Informeller Umgang

03. August 2015 18:31; Akt: 03.08.2015 20:46 Print

Swisscom duzt Bewerber selbst bei Absagen

von K. Wolfensberger - Bei der Swisscom herrscht intern eine Du-Kultur. Nun geht das Unternehmen einen Schritt weiter: Es spricht auch Bewerber mit Du an. Das kommt nicht überall gut an.

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Eine Absage auf eine Stellenbewerbung zu erhalten, ist keine angenehme Sache. Auch nicht für 20-Minuten-Leser F.Z.* Vor kurzem bewarb er sich beim Schweizer Telekom-Riesen Swisscom um eine Stelle. Er bekam sie nicht. Doch was ihn dabei am meisten störte: Die Human-Resources-Assistentin, die Z. die Absage zuschickte, duzte ihn konsequent. «Ein Wunder, dass mir die Frau nicht gleich ein Whatsapp geschickt hat», ärgert sich Z.

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Alle Mitarbeitenden seien per Du, gibt die Swisscom zu diesem Thema bekannt. «Vom Lernenden bis zur Top-Managerin begegnen wir uns auf Augenhöhe», schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Dass auch externe Bewerber geduzt werden, scheint aber trotzdem eher ungewöhnlich zu sein.

Teil der Firmenkultur

Pressesprecher Sepp Huber erklärt 20 Minuten, weshalb Swisscom so vorgeht: «Die direkte Du-Ansprache steht dafür, dass wir dynamisch, innovativ und modern sind.» Das Du sei ein wichtiger Teil und ein Ausdruck der Firmenkultur, die das Unternehmen über Stelleninserate auch nach aussen tragen wolle. «Wir duzen auch Bewerber im Bewerbungsgespräch und bringen ihnen so unsere Kultur näher», so Huber. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht. Die Regel gelte bereits seit November 2013, allerdings nur für die Deutschschweiz. In der Romandie wäre sie laut Swisscom aus kulturellen Gründen fehl am Platz.

Der Konkurrenz ist mit dem Du weniger offensiv. So kommuniziert Sunrise während des gesamten Rekrutierungsprozesses mit den Bewerbern per Sie. «Wir sind überzeugt, dass viele Personen die Ansprache per Du in diesem Kontext als unpassend empfinden würden», sagt Mediensprecher Markus Werner zu 20 Minuten. Ist eine Person einmal angestellt, gilt aber auch bei Sunrise die Duzis-Regel. Ähnlich läuft dies auch beim dritten grossen Schweizer Telekom-Anbieter Salt ab. Erst im Begleitbrief zum Vertrag – also nach erfolgreichem Abschluss des Bewerbungsprozesses – werden Kandidaten erstmals geduzt, erklärt Mediensprecherin Therese Wenger.

Kritik vom Experten

Bei Gery Brüderlin, Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, kommt das Vorpreschen der Swisscom beim Thema Duzis nicht gut an. Zu 20 Minuten sagt er: «Während es die Freiheit eines Unternehmens sein muss, seine kulturelle Ausrichtung auf den Umgang aller Mitarbeitenden untereinander zu fokussieren, betrachte ich dagegen die Ausweitung einer Du-Kultur auf Bewerber als fragwürdig.» Es handle sich dabei um das Aufzwingen einer internen Kultur an Aussenstehende, was gerade in der schwierigen, fragilen Bewerbungssituation unangenehm sein könne.

Natürlich sei es wichtig, dass Bewerbern klar ist, auf was für ein Unternehmen und auf was für eine Unternehmenskultur sie sich einlassen. Doch bei einer Firma wie der Swisscom wirke das Du bei der Bewerbung etwas künstlich, so Brüderlin.

Was halten Sie vom Duzis am Vorstellungsgespräch oder beim schriftlichen Kontakt? Teilen Sie es uns in der Kommentarspalte mit.

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • judy am 03.08.2015 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Du von anfang an....

    Bewerbungsdossier dann bitte auch nicht in sehr geehrte ect... verfassen. Sondern, Hallo zäme,bewerbe mich für die stelle so und so!!

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  • Aiaya am 03.08.2015 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Jaaaja

    Wenn Sie den Job bekommen hätte, hätte Sie es bestimmt mega coool gefunden ;)

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  • Beatrice am 03.08.2015 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nicht?

    Ist doch vollkommen ok, dutzen ist heute normal! Keiner ist mehr wert als der andere und ich persönlich mag es, wenn ich mit Du angesprochen werde, obwohl ich schon über 50 bin! Anstand bewahren, dann klappt das schon.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • stefania am 05.08.2015 00:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    respektlos

    also wenn man schon eine absage bei der bewerbung bekommt soll man die person auch nicht duzen. ich finde das sehr unhöflich und duze auch nicht eine fremde person.

  • Marc Essome am 04.08.2015 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dynamisch ? innovativ ?

    Ich habe 14 Jahre bei Swisscom Mobile und Swisscom gearbeitet. Es ist mir völlig unklar was ein Du mit dynamisch und Innovativ zu tun hat. Ich habe die Swisscom vor 2 Jahren verlassen genau wie viele Kollegen in den letzten 36 Monaten weil Swisscom mit den neuen VR und dem Seilschaftenmanagement eben nicht mehr dynamisch und innovativ ist. Bin jetzt bei einer weltbekannten schnell wachsenden IT Firma die mit G anfängt und mit ogle endet. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen ab und zu mal zu überlegen mit was er 70% seiner Zeit verbringen möchte. Schade für Swusscom.

  • C.Z. am 04.08.2015 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage?

    An alle die ein Problem damit haben geduzt zu werden. Was macht ihr wenn euer Chef jünger ist als ihr? Ist dann "Respekt" auch nicht möglich?

  • Gruss aus Bern am 04.08.2015 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Billige Masche und längst out

    Diese vorgebliche "Locker-vom Hocker-" und "Alles-easy-Kultur" der Swisscom ist sowas von gestern und hat auch inhouse noch nie der Realität entsprochen. Externe Bewerber/innen einfach zu duzen, ist schlicht daneben und zeugt im Fall einer Absage zudem von mangelnder Empathie und Achtung.

  • Swisscom-leaks am 04.08.2015 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Externe genervt

    Von verschiedenen MA der Swisscom weiss ich, dass sich dort lange nicht alle mit der DU-Kultur wohl fühlen. Das DU wurde ihnen vom Chef aufgezwungen, und sie müssen mitmachen, wenn sie den Job nicht verlieren wollen. " dynamisch, innovativ und modern"? Das wohl kaum.

    • Marina am 04.08.2015 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      soviel blabla

      Ich bin auch SC-Mitarbeiter und geniesse diesen Umgang. Und ich bin über 50ig. Und wenn mir was nicht passt, dann arbeite ich dort nicht. Hier anonym behaupten kann man viel - ich kenne keiner Kollegen, die das schlecht finden würden. Es ist einfach so und alle können damit umgehen. Es ist sicher keine Evolution, aber niemand wird dazu gezwungen. Da gäbe es einige andere Dinge, dass ich kündigen würde. Du kennst wahrscheinlich keinen einzigen, hast nix mit der SC zu tun und bist nur geltungsbedürftig. Ob das nun dynamisch usw ist, ist vielleicht zu hochtrabig ausgedruckt

    • Andreas am 04.08.2015 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      EXTERN

      was haben sich externe zu nerven? EXTERN sagt ja, Aussenstehende. Solange Kunden nicht vom Support geduzt werden, ist doch kein EXTERNER betroffen. Wenn du als EXTERNER genervt bist, dann sorry, dann bist selber schuld. Was geht dich denn eine Swisscom an, bestimmst DU was eine Firma mit der DU nix zu tun hast, weil ja EXTERN bist, was diese tun soll? Interessiert mich ob eine UBS mit Ihren MA per Sie ist? Nein, ich bin ja EXTERN. Und wieso sollte sich ein interner aufregen, gibt nicht weniger Lohn oder ?

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