.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mesh am 13.01.2017 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "WARE " Mensch

    .... Was die SL Angestellten an Schulungen durchlaufen müssen, viele Kosten & Auslagen selber tragen - fast kein Fixum erhalten, bis zu 17 Stunden schuften lassen - das ist traurig für eine Firma, die sich mit "Swiss" schmückt. Eigentlich können wir auf solche Heuschrecken verzichten. War mal anders - schade für die Angestellten und Kunden.

  • Gaudenz am 13.01.2017 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Methoden

    In diesem Tiefzinsumfeld, muss sich die Swiss Life neue Geschäftsmodelle einfallen lassen, Lebensversicherungen lassen sich ja kaum mehr aufschwatzen.

  • Fritz Kunz am 13.01.2017 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Hat sich nichts geändert

    Seit die Swiss Life die AWD übernommen hat, geht es mit der Abzocke munter weiter.

    • Anna am 13.01.2017 10:46 Report Diesen Beitrag melden

      Schnellbleiche

      Hausfrauen, Metzger und ewige Studenten werden jetzt mit fragwürdigen Methoden auf potentielle Kunden losgelassen, ausgebildet in einer Schnellbleiche von ein paar Tagen.

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  • Malu14 am 13.01.2017 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    diese Firma...

    Liebe Mütter, Frauen und alle anderen; lasst das euch nicht gefallen und fallt nicht darauf rein. Swiss Life ist nicht vertrauenswürdig und nur auf seine eigene Einnahmen bedacht.

  • Rosmarie Wüthrich am 13.01.2017 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    evtl. vorsätzliche Täuschung?

    So werden Verträge abgeschlossen. Ohne schlecht schreiben zu wollen....doch in meinem Bekanntenkreis gäbe es etliche Frauen die unterschreiben würden und dann voller Stolz und in gutem Glauben etwas gutes gemacht zu haben, den Vertrag ihrem Mann zeigen.