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16. Februar 2011 12:13; Akt: 16.02.2011 12:23 Print

Swisscom & Co werben auf Piraterie-Sites

von Robert Erni und Elisabeth Rizzi - Sie bewegen sich im Graubereich: Websites, die aktuelle Kinohits streamen. Ihr Erfolg zieht Werbung an – auch von Firmen, die im Prinzip von den Websites geschädigt werden.

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Ohne ihr Wissen werben Schweizer Firmen wie Citydisc.ch auf Film-Streaming-Websites im legalen Graubereich.

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Nicht selten merken Surfer gar nicht, dass sie sich auf Websites befinden, die im legalen Graubereich angesiedelt sind oder gar gegen das Urheberrecht verstossen: Vertrauenswürdige Firmen werben rund um Hollywood-Blockbuster auf Streamingseiten und verleihen diesen damit einen seriöseren Anstrich. Beispiele sind tvduck.com oder alluc.org.

Zu den werbenden Firmen gehören auch die Ferienregion Laax, der Online-Marktplatz Ricardo und Mobilfunkanbieterin Orange. Auch Swisscom, die mit Swisscom TV Filme «on demand» anbietet und zudem zahlreiche TV-Sender im Angebot hat, ist mit von der Partie. Selbst Citydisc.ch, die auf ihrem Online-Shop legal Filme und Musik anbietet, wirbt auf der Website alluc.org für ihr Geschäft. «Die Citydisc.ch-Werbung ist nicht direkt von uns geschaltet worden», rechtfertigt sich Citydisc-CEO Robert Horvath.

Auch die Swisscom ist sich der Werbung nicht bewusst. Erst auf Nachfrage von 20 Minuten Online lässt Sprecher Olaf Schulze ausrichten, dass Abklärungen aufgenommen würden.

Kaum Kontrolle möglich

Das Problem ist: Zwar sichern die Werbung schaltenden Agenturen ihren Auftraggebern zu, keine Werbung auf pornografischen, rassistischen oder illegalen Websites aufzuschalten. Aber: «Die genaue Kontrolle ist schwierig, denn wir kennen nur die Agentur und nicht die Webseiten, auf denen die Werbung aufgeschaltet wird,» sagt Horvath von Citydisc. Alle oben genannten Unternehmen waren laut eigenen Angaben nicht über die Werbungen auf den halblegalen Websites im Bild und leiten erst auf Anfrage Schritte ein, um die Werbung aus den entsprechenden Portalen zu entfernen.

Sowohl die Website-Betreiber als auch die Werbe-Agenturen haben dabei allerdings wenig zu fürchten. Denn «Das Ausnützen fremder Urheberrechtsverletzungen für eigene Werbezwecke ist sicher nicht ´die feine Art´ Werbung zu betreiben», sagt der Urheberrechtsexperte Christian Hilti von Rentsch & Partner. Solche Werbung gehöre aber möglicherweise zum Alltag auf solchen «Piraterie-Plattformen».

Keine Klage

Orange und Swisscom bestätigen etwa, dass sie zwar ihre Partneragenturen dazu veranlassen, die Werbebanner von den fraglichen Seiten entfernen zu lassen. Aber eine Klage steht weder gegen die Werbe-Agenturen noch gegen die Betreiber der Film-Websites im Raum. «Denn gerade Letztere sind wohl kaum in der Schweiz domiziliert. Das macht eine Klage schwierig. Darum unternehmen wir nichts», erklärt Swisscom-Sprecher Schulze.