Fastweb ist schuld

15. Februar 2012 07:40; Akt: 15.02.2012 16:35 Print

Swisscom-Gewinn bricht massiv ein

Schlechtes Jahr für die Swisscom: Der Gewinn ist um über 60 Prozent auf 694 Millionen Franken gesunken. Für die Schlappe verantwortlich ist unter anderem ein Milliardenabschreiber auf der italienischen Tochter Fastweb.

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Der Milliardenabschreiber auf Fastweb in Italien und die Preiserosion im Heimmarkt haben den Gewinn der Telekomanbieterin Swisscom im Jahr 2011 mehr als halbiert. Der Kundenzuwachs im Mobilfunk- und im Digital-TV-Geschäft vermochte dies nur teilweise wettzumachen.

Aufgrund des bereits im Dezember bekannt gewordenen Abschreibers von 1,2 Mrd. Fr. auf der italienischen Breitbandtochter Fastweb ist der Reingewinn der Swisscom im Jahr 2011 um 61,2 Prozent eingebrochen. Wo 2010 noch fast 1,8 Mrd. Fr. herausgeschaut hatten, waren es im abgelaufenen Geschäftsjahr nur noch 694 Mio. Franken.

Ohne den Abschreiber auf Fastweb hätte die Swisscom 2011 einen im Vergleich zum Vorjahr um 95 Mio. Fr. oder 5,3 Prozent höheren Reingewinn verzeichnet, wie Swisscom-Finanzchef Ueli Dietiker am Mittwoch an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich vorrechnete.

Der Betriebsgewinn vor Steuern (EBIT) des grössten Schweizer Telekomkonzerns reduzierte sich um 57,1 Prozent auf 1,13 Mrd. Franken. Ohne den Fastweb-Abschreiber wäre das EBIT um 2,1 Prozent gestiegen.

Sinkende Preise im Kerngeschäft Telefonie

Der Umsatz ist wegen der gesunkenen Preise im Schweizer Kerngeschäft der Telefonie sowie dem starken Franken um 4,3 Prozent auf 11,47 Mrd. Fr. gefallen. Den durch die tieferen Preise bedingten Umsatzverlust beziffert Swisscom auf 508 Mio. Franken.

Allein im Festnetzbereich seien 360 Mio. Fr. weggefallen, erklärte Swisscom-Konzernchef Carsten Schloter. Teilweise sei dieser Rückgang aber durch den Gewinn von neuen Kunden kompensiert worden.

Laut Schloter hat die Swisscom ihren Kundenstamm im Mobilfunk- Geschäft um über 220 000 neue Nutzer auf über 6 Millionen gesteigert, 2 Millionen davon sind Smartphone-Nutzer. Beim Digital-Fernsehen stieg die Kundenanzahl um 190 000 auf 608 000.

Die Preiserosion werde weiterhin ein bestimmendes Thema für die Swisscom bleiben, sagte Schloter. So geht er davon aus, dass die Bündelangebote von Telefonie, Internet und Digital-TV in drei bis fünf Jahren bereits gleich viel Umsatz erwirtschaften werden wie der klassische Geschäftsteil Telefonie, Datenverkehr und SMS.

Infrastrukturausbau wird vorangetrieben

Um diese Angebote so vielen Kunden wie möglich zugänglich zu machen, investierte die Swisscom im vergangenen Jahr 1,54 Mrd. Fr. in die Schweizer Telekommunikations-Infrastruktur, 226 Mio. Fr. mehr als im Vorjahr. 2012 sollen die Investitionen in der Schweiz noch einmal um 100 Mio Fr. erhöht werden.

Dieses Geld will die Swisscom zum einen für den Ausbau von bereits bestehenden Kapazitäten einsetzen. Gemäss Swisscom werden in den nächsten Jahren rund 6000 Mobilfunkantennen aufgerüstet, so dass bis 2015 bis zu 90 Prozent des mobilen Datenverkehrs über den neuesten Mobilfunkstandard LTE abgewickelt werden könnten.

Zum anderen investiert die Swisscom in den Ausbau von zukunftsträchtigen Projekten wie jenen des Glasfasernetzes, das einen schnelleren Datenverkehr über das Telefonkabel ermöglichen soll. Ende 2011 waren bereits 10 Prozent der Schweizer Haushalte an das Netz angeschlossen, bis 2015 sollen es 30 Prozent sein.

Für 2012 leicht tieferer Umsatz und Gewinn erwartet

Für das Geschäftsjahr 2012 erwartet die Konzernführung leicht tiefere Umsatz- und Gewinnzahlen als 2011. Dieser etwas enttäuschende Ausblick sowie der starke Gewinnrückgang haben die Aktienpapiere der Swisscom am Mittwoch belastet. Bei einem überdurchschnittlich hohen Handelsvolumen fielen sie bis 16.00 Uhr um 2,3 Prozent auf 359 Franken.

Bezüglich Fastweb geht Swisscom von keinen weiteren Abschreibern aus. Die Konzernspitze gibt sich zuversichtlich, dass Fastweb unter anderem dank Kosteneinsparungen von 120 Mio. Fr. - darunter fallen auch Entlassungen - wieder Tritt fassen wird. Die Partnerschaft mit dem Fernsehsender Sky Italia bei Satelliten-TV und Breitband-Internet soll zudem neue Kunden generieren.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chrigi am 15.02.2012 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hohe Preise

    wann wird Swisscom billiger?? hohe Gewinne mit hohen Preisen!!! Kein Wunder.

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  • Fridel Bolt am 15.02.2012 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wussten alle außer Carsten

    Das war ja schon von Beginn weg völlig klar das dieses Abenteuer schief läuft , es wird noch schlimmer kommen. Carsten Schloter sollte freiwillig zurücktreten, in jeder 'Normalen' börsenkotierten Firme müsste er jetzt gehen, allerdings sind Bundesbetriebe extrem tolerant mit Fehlleistungen an der Spitze...

  • Reto am 15.02.2012 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Starken Franken als Ausrede

    Ich frage mich, wie alle Unternehmen es gemacht haben, als jedes Land noch seine eigene Währung hatte. Der Franken war auch eine der stärksten Währungen überhaupt und niemand reklamierte. Jetzt aber melden alle einen Rückgang im Gewinn weil der starke Franken den Export schadet. Das ist doch eine Frechheit!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kimi am 15.02.2012 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Wer in einem schlechten Jahr 694 Millionen Gewinn macht, der hat kein Problem.

  • Martin Müller am 15.02.2012 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    -Fastweb

    Ohne Fastweb = kein Swi$$comTV... Naja wäre überhaupt nicht schlimm. Bei mir würde das sowieso nicht funktionieren... Unser Pösteler würde sich weniger ärgern über die Boxen welche er immer wieder den SCTV Kunden bringen muss weil es eben doch nicht so super ist... Doch die Box ist es ja nicht, sondern das Schwache Signal!

  • Daniel am 15.02.2012 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Jammern auf absolut höchstem Niveau

    Lustig, wie hier gewisse Leute via Mobilephone ihre Kommentare über Telcom Firmen abgeben. Mobildienste sind freiwillig. Der Preis richtet sich grundsätzlich nach der Nachfrage. Wer das nicht will, kann ja anstelle von Mails versenden Brieftauben züchten und Social Media durch persönliche Kontakte ersetzen. Aber eben, jammern auf absolut höchstem Niveau ist halt geiler, als zu handeln. Nur leider nicht gerade konsequent.

  • s.k. am 15.02.2012 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    wechselkurs

    ist der wechselkurs daran schuld?

  • P. Muster am 15.02.2012 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hunterstrategie?

    Kommt bald das Grounding der Swisscom durch zu grosse Engagements im Ausland wie bei der Swiss? Übernimmt dann die Deutsche Telekom die Swisscom und sie heisst dann neu auch Swiss? Naja. Immerhin Gewinn. Gewinn ist Gewinn. Besser als Verlust. Und trotzdem sind die Tarife noch zu hoch.